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Wirecard-Turbulenzen Privatanleger klagt gegen Leerverkaufsverbot der Bafin

Der Börsenaufsicht soll beim Leerverkaufsverbot zu Wirecard ein Fehler unterlaufen sein. Das Kölner Verwaltungsgericht will aber erst prüfen, ob es überhaupt zuständig ist.
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Mit dem Verbot für Leerverkäufe wollte die Bafin den anhaltenden Kursturbulenzen entgegenwirken. Quelle: Reuters
Wirecard-Zentrale in Aschheim

Mit dem Verbot für Leerverkäufe wollte die Bafin den anhaltenden Kursturbulenzen entgegenwirken.

(Foto: Reuters)

MünchenDie Kursturbulenzen bei Wirecard haben mittlerweile auch das Verwaltungsgericht Köln erreicht. Ein Privatanleger hat dort Widerspruch gegen das Leerverkaufsverbot der Börsenaufsicht Bafin erhoben (Aktenzeichen 14 L 331/19). Ein Sprecher des Gerichts bestätigte den Eingang des Antrags am Mittwoch.

Zwei Tage zuvor hatte die Bonner Behörde eine so genannte Allgemeinverfügung erlassen, wonach Netto-Leerverkaufspositionen gegen Aktien des Zahlungsdienstleisters Wirecard nicht neu eingegangen werden dürfen. Auch dürfen bestehende Positionen nicht erhöht werden. Die Verfügung gilt zwei Monate bis zum 18. April.

Für die meisten Investoren in diesem sehr spekulativen Bereich kam die Verfügung völlig überraschend. Zumal die Bafin bislang noch nie zu einem solch drastischen Mittel gegriffen hatte.

Der britische Hedgefonds Odey Asset Management, der zu diesem Zeitpunkt eine der größtem Leerverkaufspositionen am Markt hielt, hatte deshalb in einer ersten Reaktion eine mögliche Klage gegen das Verbot in Aussicht gestellt.

Leerverkäufer leihen sich gegen eine Gebühr Aktien bei Großinvestoren wie Banken oder Versicherungen. Sie verkaufen sie sofort weiter und hoffen, sie später zu günstigeren Kursen wieder zurückkaufen zu können. Dann geben sie die geliehenen Papiere wieder an den eigentlichen Eigentümer zurück.

In den Wochen seit Jahresanfang waren die Positionen, die auf fallende Kurse bei Wirecard gesetzt hatten, schlagartig gestiegen. Als dann am 30. Januar der erste Bericht in der Financial Times über mögliche Kontomanipulationen in Fernost erschienen war, dem dann im Abstand weniger Tage zwei weitere Artikel folgten, brach der Kurs der Wirecard-Aktie insgesamt um bis zu 40 Prozent ein.

In dem neuen Fall, den das Kölner Verwaltungsgericht nun klären soll, handelt es sich um einen 27-jährigen Privatinvestor aus Köln. Er beschäftigt sich nach eigener Aussage in seiner Freizeit mit Finanzinstrumenten, um so die Chancen am Kapitalmarkt zu nutzen. Gegenüber dem Handelsblatt begründet er sein Vorgehen mit dem fehlenden Sofortvollzug, der in der Allgemeinverfügung der Bafin nicht angeordnet war.

„Dieser hätte sehr ordentlich begründet werden müssen“, sagte der Privatinvestor gegenüber dem Handelsblatt. Deswegen habe er Widerspruch eingelegt. Laut § 80 VWGO habe ein solcher eine aufschiebende Wirkung gegen Verwaltungsakte, soweit der Sofortvollzug nicht angeordnet wurde.

Bafin sieht keine Fehler

Trotz mehrfacher Bitte um Bestätigung bei der Bafin wurde ihm dort die aufschiebende Wirkung allerdings nicht bestätigt, so der Antragsteller. Zudem beansprucht er für sich eine umfangreiche Akteneinsicht bei der Behörde.

Die wollte den Fall auf Nachfrage nicht kommentieren. Stattdessen steht man dort weiter auf Standpunkt, dass laut Gesetz gar kein Sofortvollzug angeordnet werden musste. Entsprechend habe ein Widerspruch auch keine aufschiebende Wirkung.

„Der Antragsteller richtet sich gegen die Verfügung der Bafin, die es verbietet, eine Nettoleerverkaufsposition auf Aktien von Wirecard aufzubauen“, sagte der zuständige Richter am Kölner Verwaltungsgericht, Johannes Orth, der den Fall selbst auf dem Schreibtisch hat.

Es handele sich um ein Verfahren des vorläufigen Rechtschutzes, das bevorzugt behandelt werde, erklärte Orth. Üblicherweise dauerten solche Verfahren maximal drei Monate. Um über Details des Antrags zu sprechen, sei es aber zu früh, sagte Orth.

Ob Köln überhaupt zuständig ist, müsse somit erst noch geklärt werden. Grundsätzlich gebe es beim Verwaltungsgericht Frankfurt eine Spezialzuständigkeit. Es wäre deshalb auch denkbar, dass der Fall nicht in Köln entschieden wird.

Mehr: Der Asset-Manager-Berater Jochen Kindermann übt an der Maßnahme der Bafin deutliche Kritik, weil sie den Markt beunruhigen könnte.

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3 Kommentare zu "Wirecard-Turbulenzen: Privatanleger klagt gegen Leerverkaufsverbot der Bafin"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • .... es ist schon irgendwie seltsam, wenn man sich Aktien leihen kann, um diese zu verkaufen mit dem Versprechen diese wieder zurückzukaufen. Welch ein Investor kann schon daran Interesse haben Aktien zu verleihen, um sie dann wieder mit massiven Kursverlusten zurück zu erhalten?
    Das Ganze klingt verrückt, unlogisch und ist es auch. Insofern ist meine Meinung klar: Auf Leerverkäufe muss der Markt verzichten können, da sie zerstörerisch und unproduktiv wirken. Wenn ein Investor seine Aktien nicht mag, dann soll er sie verkaufen und NICHT VERLEIHEN!

  • Sie müssten auch komplett verboten werden.
    Brot kann wenigstens schimmeln!

  • Leerverkäufe müssten komplett untersagt werden.