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Wie ein Kreditinstitut aus New Orleans um seine Kunden und das eigene Überleben ringt „Schwarze Bank“ kämpft gegen die Flut

Alden MacDonald sitzt auf einer Tischplatte im Gemeinschaftsraum des Jugendzentrums von Baton Rouge und schlürft Kaffee aus einem Plastikbecher. Die Krawatte ist gelockert, die Stirn gerunzelt. Der 62-jährige Bankmanager lauscht seinem Krisenstab und blickt noch ernster drein, als es sein seriöses Auftreten hinter dem Bankschalter sonst ohnehin verlangt.
  • Frank Siering (Handelsblatt)
Viele Kunden der Liberty Bank haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren.

Viele Kunden der Liberty Bank haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren.

HB NEW ORLEANS. MacDonald ist Chef der Liberty Bank & Trust, einer Kommunen-Bank in Louisiana, deren Klientel zu Zweidrittel schwarze Amerikaner sind. Jene Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut in den Fluten der Nachwehen von Hurrikan Katrina verloren haben. Und plötzlich kämpft Liberty & Trust nicht nur um das eigene Überleben, sondern steht als Symbol für die finanzielle Zukunft einer gesamten Region.

„Wenn wir es nicht schaffen, verlieren Millionen von schwarzen Amerikanern in Louisiana einen finanziellen Hoffnungsschimmer“, sagt MacDonald, der seit Tagen versucht, das Geldinstitut zu retten. Die Kundenbasis zieht sich durch alle ökonomischen Ebenen der schwarzamerikanischen Gemeinde. Die Zukunft der Bank könnte als „Barometer der Widerstandsfähigkeit der schwarzen Mittel- und Arbeiterschicht dienen“, schreibt die Los Angeles Times.

Alle acht Fillialen des Instituts in New Orleans standen und stehen zum Teil unter Wasser. Mehr als eine Million Dollar in Bargeld liegt noch in den nassen Tresoren der Bank. „Abziehen müssen wir das Geld, das uns in der letzten Woche gestohlen wurde“, erzählt MacDonald. Kein einziger Bankautomat in New Orleans funktioniert. Die Kunden schließen ihre Konten in der einzigen noch geöffneten Liberty-Filiale in Baton Rouge zu Hunderten, mehr als acht Millionen Dollar an Einzahlungen gingen Liberty an nur einem Tag in der vergangenen Woche verloren. In der Zwischenzeit werden Millionen von Dollars für Haus- und Autoversicherungen nicht gezahlt, Kredite bleiben unbeglichen. „Es ist eine Katastrophe“, fasst MacDonald zusammen.

Und so hält ein Krisenteam um den Bankchef mit einer neuen Strategie das seit 1972 bestehende Institut am Tropf. „Wir müssen vor allem in Kontakt bleiben mit den Kunden, die ihr gesamtes Geld abziehen, weil sie in eine andere Region ziehen müssen“, sagt MacDonald. „Vielleicht haben wir keine Filialen in diesen Gegenden, aber wir können ihnen mit neuen Hypotheken oder Autoanleihen helfen“. Die Überlebenschancen der Kommunen-Bank stehen sogar besser, als es die Fakten derzeit zulassen.

„Die Loyalität der Kunden in der Region ist enorm“, sagt Peter Hamilton, ein Immobilien-Händler, der schon seit 30 Jahren mit Liberty Geschäfte macht. War es doch jene kleine Bank, die in den 70-er Jahren als erstes Geldinstitut im rassistischen Süden der USA Kredite an Schwarze vergab. Viele Menschen erinnern sich heute daran. So wie Devane Latai: „Ich verdanke Liberty eine Menge. Sobald ich zurück nach New Orleans komme, werde ich in dieser Bank mein Konto erneut eröffnen“, sagt der Schweißer, der sein Haus in den Fluten verlor und nach Houston übersiedeln muss.

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