Wertpapieraufsicht ESMA EU attackiert Ratingagenturen

Gerade erst gegründet – und schon legt sich die ESMA mit den ganz Großen an: Die EU-Wertpapieraufsicht attackiert die Ratingagenturen scharf und fordert, dass sie sich an die Regeln in Europa halten.
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Von New York aus in die ganze Welt: Standard and Poor's und die anderen beiden großen Ratingagenturen sind im Visier der EU. Quelle: dpa

Von New York aus in die ganze Welt: Standard and Poor's und die anderen beiden großen Ratingagenturen sind im Visier der EU.

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BerlinDie neue EU-Wertpapieraufsicht ESMA legt sich mit den großen US-geprägten Ratingagenturen an. „Wir sollten nicht blindlings das regulatorische System von Drittländern übernehmen“, sagte ESMA-Chef Steven Maijoor der „Financial Times Deutschland“. Er drohte den drei großen Ratingagenturen mit Sitz in den USA - Standard + Poor's, Moody's und Fitch - der Zeitung zufolge mit der Versagung der Zulassung, wenn sie sich nicht an die Regeln in Europa hielten.

Damit unterstrich Maijoor den Anspruch der Europäer, mit ihren Regulierungsregeln in Abgrenzung zu den USA eigene Standards für die Risikobewertung zu setzen. Ab 7. Juli wird die ESMA alleiniger Aufseher über die Ratingagenturen in Europa. Auch Agenturen aus Drittstaaten wie den USA müssen von ihr dann lizenziert werden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ihre Ratings in Europa genutzt werden, hieß es in der Zeitung.

Die Ratingagenturen sind mit der großen Finanzkrise selbst massiv in die Kritik geraten. Ihnen wurden Fehlbewertungen vorgeworfen und damit eine Mitschuld an der Krise. Als Bewerter des Risikos nicht nur von Unternehmen, sondern auch Staaten und ihren Kreditpapieren stehen sie zudem aktuell in Verbindung mit der Schuldenkrise in Teilen des Euro-Raumes wieder im Fokus.

Die Bonitätseinschätzung der großen Ratingagenturen für Problemländer wie Griechenland stellt einen entscheidenden Faktor für die Marktakzeptanz oder -ablehnung von Rettungsplänen und -anstrengungen dar.

  • rtr
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13 Kommentare zu "Wertpapieraufsicht ESMA: EU attackiert Ratingagenturen"

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  • Soll der Heim-Schiedsrichter künftig nur für das Rating europäischer Anleihen zuständig sein oder wird der ESMA auch die Lizenz für das Rating aller Anleihen - also weltweit - beantragen?

  • Dieselben EU-Apparatschicks, die von den PIGS während zehn Jahren an der Nase herum geführt wurden, plustern sich jetzt auf und machen Lärm. Auch eine Art Leistungsausweis.

  • Ihre Meinung ist logisch.
    Also sollten wir alle unseren kritischen Verstand einsetzen.
    Ratingagenturen müssen an die Leine genommen werden, es müssen verbesserte und prüfbare Standarts für Ihre Arbeit gelten.
    Das Unternehmer und/oder Manager so schnell wie möglich für ihre Fehler in Haftung genommen werden, diese Meinung teile ich ebenfalls.

  • Sie glauben anscheinend, dass die US-Ratingagenturen ohne Einfluß agieren. Meiner Einschätzung nach ist das nie und nimmer der Fall. Schon die Tatsache, dass große Banken an Ratingagenturen beteiligt sind macht sie unfrei.

    Eine weitere Lügenagentur würde die Systematik nicht verbessern. Es würde nur etwas eu-freundlicher gelogen.

    Weg mit Rating. Die Verantwortung sollten die hochbezahlten Manager selbst tragen. Die rufen immer nach Kapitalismus, was auch Verantwortung bedeutet - und schaffen sie selber ab.

  • @omegalicht
    Das klingt gut trifft aber nicht die Realität.
    Rating ist faktisch das Outsourcing der Verantwortung. Bankmanager müssen keine eigenen Risikoeinschätzungen mehr verantworten. Sie beziehen sich einfach auf das Rating beim Risikoaufschlag fertig. Geht das schief! Macht nix. Machen ja alle so.

    Rating bringt keine Sicherheit, sondern vereint im Irrtum.

    Ein Beispiel: Die Bauer richten sich beim Möhrenanbau nach einer Ratingagentur. Das Ergebnis der normierten Entscheidung wäre entweder eine Möhrenschwemme oder ein Möhrenmangel. Das erinnert mich eher an Planwirtschaft als an Marktwirtschaft. Also Ratings abschaffen.

  • Die EU will den Heim-Schiedsrichter.

  • Verantwortung kann man nicht delegieren - jedenfalls nicht an unverbindliche Meinungsäusserungen von Ratingagenturen. Alle die jammern dass die soviel Einfluss hätten, vergessen das. Es sind immer und ausschliesslich die, welche ihre Entscheidungen auf der Basis von Ratings treffen, für etwaige Probleme verantwortlich.

  • Welches andere Rating als D (default) sollte man einem Staat geben, der nachweisloch zahlungsunfähig ist und dessen Bürger nicht bereit sind, dies zu ändern?! Ratingagenturen sind private Unternehmen. Eine EU-Ratingagentur würde also EU-Staaten auf Wunsch der EU-Politiker ein gutes Rating geben, so dass die Europäische Bad Bank (EZB) deren Anleihen als Sicherheiten akzeptieren kann. Das wird nicht funktionieren, weil diese politischen Ratings als Lachnummer gelten werden. Erinnert irgendwie an die DDR.

  • und wann kommt nun endlich der Downgrade für die USA auf mindestens BBB ??

  • Rating ist eine Einschätzung der Kreditwürdigkeit.
    Wenn diese Agenturen gute Arbeit leisten, dann dient das der Information und Risikobegrenzung.
    Niemand vergibt sein Geld ohne die Gewähr dieses auch wieder zu erhalten.
    Europa sollte aber mind. eine unabhängige Agentur haben.
    Wir sollten unsere Gelder ( Steuergelder ) nicht ohne Informationen und Ratings vergeben...der Verlust droht aber doch, so wie es aktuell in Europa ist.

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