Window Dressing Banken tricksen mit Verschuldungsquote

Um ihre Verschuldungsquote aufzuhübschen, reduzieren Banken kurzzeitig ihre Geschäfte, so die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.
  • Michael Brächer
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Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weist auf einen ausgeprägten Fall der Bilanzkosmetik hin. Quelle: picture alliance / Rolf Haid
Vorwurf

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weist auf einen ausgeprägten Fall der Bilanzkosmetik hin.

(Foto: picture alliance / Rolf Haid)

ZürichWas im Schaufenster noch verlockend aussieht, erweist sich bei genauem Hinsehen als Enttäuschung: Nicht nur in der Fußgängerzone, sondern auch bei Bilanzen lässt sich das Äußere kräftig aufhübschen, um die Kundschaft zu beeindrucken. Banker sprechen dann vom „Window Dressing“.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weist nun auf einen besonders ausgeprägten Fall der Bilanzkosmetik hin: Wenn der Quartalsabschluss ansteht, fahren Banken in Europa ihre Mittelaufnahme um viele Milliarden Dollar zurück. Das Ziel: eine Verbesserung der Leverage Ratio – das ist die Kennzahl, mit der die Risiken in den Büchern der Banken ins Verhältnis zu den Eigenmitteln gesetzt werden.

Die Praxis ist offenbar nicht nur völlig legal, sondern wird von Investoren sogar erwartet.

Möglich macht das ein Schlupfloch in der europäischen Bankenregulierung. Während amerikanische Banken ihre Leverage Ratio im Durchschnitt über das Quartal ausweisen müssen, müssen europäische Institute die Leverage Ratio nur zum Quartalsende offenlegen. Das nutzen Institute in der Euro-Zone und der Schweiz anscheinend aus. Zumindest ziehen sie sich aus dem sogenannten Repo-Markt zurück, wenn das Quartalsende naht.

Am Repo-Markt werden vereinfacht gesagt mit Wertpapieren besicherte Kredite gehandelt. Banken können sich frisches Geld verschaffen, indem sie Wertpapiere an einen Geldmarktfonds verkaufen und den Rückkauf an einem anderen Tag zu einem festgelegten Preis plus Zinsen vereinbaren. Mit dem geborgten Geld können die Institute neue Positionen eingehen.

Was sich kompliziert anhört, ermöglicht den Instituten offenbar einen einfachen Trick: Wenn die Quartalszahlen anstehen, wird das Geschäft eingedampft und die Verbindlichkeiten werden zurückgezahlt.
Die BIZ nimmt in ihrem Jahresbericht unter die Lupe, wie das Volumen der Gelder schwankt, die sich die Institute bei amerikanischen Geldmarktfonds verschaffen.

Demnach lagen die Schwankungen Ende 2017 bei insgesamt 145 Milliarden Dollar – zwei Jahre zuvor waren es noch lediglich 35 Milliarden Dollar gewesen. „Die Daten lassen auf ein substanzielles Window-Dressing im Repo-Markt schließen“, stellen die BIZ-Experten fest. Einzelne Institute nennt die BIZ dabei nicht.

Laut einer Auswertung der Nachrichtenagentur Bloomberg sind BNP Paribas, Barclays, Crédit Agricole, HSBC und Société Générale auf dem amerikanischen Repo-Markt besonders aktiv. Die Institute wollten sich aber nicht äußern. Auch die schweizerische Credit Suisse mischt am Repo-Markt mit, spielt dort aber eine kleinere Rolle als viele europäische Konkurrenten.

Laut Bloomberg-Daten gehen die Repo-Geschäfte bei den Schweizern zum letzten Monat jedes Quartals im Schnitt um 97 Prozent zurück. Die Bank erklärt das aber damit, dass sich die Bedürfnisse der Kunden verändern. Es sei falsch zu unterstellen, dass die Schwankungen groß genug seien, um „einen wesentlichen Einfluss auf die von der Credit Suisse berichtete Leverage Ratio“ zu haben, sagte ein Sprecher.

Dass sich Banken am Quartalsende zurückziehen, sei am Repo-Markt so häufig, dass es Investoren erwarten, zitiert Bloomberg einen Broker. „Jeder weiß, dass die Zinsen am Ende des Jahres und des Quartals steigen.“

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