Wegen Libor-Skandal 2,5 Milliarden-Dollar-Strafe für Deutsche Bank

Amerikanische und britische Behörden haben die Deutsche Bank zu einer Milliardenstrafe verdonnert. Dem Institut wird zum Verhängnis, dass Mitarbeiter mehrere wichtige Zinssätze manipuliert haben – mit Unverfrorenheit.
Update: 23.04.2015 - 16:09 Uhr 7 Kommentare
Die gegen die Deutsche Bank verhängte Strafe ist die bislang höchste Strafe wegen Manipulationen am Libor-Zinssatz. Quelle: Reuters
Deutsche Bank in New York

Die gegen die Deutsche Bank verhängte Strafe ist die bislang höchste Strafe wegen Manipulationen am Libor-Zinssatz.

(Foto: Reuters)

New York/LondonEs ist offenbar zugegangen wie bei einem Wunschkonzert: „Könnten wir heute einen hohen Sechs-Monats-Libor haben“, fragte ein Händler seinen Kollegen, der an diesem Februartag im Jahr 2005 den Wert für den Referenzzinssatz Libor festlegte. „Sicher, auf welcher Höhe hättest Du ihn denn gern?“, antwortete dieser. Sein Kollege kam sofort mit einem konkreten Vorschlag, den die andere Seite ohne große Diskussionen akzeptierte.

Es sind Dialoge wie diese, mit der Finanzaufseher die Verwicklung der Deutschen Bank in die Affäre um die Manipulation des Libor nachweisen. Das hat dem Geldhaus jetzt eine Rekordstrafe eingebracht. Insgesamt 2,5 Milliarden Dollar (umgerechnet 2,3 Milliarden Euro) muss die Bank zahlen, um die zivilrechtlichen Ermittlungen US-amerikanischer und britischer Finanzaufseher zu beenden. Das gaben die Behörden am Donnerstag bekannt.

Die Aktie der Deutschen Bank lag am Nachmittag zunächst 1,2 Prozent im Minus bei 31,07 Euro, berappelte sich dann aber etwas und notierte um 14.23 Uhr bei 31,33 Euro mit nur noch 0,33 Prozent im Minus.

Die frechsten Zitate der Deutsche-Bank-Händler
„Dann schauen wir mal, dass wir ihnen noch etwas mehr wehtun können“
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„Tiefer, mein Freund, tiefer!“: Mit diesen Worten wandte sich im September 2005 ein Fondsmanager aus London an einen Kollegen – und wollte den Zinssatz für den US-Dollar Libor damit drücken. Für die Deutsche Bank endeten die Zinsmanipulationen von Libor und Euribor nun mit einem Vergleich über 2,5 Milliarden Dollar. Die US-Aufsichtsbehörde CFTC hat Chatprotokolle der Bank-Händler ausgewertet. Und die Dokumentation nun anonymisiert online gestellt.

Im konkreten Beispiel gibt sich der Kollege zunächst noch vorsichtig („es wird schwer“), doch der Fondsmanager lässt nicht locker. Er erklärt, die Konkurrenz manipuliere gerade, weil sie höhere Libor-Sätze bräuchten und schon 25 Millionen Dollar verloren hätten. Der für den Libor zuständige Kollege beschließt mit: „Okay, dann schauen wir mal, dass wir ihnen noch etwas mehr wehtun können.“

„Schick mir direkt morgens eine Mail von Deinem Blackberry“
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Die Anklageschriften dokumentieren den Chatverkehr bei der Deutschen Bank, gesammelt von US-Behörden. In diesem Fall lässt derjenige, der für den Libor zuständig ist, einen Händler wissen, wie er am besten vorgeht, wenn der einen anderen Zinssatz benötigt. Morgens eine E-Mail vom verschlüsselten Blackberry senden und dann „ist die Chance hoch, dass ich auf ein anderes Niveau gehen kann“.

Die Aussichten für den Libor
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Der Libor-Wetterbericht. Der 1-Monats-Libor „sieht heute nach 57 aus“, schriebt ein Mitarbeiter im Sommer 2007 einem Kollegen. „Danke, du bist der ,Man'“, lautete die Antwort des Kollegen.

„Ladies first“
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Nicht jeder Händler bekam offenbar bei den Manipulationen seinen Willen – oder ihren. So fragte eine Händlerin, ob es möglich sei, den Euribor für einen Monat zu senken. „Schwierig“, antwortet der zuständige Kollege, ein Senior Manager hätte ihn lieber auf der höheren Seite. Die Händlerin entgegnet: „Oh nein!! Aber Ladies first, nicht wahr ;))?“ Der Kollege lässt nicht mit sich handeln: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Die Händlerin gibt allerdings erst auf, als der Kollege sagt: „Du unterschreibst nicht meine Bonusschecks, richtig?“

„Ich muss Dich um einen großen Gefallen bitten“
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Der Gesprächsauszug zwischen einem Londoner Fondsmanager und einem Frankfurter Regionalmanager ist dem englischen Kollegen merklich unangenehm. Er fragt nach einem großen Gefallen, druckst aber herum: „Es ist ein, äh... sehr, sehr, sehr großer Gefallen.“ Es geht letztlich darum, den Sechs-Monats-Libor nach oben zu treiben. Der Londoner Fondsmanager lässt sich das „high“, also hoch, mehrfach bestätigen. Und lässt letztlich auch nicht locker, als er hat, was er wollte.

„Ach komm schon! Wir brauchen immer höhere Libor !!!“
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Zinsmanipulation kann eine sehr kumpelhafte Geschichte sein. Ein Händler aus New York fragt einen für den Dollar zuständigen Kollegen, ob der Libor morgen höher sein werde? „Sollte nicht“, lautet die lapidare Antwort. „Ach komm schon! Wir brauchen immer höhere Libor !!!“ erwidert der Händler, nicht ohne eine „haha“ am Ende. Der Kollege sagt darauf, er tue sein bestes. Der Händler gibt daraufhin, nur „neugierig“ gewesen zu sein.

„Sieht aus, als würde es sich gewaltig bewegen“
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Ein Fondsmanager aus London bettelt einen Händler für Euro-Wertpapiere (Swaps) bei der Barclays-Bank um Hilfe an: „Du wirst mir helfen, versprochen???“ Der Kollege gibt sich gönnerhaft: „Ahaa, na klar, mein Freund, sieht aus, als würde es sich gewaltig bewegen“, antwortet er – und spricht vom Libor. Der Fondsmanager fragt noch einmal nach, ob ihm wirklich geholfen werden. Der Barclays-Händler bejaht das.

Das Bußgeld setzt sich aus 800 Millionen Dollar zusammen, die die Bank an die US-Wertpapieraufsicht CFTC überweisen muss. 775 Millionen Dollar gehen an das US-Justizministerium, 600 Millionen Dollar an die oberste New Yorker Finanzaufsicht unter der Führung von Benjamin Lawsky und 340 Millionen Dollar an die britische Behörde FCA.

Die Strafe fällt deutlich höher aus als die Bußgelder der Konkurrenten im Libor-Skandal. Das habe an der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Bank mit den Ermittlern gelegen sowie daran, dass Lawsky anders als bei den vergleichsbaren Fällen ebenfalls an dem Vergleich beteiligt gewesen sei, verlautete bereits im Vorfeld aus Finanzkreisen.

Laut DFS muss die Deutsche Bank sechs Londoner Mitarbeiter und einen Beschäftigten in Frankfurt entlassen, so das NYFDS. „Mitarbeiter der Deutschen Bank haben zu ihrem finanziellen Nutzen an einer weit verzweigten Manipulation der Benchmark-Zinssätze teilgenommen“, so der NYDFS-Chef.

Die Deutsche Bank gelobte in einer Stellungnahme Besserung. „Der Vergleich ist ein weiterer Schritt auf unserem Weg, die Vergangenheit aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass die Bank das Vertrauen der Kunden, Aktionäre und der gesamten Gesellschaft wieder zurückerlangt“, erklärten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Die Bank habe verantwortliche Mitarbeiter im Handelsbereich bestraft oder entlassen und ihre internen Kontrollen verstärkt. Das Führungsduo betonte allerdings auch, dass kein gegenwärtiges oder ehemaliges Vorstandsmitglied von den Tricksereien wusste.

Insgesamt seien 29 Mitarbeiter der Deutschen Bank an den Vorfällen beteiligt gewesen, teilte die FCA mit. Außerdem beschwerte sich FCA-Direktorin Georgina Philippou, dass die Bank „viel zu lang benötigt habe, um entscheidende Dokumente vorzulegen“. Außerdem habe die Deutsche Bank zu lange gebraucht, um Systeme und Kontrollmechanismen zu verbessern.

Als erste Großbank hatte sich die britische Barclays Mitte 2012 in der Libor-Affäre auf einen Vergleich eingelassen. Die Einigung mit Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien kostete das Geldhaus 290 Millionen Pfund (400 Millionen Euro) - und den damaligen Chef Bob Diamond den Job.

Konkurrenten wie UBS, Royal Bank of Scotland und Lloyds folgten und beendeten die zivilrechtlichen Ermittlungen der Behörden ebenfalls mit einem Vergleich. Bei der niederländischen Rabobank ging das auch mit einem Chefwechsel einher. Piet Moerland kündigte seinen Rücktritt an, als das Institut sich 2013 mit Finanzaufsehern auf gut 700 Millionen Euro Strafe geeinigt hatte.

Chat-Protokolle haben viele Banker verraten
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7 Kommentare zu "Wegen Libor-Skandal: 2,5 Milliarden-Dollar-Strafe für Deutsche Bank"

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  • Wann wird diese Bank zerschlagen ? Der Name "Deutsche Bank" ist eine bodenlose Unverschämtheit für eine kriminelle Organisation. Es ist schon klar, dass die BRD eine Veranstaltung der amerikanischen Banken ist, aber so offensichtlich
    ist einfach würdelos für eine besetzte Nation.

  • Earth sometimes could become closer than some Masters of Desasters could think abt...
    Interbankenverkehr - soviel dazu bis jetzt also.

  • Die Deutsche Bank sollte man meiden.
    Keine Konten bei diesen Gangster!!


  • Mich persönlich würde in dem Zusammenhang ja mal interessieren, wieviele Milliarden die Deutsche Bank mit den Manipulationen verdient hat und ob sie diese behalten darf ? Ich denke mal, wenn man die Gewinne in der Zeit der Strafe gegenüber stellt, ist diese noch vergleichsweise milde ausgefallen.

    Genauso wie die gezahlten Boni der Leute, die aktiv da mitgemacht haben. Müssen die jetzt ihre Boni zurückzahlen ?

  • Da hat doch bestimmt noch der olle Ackermann seine Zotzen mit dabei gehabt oder?
    Kann mich noch gut erinnern an seine so oft zitierte Ansage:
    " 25% Kamptalrendite" muss sein Institut abliefern, mindestens.
    Das war noch zu Zeiten vor der Finanzkrise also 2006 - 2008.
    Viele haben sich gewundert, wie das geht und haben als Unternehmer teilweise an Ihre,
    Geschäftskonzept gezweifelt, weil unter normalen Umstände eine solche Rendite nur sehr
    schwer zu realisieren ist. Habe schon damals gedacht, da geht etwas nicht mit "rehten Dingen" zu; steckt wohl sehr viel kriminelle Energie dahinter.
    Ackermann dann plötzlich sehr schnell abgetreten, mit Rückdeckung der Politkaste in Berlin, mit der er aufs "engste" verbandelt war.
    Wer braucht eigentlich die Deutsche Bank noch?
    Kann man diesen kriminellen Sauhaufen nicht abwickeln?

  • Und trotzdem meldet der alte Brötchengeber vorab für Q1 Erträge (und die daraus zu zahlenden Steuern) annähernd auf Rekordniveau. Die (Erträge) kommen wohl kaum aus dem (boring) Retailgeschäft.


    Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


    Ralph

    Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
    - selbst. Börsenhändler -
    Algo- und System-Trading

    Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

  • Boni-Rückforderungen von den Verantwortlichen
    einschliesslich der unmittelbaren Vorgsetzten sollte der nächste Schritt sein.
    Es kann nicht sein, dass jemand durch illlegale Transaktion dauerhaft Boni in der eigenen Tasche behalten darf!

    Zur Strafhöhe selbst:
    da kann man nur hoffen, dass die Deutsche Bank rechtzeitig - als der Dollar noch wesentlich schlechter stand - Kurssicherungsgeschäfte für die gesamten voraussichtlichen Strafzahlungen getätigt hat. Denn mit dieser Strategie könnte man den Schaden wenigsten etwas mindern!

    Ich hoffe, die Journalisten fragen am 29.04.2015 in der Pressekonferenz explizit nach, ob solche Kurssicherungsgeschäfte für die Strafzahlugen getätigt wurden!

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