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Die Generali Leben mit rund vier Millionen Kunden soll an den Lebensversicherungs-Abwickler Viridium verkauft werden.

(Foto: dpa)

Wegen Niedrigzinsen Generali verkauft vier Millionen Lebenspolicen an Abwickler

Generali verkauft seine Tochter Generali Leben an den Abwickler Viridium. Eine Zustimmung der Finanzaufsicht steht noch aus. Der Deal wird zum Testfall für die gesamte Branche.
Update: 05.07.2018 - 11:45 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf, München, RomDer Verkauf hatte sich schon seit einer Weile angekündigt, nun ist er beschlossen: Der italienische Versicherungskonzern Generali veräußert seine stillgelegte deutsche Tochter Generali Leben. Rund vier Millionen Kunden werden somit an den Lebensversicherungs-Abwickler Viridium weitergegeben. Das machte sich an der Börse bemerkbar: Die Aktien der Generali lagen am Donnerstagmorgen mehr als 2,2 Prozent im Plus.

Insgesamt 89,9 Prozent an der Generali Leben sollen an das Unternehmen aus Neu-Isenburg bei Frankfurt gehen. Hinter Viridium stehen der Finanzinvestor Cinven und die Hannover Rück. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin muss der Transaktion aber noch zustimmen.

„Durch einen Unternehmensverkauf darf kein Versicherungsnehmer schlechter gestellt werden“, sagte der Exekutivdirektor der Bafin, Frank Grund. „Dies stellen wir bei Bedarf durch geeignete Maßnahmen sicher.“ Sofern die Belange der Versicherungsnehmer nicht ausreichend gewahrt sind, kann die Bafin den geplanten Erwerb untersagen.

Heinz-Peter Roß, Vorsitzender des Vorstands der Viridium-Gruppe, sagte zu dem Deal: „Wir freuen uns über dieses starke Signal des Vertrauens in die Viridium-Gruppe und gehen davon aus, dass wir den Kaufvertrag zügig unterzeichnen werden.“

Generali Leben wird bei dem Verkauf mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet. 300 Mitarbeiter, die sich um das 37,1 Milliarden Euro schwere Portfolio kümmern, sollen in eine neue Servicegesellschaft wechseln.

Der Verkauf der Generali Leben ist bisher der mit Abstand größte Verkauf eines Lebensversicherungs-Portfolios an einen Abwickler. Der Verkauf ist laut Generali auf die anhaltend niedrigen Zinsen zurückzuführen. Sie machen Anbietern von Lebensversicherungen zu schaffen, denn sie haben ihren Kunden in Altverträgen oft – aus heutiger Sicht – sehr hohe Zinsen garantiert.

Lebensversicherungen gehören zu den beliebtesten Finanzprodukten der Deutschen. Rund 88 Millionen solcher Policen halten sie insgesamt. Ein Verkauf seitens des Anbieters ist zwar legal, stellt für viele Kunden aber einen enormen Vertrauensbruch dar. Denn die Lebensversicherung ist nach deutschem Verständnis ein Versprechen auf Lebenszeit. Der Verbraucher verpflichtet sich, bis zum Rentenalter regelmäßig seine Beiträge abzuführen. Dafür gibt ihm der Versicherer die Zusage, das Geld zu verzinsen und dem Versicherten bis zum Lebensende eine monatliche Rente oder einen Einmalbetrag auszuzahlen.

Der Verkauf der Generali Leben wird somit zum Testfall für die gesamte Branche. Der Widerstand gegen solche Deals ist bislang gewaltig. Der Versicherer Ergo hatte erst kürzlich einen ebenfalls geplanten Verkauf abgeblasen und damit auf eine Welle der Empörung reagiert.

Anja Karliczek, CDU-Finanzexpertin und neue Bildungsministerin, warnte die Versicherer jüngst vor einem solchen „Vertrauensbruch gegenüber ihren Kunden“. Die Politikerin sucht nach rechtlichen Möglichkeiten, damit Versicherte einem Verkauf ihrer Verträge künftig zustimmen müssten. Auch Grund von der Bafin hatte bekräftigt, dass seine Aufsicht die Belange der Versicherten wahren werde – nicht nur in finanzieller Hinsicht. Je größer der Bestand, desto strikter die Anforderungen an mögliche Käufer.

„Ich kann nicht ausschließen, dass in Zukunft – je nachdem, wie sich die Leitzinsen entwickeln – einige Firmen in Schwierigkeiten geraten können“, sagte der Chef der EU-Versicherungsaufsicht Eiopa Gabriel Bernadino kürzlich mit Blick auf die gesamte Branche. Aber auch er bekräftigte: „Wir haben die Instrumente, um auf eine solche Situation zu reagieren und zu verhindern, dass Kunden die Leidtragenden sind.“

Der Verkauf dürfte Generali mehr Gewinne bescheren

Für den größten italienischen und drittgrößten europäischen Versicherungskonzern Generali bedeutet der Verkauf einen weiteren Schritt beim Umbau des Konzern zu einer One-Company. Darunter versteht man die strategische Entwicklung hin zu einer weltweit einheitlichen Unternehmenskultur. Der Abschluss sei ein fundamentaler Schritt der neuen Strategie, sagte CEO Philippe Donnet am Donnerstag.

Durch den Verkauf seien nun Investitionen in innovative Lösungen für die deutschen Kunden möglich. In Deutschland ist Generali der zweitgrößte Versicherer. Es werde künftig mehr Rendite für die Aktionäre erreicht, kündigte Donnet an.

2017 sei mit einem Rekord-Nettogewinn von 2,1 Milliarden ein sehr positives Jahr gewesen, hatte auch der Verwaltungsratsvorsitzende der Generali Gabriele Galateri di Genola im April bei der Hauptversammlung resümiert.Ein neuer Strategieplan von Donnet wird im November erwartet.

An der Mailänder Börse machte die Aktie am Morgen einen Sprung von mehr als zwei Prozentpunkten. „Die Verkaufsbedingungen sind besser als erwartet“, so Analysten des Mailänder Brokerhauses Equita. Der Deal sei das letzte Puzzlestück der neuen Strategie des Versicherers in Deutschland, „das ein Schlüsselland für Generali bleibt.“

Mit Material von Reuters.

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1 Kommentar zu "Wegen Niedrigzinsen: Generali verkauft vier Millionen Lebenspolicen an Abwickler"

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  • @ Lara Marie Müller, Carsten Herz:
    Das Vertrauen der Versicherungsnehmer zu Generali wird auf eine harte Probe gestellt.
    Was soll so eine "Abwicklung" letztendlich bringen?
    Kein Versicherungsnehmer wird wohl daraus einen Vorteil haben - wie sieht es mit den Nachteilen letztendlich aus - Wer ist eigentlich Viridium???? Welche Anteile haben der Finanzinvestor Cinven und die Hannover Rück????
    „Ich kann nicht ausschließen, dass in Zukunft – je nachdem, wie sich die Leitzinsen entwickeln – einige Firmen in Schwierigkeiten geraten können“, sagte der Chef der EU-Versicherungsaufsicht
    Die Generali macht sowas wie eine "bad insurance" vergleiche "bad bank" - sie lagert Risiken aus.
    Verpflichtet die Finanzaufsicht die Generali für Viridium gerade zu stehen????

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