Wegen Übernahme-Avancen Commerzbank heuert Investmentbanken an

Die Commerzbank reagiert auf das Kaufinteresse von Unicredit, Crédit Agricole & Co. Das Geldhaus hat Finanzkreisen zufolge zwei Investmentbanken beauftragt, sie bei strategischen Optionen zu beraten.
Update: 24.10.2017 - 11:09 Uhr 1 Kommentar

Commerzbank rüstet sich offenbar für Übernahmeversuche

Commerzbank rüstet sich offenbar für Übernahmeversuche

FrankfurtUnicredit, BNP Paribas, Crédit Agricole: Wer in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen über mögliche Interessenten gelesen hat, der könnte den Eindruck erlangen, eine Übernahme der Commerzbank stehe kurz bevor. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass nun auch die Bank selbst aktiv wird.

Sie hat Finanzkreisen zufolge die Investmentbanken Goldman Sachs und Rothschild beauftragt, sie bei strategischen Optionen zu beraten. Dabei gehe es nicht um ein reines Abwehr-Mandat, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen dem Handelsblatt. Zuerst hatte darüber die „Financial Times“ berichtet. Die Commerzbank, Goldman Sachs und Rothschild äußerten sich dazu nicht.

Höheres Tempo beim Filialsterben
Die Gründe für die Schließung der Filialen
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In den letzten beiden Jahren wurden in Deutschland etwa 2.200 Bankfilialen geschlossen. Ein Hauptgrund dafür ist die zunehmende Digitalisierung. Diese bringt zum Beispiel neue Technologien mit sich. Dadurch ändern sich auch die Kundenanforderungen, auf welche die Banken dann reagieren müssen. Neben diesen Gründen wollen die Banken selbstredend ihre Effizienz steigern. Außerdem spielt auch der demographische Wandel eine nicht unbedeutende Rolle.

(Quelle: KfW Research)

Die Zahlen
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Von 2001 bis 2015 nahm die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland durchgehend ab. Durchschnittlich wurden pro Jahr etwa zwei Prozent der Standorte geschlossen. 2002 wurden mit 5,6 Prozent prozentual die meisten Filialen aufgegeben. Zwischen 2006 und 2012 schwankten die Zahlen zwischen 0,5 Prozent und 1,7 Prozent. Seit 2013 steigen die Zahlen wieder, sodass 2015 vier Prozent der Standorte wegfielen.

Alle Kreditinstitutstypen sind betroffen
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Dass ein Kreditinstitutstyp besonders von dem Abbau betroffen ist, lässt sich nicht feststellen. Beispielsweise im Jahr 2015 wurden bei den Genossenschaftsbanken 3,9 Prozent der Filialen geschlossen, bei den Kreditbanken waren es 3,8 Prozent und bei den Sparkassen 4,2 Prozent. Auch in den vorherigen Jahren sind die Unterschiede nicht gravierender.

Fast alle Regionen betroffen
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Der innerdeutsche Vergleich zeigt, dass die meisten Regionen in Deutschland von den Schließung der Filialen betroffen sind. Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen ländlichen Regionen – seit 2000 wurden hier durchschnittlich 27 Prozent der Bankfilialen geschlossen – und Städten – hier waren es „nur“ 23 Prozent. Entgegen des allgemeinen Trends konnten auch einige Regionen einen Anstieg verzeichnen. Der Spitzenreiter dieser Regionen ist Frankfurt am Main (Bild) mit einem Anstieg von 59 Prozent.

Europäischer Durchschnitt
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Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten liegt Deutschland bei der Filialdichte angeht – mit 3,5 Filialen pro 10.000 Einwohner – im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Spanien mit 6,7 Standorten und Schlusslicht sind die Niederlande mit einer Filiale, hier wurden zwischen 2000 und 2015 66 Prozent der Zweigstellen geschlossen. In Ländern wie Frankreich und Portugal wurde das Filialnetz entgegen des Trends sogar deutlich ausgebaut.

Immer weniger Standorte
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Setzt sich der Trend weiter fort und das Tempo, in welchem die Banken geschlossen werden, bleibt weiterhin so hoch, werden im Jahr 2035 etwa 52 Prozent der Filialen geschlossen sein, die noch im Jahr 2000 existierten. Nebenbei müssen die Kreditinstitute die fortschreitende Digitalisierung bewältigen und versuchen, dass trotz des Rückbaus der Filialnetzes die Qualität und Quantität der Versorgung der Kunden nicht leidet.

Aktuell seien keine konkreten Übernahmeangebote zu erwarten, zumal die Regierungsbildung in Berlin noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte, hieß es. Aber die Commerzbank wolle verschiedene Optionen prüfen lassen, falls sich die neue Bundesregierung irgendwann für einen Verkauf ihres Anteils von gut 15 Prozent an der Bank entscheiden sollte.

Die italienische Großbank Unicredit hat Finanzkreisen zufolge bereits vor der Bundestagswahl in Berlin wegen der Commerzbank vorgefühlt. Wenig später bekundete Crédit-Agricole-Chef Philippe Brassac im Handelsblatt-Interview grundsätzliches Interesse an Deutschlands zweitgrößter Privatbank. „Wenn ein so großes Institut wie die Commerzbank tatsächlich zum Verkauf stünde, müssten wir das als eines der bedeutendsten Institute in der Euro-Zone sicher analysieren“, sagte er.

Die Bundesregierung ist seit der staatlichen Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise am Frankfurter Geldhaus beteiligt. Und der Bund hat mehrfach klar gemacht, keine Eile beim Verkauf des Aktienpakets zu haben. Zudem müsste der Kurs der Commerzbank noch deutlich zulegen, damit ein Ausstieg für den Staat kein Verlustgeschäft würde.

Gegen eine Übernahme spricht aktuell auch, dass sich die Commerzbank mitten im Umbau befindet. Der neue Vorstandschef Martin Zielke hat im Herbst 2016 im Rahmen seiner Strategie „Commerzbank 4.0“ den Abbau von 9600 Vollzeitstellen angekündigt. Über die Details verhandelt die Bank aktuell mit den Arbeitnehmern. Das Geldhaus will sich künftig ganz auf das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden konzentrieren. Zudem möchte Zielke das Institut zu einem „digitalen Technologieunternehmen“ entwickeln und bis 2020 rund 80 Prozent der Geschäftsprozesse digitalisieren.

Bei vielen Mitarbeitern der Bank ist die Stimmung im Keller. Sie fragen sich, ob der Umbau funktioniert und wohin er führen soll. „Haben wir das Ziel, eine eigenständige Bank zu bleiben?“, fragt ein Arbeitnehmervertreter. „Oder soll die Braut nur für einen Verkauf aufgehübscht werden?“

Viele Investoren, Finanzmanager und Bankenaufseher halten eine Übernahme der Commerzbank ab 2019 für realistisch, wenn der Umbau des Instituts weitgehend abgeschlossen sein soll. Aus Sicht von Investoren steigt dann auch der Druck auf die Deutsche Bank, sich erneut mit der Commerzbank zu beschäftigen. Im vergangenen Jahr hatten beide Geldhäuser bereits kurz über einen Zusammenschluss gesprochen. Die Verhandlungen wurden jedoch nach kurzer Zeit auf Eis gelegt – und seitdem nicht wiederbelebt.

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1 Kommentar zu "Wegen Übernahme-Avancen : Commerzbank heuert Investmentbanken an"

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  • ÜBERNAHMESPEKULATIONEN
    Goldman Sachs soll Commerzbank beraten
    Datum:
    24.10.2017 09:08 UhrUpdate: 24.10.2017, 09:30 Uhr
    Das deutsche Geldhaus will sich gegen die jüngsten Übernahmeavancen wehren und hat dafür laut einem Medienbericht zwei andere Banken als Berater engagiert. Die Diskussion kommt für die Commerzbank zur Unzeit.

    ..............................

    Wie heißt das Motto ???

    " Es könnte noch schlimmer sein, und es kam schlimmer weil es kam Goldman Sachs ????? "

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