Wirbel um Digitalbank Wie die Deutsche Bank Generation Internet ködern will

Das Institut arbeitet weiter an einem digitalen Angebot für junge Kunden – will dafür aber keine klassische Bank gründen.
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Die Zentrale der Deutschen Bank, aufgenommen mit einem Fisheye-Objektiv. Deutschland größtes Geldhaus arbeitet derzeit bei der Gründung einer Digitalbank. Quelle: dpa
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Die Zentrale der Deutschen Bank, aufgenommen mit einem Fisheye-Objektiv. Deutschland größtes Geldhaus arbeitet derzeit bei der Gründung einer Digitalbank.

(Foto: dpa)

FrankfurtEigentlich hatte die Deutsche Bank für dieses Jahr eine eigene, separate Digitalbank mit kostenlosem Girokonto angekündigt. Doch eine eigene Digitalbank wird es nun nicht geben, wie das Institut Anfang der Woche bekannt gab.

Eine Abkehr von ihren ehrgeizigen Digitalisierungsplänen ist das aber nicht, wie der Digitalchef der Privat- und Firmenkundensparte, Markus Pertlwieser, betont: „Wir haben unsere Digitalisierungspläne nicht aufgegeben. Wir werden im Oktober ein neues Angebot für die Millennials lancieren, nur wollen wir es nicht in der Verpackung einer klassischen Bank präsentieren“, sagte er dem Handelsblatt. Die Bank wolle außerdem nicht allein bankennahe Leistungen anbieten, „sondern darüber hinausgehen“.

Mit dem Verzicht auf eine formale Bank hatte die Bank zunächst den Eindruck erweckt, ihre Digital-Pläne zurückzustutzen. Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Erst vor zwei Jahren hatte das Institut ein anderes Digitalbank-Projekt für die USA eingestampft, indem es das Budget dafür nicht freigab. Diesmal verhält es sich anders, Gelder sind jedenfalls nicht gekürzt worden: „Die Teams arbeiten unter Volllast“, betont Pertlwieser.

Dass die Bank für ihre Digitalpläne nun eine andere Verpackung wählen will als ursprünglich vorgesehen, hat mit der Regulierung zu tun, denen Banken unterworfen sind: „Eine klassische Bank steht immer vor dem Problem, dass die Kontoeröffnung neuer Kunden verhältnismäßig aufwändig ist, jedenfalls aufwändiger als die Registrierung bei sozialen Plattformen wie Facebook“, sagt Pertlwieser.

Doch genau mit diesen Tech-Giganten will die Bank mithalten können. Wegen der neuen EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD II, die vor kurzem in Kraft trat, können mittlerweile nicht nur Banken, sondern auch weniger stark regulierte Finanztechnologiefirmen – und in letzter Konsequenz auch die Tech-Riesen des Silicon Valley - den Kunden bestimmte Dienste anbieten. „Mit der Plattform wollen wir einfachere Zugänge schaffen, um den großen Tech-Firmen Paroli bieten zu können“, erklärt Pertlwieser.

Diese etwas nebulöse Plattform-Idee der Deutschen Bank soll ähnlich funktionieren wie der Zinsmarkt, den die Deutsche Bank seit einiger Zeit betreibt, und bei dem der Kunden Festgeld bei unterschiedlichen, ausgewählten Banken anlegen können. „Die digitale Plattform soll nicht mit eigenen Produkten arbeiten und keine eigene Bilanz vorhalten, sie soll ausgewählte Produkte anderer vermitteln, etwa so, wie wir das mit dem Zinsmarkt bereits tun“, sagt Pertlwieser. Auch Uber habe schließlich keine eigenen Autos und AirBnB keine Immobilien. In einem weiteren Schritt will die Bank dann auch ihren Zinsmarkt und einen Versicherungsmakler in das Angebot integrieren.

Auch ihre Digitaltochter Norisbank will die Deutsche Bank für ihre Plattform-Pläne nutzen, auch wenn sie noch nicht verraten will, welche genau. „Die Norisbank, die schon heute eine Digitalbank mit Gratis-Konto ist, spielt in der digitalen Plattform eine Rolle spielen. Welche, geben wir im vierten Quartal bekannt“, sagt Pertlwieser.

Die Deutsche Bank erprobt seit längerem Konzepte, bei denen sie Angebote anderer Kunden einbinden kann. Der Zinsmarkt, eine Art Marktplatz für Festgeld, ist ein Beispiel dafür. Außerdem hat die Deutsche Bank – ähnlich wie einige Fintechs und andere Banken auch – eine Multibanking-App an den Markt gebracht, in der Kunden all ihre Bankverbindungen und Finanzprodukte bündeln können.

Aus Sicht von Pertlwieser ist das ein Erfolg. „Wir haben gerade erst den 100.000ten Multi-Banking-Nutzer begrüßt“, sagt er. Alles in allem hätten die Nutzer dort bereits 330.000 Produkte aggregiert und damit Einlagen, Kredite und Vermögenswerte von knapp sieben Milliarden Euro hinterlegt.

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