Wirecard-Chef Markus Braun ist Mastermind und Großaktionär bei Wirecard

Der Österreicher Markus Braun führt Wirecard seit dem Jahr 2002. Mittlerweile gehört ihm auch das größte Aktienpaket am Unternehmen.
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Der promovierte Wirtschaftsinformatiker ist überzeugt vom Siegeszug des bargeldlosen Bezahlens. Quelle: AFP/Getty Images
Markus Braun

Der promovierte Wirtschaftsinformatiker ist überzeugt vom Siegeszug des bargeldlosen Bezahlens.

(Foto: AFP/Getty Images)

MünchenGäste empfängt Markus Braun auch in der Firmenzentrale im Münchener Vorort Aschheim gerne im Besprechungsraum und nicht im eigenen Büro. Distanz ist dem Vorstandschef des potenziellen Dax-Aufsteigers Wirecard wichtig. Öffentliche Auftritte beschränken sich in der Regel auf die Präsentation der Bilanz und die Hauptversammlung, Interviews gibt er so gut wie nie.

Dass der Finanzdienstleister mit der Historie von weniger als zwei Jahrzehnten nun im September voraussichtlich in die erste Liga des heimischen Aktienmarkts, den Dax, aufsteigt, hat in erster Linie mit dem kaum bekannten Mann an der Spitze zu tun. Seit Anfang 2002 schon besetzt der 49-jährige Österreicher diese Position. Analysten bezeichnen ihn als den „innovativen Geist von Wirecard“, andere als „Mastermind“.

Die bei anderen Fintech-Konzernen übliche Turnschuh-Atmosphäre sucht man bei Wirecard allerdings vergebens. Braun trägt in der Regel Anzug, dazu ein offenes Hemd. Das Ambiente in der Zentrale ist stylish und modern. Im Hintergrundgespräch wird schnell klar, wo Brauns Passion liegt.

Der promovierte Wirtschaftsinformatiker ist beseelt von dem Gedanken, dass das Bezahlen künftig sehr viel öfter als heute ohne Bargeld stattfinden wird. Per App, per Smartwatch, möglicherweise irgendwann per Fingerabdruck oder Iris-Erkennung. Heute indes werden noch mehr als 80 Prozent aller Transaktionen weltweit per Schein oder Münze getätigt.

Braun hat schon in der Vergangenheit bewiesen, dass er Chancen früh erkennen kann. Die Tochter Wirecard Asia Pacific gründete er 2007, heute steuert sie fast die Hälfte zum Konzerngeschäft bei. 2015 startete die mobile Bezahllösung Boon via Smartphone, ein Jahr später gelang mit der Übernahme der Citi Prepaid Card Services der Einstieg in Nordamerika.

Weitere Meldungen zu Partnerschaften und Vertragsabschlüssen mit namhaften Kunden gab es zuletzt häufig. Auffällig dabei: Während sich bei solchen Gelegenheiten bei anderen Konzernen gerne die Chefs in den Vordergrund drängen, taucht bei Wirecard der Name Markus Braun nur bei den ganz großen strategischen Entscheidungen auf. Dabei geht bei den Münchenern ohne den Chef nur wenig.

Die MB Beteiligungsgesellschaft mbH ist mit einem Anteil von mehr als sieben Prozent der größte Einzelaktionär. Die Initialen stehen für Markus Braun. Der besitzt damit mehr Aktien als andere namhafte Investoren wie die Fondsriesen Jupiter und Blackrock oder Citigroup und Deutsche Asset Management.

Braun tut einiges dafür, dass sein Anteil stetig steigt. Im Februar kaufte er laut der Statistik der Börsenaufsicht Bafin erneut zwei größere Wirecard-Pakete. Einmal für 2,26 Millionen Euro, Tage davor für 2,32 Millionen Euro. Nach der jüngsten Kursrally sind beide Pakete heute fast das Doppelte wert. Ganz zu schweigen von Papieren, die Braun aus der Frühphase des Unternehmens besitzt.

Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres fiel zudem eine andere Transaktion in der Bafin-Statistik auf. Die MB Beteiligungsgesellschaft hatte den Aufsehern da die Verpfändung eines außergewöhnlich hohen Aktienpakets von 4.166.667 Aktien gemeldet. Im Unternehmen bezeichnet man das als Privatsache und will sich nicht dazu äußern. Am Markt hält sich seither das Gerücht, neue potenzielle Angreifer sollten durch die geballte Finanzmacht abgeschreckt werden.

Längere Abstimmungsprozesse mit seinen Kollegen im Vorstand entfallen für Braun allein schon wegen der geringen personellen Größe des Gremiums. Mit der Österreicherin Susanne Steidl als Chief Product Officer (CPO) kam im vergangenen Jahr überhaupt erst eine vierte Person hinzu.

Zu diesem Zeitpunkt räumte auch Burkhard Ley nach zwölf Jahren als Finanzvorstand seinen Posten und wurde von dem 46-jährigen Eigengewächs Alexander von Knoop ersetzt. Es war der erste personelle Wechsel im Vorstand von Wirecard seit vielen Jahren. Der 38-jährige Österreicher Jan Marsalek, Chief Organisation Officer seit 2010, ist damit zumindest nicht mehr der Neuling im Topmanagement des Konzerns.

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