Wegen fauler Kredite Die Lage der griechischen Banken verschärft sich

Die vier großen Athener Geldinstitute leiden unter faulen Krediten und Ertragsschwund. Jetzt steuern sie mit drastischen Kostenkürzungen gegen.
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Die Piraeus Bank übernahm während der Krise sechs kleinere Institute und stieg damit von Rang vier zum griechischen Branchenführer auf. Quelle: AFP
Piraeus-Bank-Filiale in Athen

Die Piraeus Bank übernahm während der Krise sechs kleinere Institute und stieg damit von Rang vier zum griechischen Branchenführer auf.

(Foto: AFP)

AthenBargeld? Für die Kunden des Supermarktes Sklavenitis an der Athener Vouliagmenis-Avenue war das bis vor Kurzem kein Problem. Gleich drei der vier großen griechischen Banken waren mit Geldautomaten am Eingang präsent. Seit Anfang dieser Woche sind zwei davon verschwunden. Blechplatten verdecken jetzt die Löcher in der Supermarktfassade.

Ein Bild, an das sich die Griechen wohl gewöhnen müssen. Ihre Banken gehen auf Sparkurs. Die Bereitstellung von Bargeld ist ein großer Kostenfaktor. Seit 2010 haben die Institute die Zahl der Geldautomaten bereits von 8 650 auf 5300 reduziert. Jetzt dünnen sie das Netz weiter aus.

Das ist nicht der einzige Schritt, mit dem die Hellas-Banken versuchen, ihre Kosten in den Griff zu bekommen. Alles kommt auf den Prüfstand: Geschäftsstellen, Personal, Gehälter, Arbeitszeiten. Griechenland hat zwar im August nach achteinhalb Jahren den Euro-Rettungsschirm verlassen. Für die griechischen Banken ist die Krise aber noch lange nicht vorbei. Die Branche steht vor einem Umbruch.

Die griechischen Geldinstitute kämpfen mit immensen Kreditrisiken. Die notleidenden Forderungen (NPEs) machten zur Jahresmitte fast 48 Prozent aller ausgereichten Darlehen aus. Rückstellungen und Abschreibungen zehren am Eigenkapital der Banken.

Das ist umso bedrohlicher, als die Institute im operativen Geschäft immer weniger verdienen. Wenn sich der in den Geschäftszahlen des ersten Halbjahres abzulesende Trend fortsetzt, werden die Erträge in diesem Jahr auf das Niveau von 2003 zurückfallen.

Die Entwicklung hat mehrere Ursachen. Die griechischen Geldinstitute mussten sich in den vergangenen Jahren von ihren meisten Töchtern und Beteiligungen in den südosteuropäischen Ländern, der Türkei und Ägypten trennen. Das war eine der Bedingungen für staatliche Kapitalspritzen, mit denen die Banken in der Krise vor dem Zusammenbruch gerettet wurden. Der Rückzug aus dem profitablen Auslandsgeschäft schmälert die Erträge. Ein weiterer Grund: Die Zinseinnahmen gehen zurück, weil die Banken weniger Darlehen vergeben. Im August lag die Kreditsumme um 1,5 Prozent unter Vorjahresniveau.

Ohnehin stehen die griechischen Banken bei den Kosten schlecht da. Während die Effizienzrate, die das Verhältnis von Kosten zu Erträgen beschreibt, im Schnitt der europäischen Banken unter 50 Prozent liegt, kommen die griechischen Institute auf fast 60 Prozent.

Der griechische Bankensektor hat bereits einen drastischen Schrumpfungsprozess hinter sich. In den Jahren 1997 bis 1999 verringerte sich die Zahl der Geschäftsbanken durch Übernahmen, Fusionen und Abwicklungen von 18 auf zehn. Eine zweite Welle der Bereinigung folgte in den Krisenjahren nach 2008. Die Banken bauten die Zahl der Zweigstellen von 4130 auf 1972 ab und reduzierten ihr Personal von 68.000 auf 40.000 Beschäftigte.

Heute sind vier systemrelevante Institute übrig geblieben: die Piraeus Bank, die Eurobank, die National Bank of Greece und die Alpha Bank. Ausländische Banken haben sich aus dem Privatkundengeschäft in Griechenland völlig zurückgezogen.

Zu viel Personal

Jetzt steht die Branche erneut vor tiefen Einschnitten. Die meisten Hausaufgaben warten auf die Piraeus Bank. Sie übernahm während der Krise sechs kleinere Institute und stieg damit von Rang vier zum Branchenführer auf. Mit den Übernahmen handelte sich die Bank allerdings viel Personal, zahlreiche Zweigstellen und einen Berg fauler Kredite ein.

Das Institut hat zwar die Zahl der Filialen bereits mehr als halbiert und den Personalbestand von 18.000 auf knapp 13.000 Mitarbeiter reduziert. Piraeus hat aber unter den vier systemischen Banken mit 54 Prozent immer noch die höchste Quote notleidender Darlehen und mit 62,4 Prozent eine unterdurchschnittliche Effizienzrate.

Entsprechend groß ist der Druck, die Kosten zu senken. Zu den Vorschlägen, die das Institut vergangene Woche mit den Gewerkschaften diskutierte, gehört die Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitstellen. Eine weitere Variante, die jetzt auf dem Tisch liegt: Beschäftigte sollen pro Monat zwölf Tage unbezahlten Urlaub nehmen.

Die Diskussion bei der Piraeus Bank zeigt: Auf viele Bankbedienstete kommen schwere Zeiten zu. Inoffizielle Planspiele in der Branche gehen davon aus, dass die vier großen Institute in den nächsten drei Jahren weitere 800 Zweigstellen schließen und sich von 10.000 Beschäftigten trennen müssen.

Während die Banken bisher Mitarbeiter mit Prämien von 180.000 Euro und mehr in den freiwilligen Vorruhestand verabschiedeten, dürften die Konditionen diesmal weniger großzügig sein. Entlassungen seien angesichts des Kostendrucks nicht mehr tabu, heißt es in der Branche.

Auch das Thema Fusionen könnte wieder auf die Tagesordnung kommen. In den vergangenen Jahren gab es bereits mehrere Anläufe. Zuletzt standen 2012 die National Bank of Greece und die Eurobank kurz vor einem Zusammenschluss, der aber letztlich scheiterte. Analysten argumentieren seit Langem, dass ein Land wie Griechenland mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 185 Milliarden Euro zu klein ist für vier landesweit operierende Geschäftsbanken.

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