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WestLB und NordLB wollen sich mit Hilfe japanischer Spezialisten auf dem hiesigen Markt etablieren Faule Kredite werfen lukrative Rendite ab

Der Markt für das Geschäft mit faulen Krediten wurde in den vergangenen Jahren von angelsächsischen Finanzinvestoren und Investmentbanken beherrscht. Private-Equity-Fonds wie Lone Star oder Cerberus profitierten davon, dass sich private Großbanken oder auch öffentlich-rechtliche Institute wie die BayernLB von ihren Not leidenden Darlehen in großem Umfang trennten, um Platz zu schaffen in der Bilanz für neue Kredite.

HB DÜSSELDORF. Mit den beiden Landesbanken NordLB und WestLB treten seit Juli zwei neue Player in den Markt, um die Dominanz der angelsächsischen Fonds zu brechen. Unter dem Namen SGK – Servicegesellschaft Kreditmanagement GmbH – geht bundesweit das erste Unternehmen aus dem öffentlich-rechtlichen Bankensektor an den Start. Beteiligt an diesem Joint Venture sind auch die japanische Shinsei Bank und der amerikanische Investor Christopher Flowers. Für die Sparkassen-Finanzgruppe ist dies ein wichtiges Signal nach außen, dass man sich privatem Beteiligungskapital gegenüber öffnet. Allerdings haben die beiden ausländischen Adressen nur eine Minderheitsbeteiligung, die beiden Landesbanken halten dagegen zusammen 66 Prozent an dem Joint Venture. Das Angebot zum Ankauf fauler Kredite gelte sowohl für öffentlich-rechtliche als auch private Banken, sagt NordLB-Vorstand Gunter Dunkel. Die genossenschaftliche Bankengruppe verfügt mit der BAG Hamm bereits seit längerem über eine Abwicklungseinheit für faule Kredite, die sich ebenfalls für Dritte öffnen will.

Beim Geschäftsmodell einer „Bad Bank“ werden große Kreditpakete mit einem hohen Abschlag zwischen 60 und 90 Prozent auf den ursprünglichen Wert aufgekauft. Die Käufer der faulen Kredite versuchen dann, bei den Schuldnern eine Teilrückzahlung zu erreichen, im Fachjargon als „Workout“ bezeichnet. Die erzielbaren Renditen werden von Branchenkennern zwischen 15 und 20 Prozent geschätzt.

Die beiden Landesbanken bringen zum Start eigene Kreditbestände über jeweils 200 Mill. Euro Nennwert ein. WestLB-Vorstand Manfred Puffer sagt, im ersten Geschäftsjahr rechne man mit dem Ankauf von Not leidenden Kreditportfolios in Höhe von mindestens 200 Mill. bis 300 Mill. Euro. Experten schätzen, dass der Markt für faule Kredite in Deutschland ein Volumen von 300 Mrd. Euro hat. Davon entfallen etwa 60 Mrd. bis 100 Mrd. Euro auf den öffentlich-rechtlichen Bereich, also auf Landesbanken und Sparkassen. Thierry Porté, Präsident der Shinsei Bank, verwies auf die Erfahrung seines Instituts in der Verwertung fauler Kredite. Insgesamt habe seine Bank einen eigenen Bestand von umgerechnet 16 Mrd. Euro abgearbeitet. Shinsei – was übersetzt Wiedergeburt heißt – ging im Jahr 2000 aus der Sanierung der vorübergehend verstaatlichten Long-Term Credit Bank of Japan hervor.

Das Fachwissen und die Technologie für die Verarbeitung notleidender Kredite bringt Shinsei jetzt in das deutsche Gemeinschaftsunternehmen ein. Zu Beginn wird sich die neue Gesellschaft auf gewerbliche Kredite beschränken, eine Ausweitung auf Konsumentenkredite zu einem späteren Zeitpunkt sei nicht ausgeschlossen, sagte NordLB-Vorstand Dunkel. Im Geschäft mit kleinteiligen Krediten sind bisher beispielsweise der Spezialist Hoist und der Inkassospezialist Creditreform tätig. Eine Reihe regionaler Sparkassenverbände aus den neuen und alten Bundesländern unterstützt die „Bad Bank“ von NordLB und WestLB und will eigene Kreditbestände anliefern. Dazu zählen bisher die ostdeutschen Sparkassen und die Institute aus dem Rheinland, Westfalen-Lippe und Niedersachsen.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) begrüßt die Bildung dieses „Kompetenzcenters“ zwischen den beiden Landesbanken. Das Joint Venture biete die Möglichkeit eines weitergehenden Zusammenrückens innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe, etwa durch die Aufnahme weiterer Landesbanken. Branchenbeobachter glauben, dass die Plattform nur dann profitabel arbeiten wird, wenn entsprechende Mengen im Milliarden-Bereich über sie abgewickelt werden. Deshalb wäre es für die öffentlich-rechtliche Bankengruppe ratsam, weitere Landesbanken ins Boot zu holen und auf eine Konkurrenz innerhalb des Verbunds zu verzichten.

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