Wettbewerbsfähigkeit Sewing fordert europäische Bankenunion – Draghi ist „zuversichtlich“

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank fordert eine europäische Bankenunion. EZB-Chef Draghi rechnet mit raschen Fortschritten.
Update: 18.09.2018 - 12:06 Uhr Kommentieren
Deutsche Bank: Christian Sewing fordert europäische Bankenunion Quelle: Reuters
Christian Sewing

„Wir brauchen einen einzigen Standard“, fordert Sewing.

(Foto: Reuters)

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, hat erneut gefordert, dass Europa einen harmonisierten Rahmen für Banken schaffen sollte, da die Kreditinstitute der Region sich schwer tun, mit Wettbewerbern aus den USA und Asien Schritt zu halten.

Wenn man „wirklich einen Wettbewerbsvorteil“ gegenüber Amerika und Asien haben wolle, müsse die Bankenunion abgeschlossen werden, sagte Sewing auf dem Bloomberg European Capital Markets Forum in Mailand. „Wir brauchen einen einzigen Standard“, forderte er und fügte hinzu, dass eine Bankenunion eine Voraussetzung für die Konsolidierung im europäischen Bankensektor sei.

Unterdessen sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, auf einer Fachkonferenz in Paris, er sei zuversichtlich, dass bald „bedeutende Schritte“ in Richtung Europäische Bankenunion unternommen würden.

Unter der europäischen Bankenunion wird ein gemeinsamer Mechanismus für die Aufsicht und Abwicklung von Banken in der EU verstanden, inklusive einer gemeinsamen Einlagensicherung. Gerade dieser Punkt ist heftig umstritten, vor allem in Deutschland. Eine gemeinsame Aufsicht über die Großbanken gibt es hingegen seit 2014 unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) in Form des einheitlichen europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM). Dieser wird als erste Säule der Bankenunion bezeichnet.

Die zweite Säule ist der einheitliche Mechanismus zur Abwicklung maroder Banken - kurz SRM. Beim Aufbau des dazu gehörenden einheitlichen Abwicklungsfonds (SRF) mahnte Draghi Fortschritte an.Auch der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau drückt aufs Tempo.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich Ende Juni darauf verständigt, dass der Euro-Rettungsfonds ESM künftig als Letztabsicherung (common backstop) für den SRF dienen soll. Diese Absicherung soll dann greifen, wenn bei großen Bankenkrisen die Mittel des SRF nicht mehr ausreichen. Gleichzeitig soll der in Luxemburg ansässige ESM eine größere Rolle bei der Ausarbeitung und Überwachung von Hilfsprogrammen erhalten.

Die Finanzminister der Euro-Länder sollen die Eckpfeiler für die Weiterentwicklung definieren. „Es ist jetzt dringlich, bis Ende des Jahres zu liefern“, mahnte Villeroy. Den SRF voll funktionstüchtig zu machen, habe Priorität. Bei der umstrittenen Europäischen Sicherung von Bankeinlagen sei hingegen ein „pragmatischer Kompromiss“ nötig.

Dieses im Fachjargon Edis genannte Vorhaben ist der dritte Tragpfeiler der Bankenunion und in Deutschland umstritten. Gegner fürchten, dass heimische Institute in Haftung genommen werden, wenn Geldhäuser andernorts in Schieflage geraten. Die oberste EZB-Bankenaufseherin, Daniele Nouy, will die dritte Säule dennoch bald stehen sehen: „Europa braucht Edis. Und da der SSM die Risiken bereits beträchtlich verringert hat, ist jetzt die rechte Zeit, Edis aufzubauen.“

Kritiker fordern jedoch, vor einer größeren Risikoteilung Altrisiken abzubauen. Bundesbank und Bundesregierung vertreten eine ähnliche Position. Ende des ersten Quartals 2018 schleppten Geldhäuser in der Euro-Zone noch faule Kredite (NPLs) im Volumen von 688 Milliarden Euro mit sich herum.

Draghi verwies darauf, dass die Bestände an NPLs bei großen Banken binnen drei Jahren um ein Drittel reduziert worden seien. „Doch weitere Anstrengungen von Banken, Aufsehern und Regulierern sind nötig, um die verbleibenden Bestände an NPLs abzubauen.“ Dies gelte insbesondere für Staaten, wo die NPL-Quote noch hoch sei, sagte der Italiener, ohne sein Heimatland zu nennen. Die italienischen Banken stehen besonders im Fokus, weil sie unter einem gewaltigen Berg an faulen Krediten ächzen.

Die europäischen Kreditinstitute haben langsamer als ihre US-Kollegen die Folgen der Finanzkrise von 2008 bewältigt, auch weil der Markt nach nationalen Gesichtspunkten fragmentiert bleibt, was grenzübergreifende Fusionen erschwert. Sewing sagte im August, dass der Konsolidierungsdruck langfristig deutlich steigen wird.

Europa und vor allem Deutschland hat nach Ansicht von Experten zu viele Banken. Deshalb wird seit Jahren mit dem Beginn einer großen Konsolidierungswelle gerechnet, auch über die nationalen Grenzen hinweg. Ob und was für eine Rolle dabei die Deutsche Bank spielen könnte, ist seit langer Zeit ein Gegenstand von Spekulationen.

Derzeit wahrscheinlicher als ein Zusammengehen mit einem ausländischen Institut scheint laut Medienberichten ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank. Allerdings sind beide Geldhäuser derzeit noch stark mit sich selbst beschäftigt und versuchen auch zehn Jahre nach der Finanzkrise zu alter Stärke zurückzufinden.

  • Bloomberg
  • rtr
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