Wunsch der Banken nach Fusionen die kalte Schulter gezeigt Die Banken rütteln an den Säulen

Die deutschen Großbanken blasen zum Sturm auf das Drei-Säulen-Modell der deutschen Kreditwirtschaft. Die strikte Trennung in private Großbanken, Sparkassen und Kreditgenossenschaft „reflektiert die Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts“, sagte Rolf-E. Breuer, Chef des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) am Mittwoch auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“.
Die Frankfurter Bankenskyline. Foto: dpa

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hjk/mm/po/pot FRANKFURT. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz ausländischer Institute habe Deutschland bei der Neuordnung des Kreditgewerbes „nicht viel Zeit“.

Neu ist die Forderung der Großbanken nach säulenübergreifenden Fusionen und Kooperationen nicht. Doch angesichts der akuten Ertragskrise der Branche wird sie in jüngster Zeit immer lauter vorgetragen. Wegen der Zersplitterung des deutschen Bankenmarkts mit über 2 600 Instituten würden große Synergiepotenziale nicht genutzt, sagte Breuer. Unterstützung erhielt er von seinem Nachfolger an der Spitze der Deutschen Bank, Josef Ackermann: Es sei „keine Überraschung“, dass ausländische Banken rentabler seien als ihre deutschen Konkurrenten – schließlich sei das Ausland bei der Konsolidierung schon viel weiter.

Ins gleiche Horn blies Dieter Rampl, Chef der Hypo-Vereinsbank (HVB). Er rechnete vor, dass alle Privatbanken in Deutschland zusammen nur einen Marktanteil von 30 % hätten, die Deutsche Bank als Branchenprimus komme gerade mal auf 7 %. Dagegen kontrollierten die fünf größten Banken in Frankreich die Hälfte des Markts, in Belgien zwei Drittel und in Dänemark sogar vier Fünftel des Markts. Der Rückstand Deutschlands bei der Schaffung schlagkräftiger Bankkonzerne lässt nicht zuletzt die Furcht vor Übernahmen aus dem Ausland wachsen. Mit den fetten Gewinnen, die sie dank ihrer frühzeitigen Konsolidierung einfahren, schafften sich die Institute in den Nachbarländern „jetzt das Polster für eine weitere Expansion jenseits der Grenzen – auch in Deutschland“, warnte Breuer.

Ein besonderer Dorn im Auge sind den Großbanken die Sparkassen und Landesbanken wegen ihrer öffentlich-rechtlichen Stellung. Sie bilden Deutschlands mit Abstand größte Bankengruppe. Am liebsten sähe es Breuer, wenn die Sparkassen in einem „Prozess der Entstaatlichung“ ganz in private Hände überführt würden. HVB-Chef Rampl bekundete für sein Haus auch prompt Interesse am Kauf von Sparkassen.

Da es zu einer Privatisierung der Kassen vermutlich aber so schnell nicht kommt, warb Breuer einmal mehr für säulenübergreifende Kooperationen und Fusionen. Bisher tut sich kaum etwas. Als eines der wenigen Beispiele gilt die Wertpapierabwicklungsbank DWP Bank, die kürzlich aus der genossenschaftlichen BWS Bank und der zum Sparkassenlager zählenden WPS Bank hervorging. Überhaupt zeigen Sparkassen und Genossenschaftsbanken wenig Neigung, auf das Werben der Banken einzugehen. „Die Forderung nach gruppenübergreifender Zusammenarbeit begeistert uns weniger“, sagte Dietrich Hoppenstedt, Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Ihm kommen die Forderungen eher wie „Hilferufe“ der Banken vor, die ihre Probleme nicht in den Griff bekämen.

Stattdessen treiben die öffentlich-rechtlichen Institute lieber die Konsolidierung in den eigenen Reihen voran. Die Zahl der aktuell 500 Sparkassen verringert sich jährlich um rund 25 Institute, und auch bei den Landesbanken gab es mit der Fusion der Landesbanken von Schleswig Holstein und Hamburg zur HSH Nordbank jüngst einen Zusammenschluss. Auch die Genossen forcieren Fusionen im eigenen Lager. „Von der Drei-Säulen-Diskussion halten wir nicht viel“, sagte Christopher Pleister, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks und Raiffeisenbanken (BVR).

Ausländische Branchenexperten mutmaßen ebenfalls, dass die Dreiteilung des Finanzsystems noch längere Zeit besteht. Walter Gubert, Chef der Investmentbank JP Morgan, erwartet, dass sich die Konsolidierung in den nächsten zwei Jahren innerhalb der drei Säulen abspielt, etwa durch Fusionen von Landesbanken und Sparkassen. Bei den Großbanken erwartet er ebenfalls eine Fusion innerhalb Deutschlands sowie einen grenzüberschreitenden Zusammenschluss mit deutscher Beteiligung.

Schlankere Strukturen

Die großen vier: Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank, Dresdner Bank und Commerzbank vereinen, gemessen an der Bilanzsumme, allein 16 Prozent der Marktanteile im deutschen Bankenmarkt auf sich.
Alle bauen ab: In den vergangenen zehn Jahren schlossen nicht nur viele Bankfilialen, sondern auch komplette Institute. Besonders stark verringerte sich die Zahl der Genosenschaftsbanken: Die Zahl der Institute fiel um mehr als 1 400 auf 1 621, die Zahl der inländischen Bankstellen um rund 4 000 auf 15 379. Dennoch haben alle drei Bereiche, Privatbanken, Sparkassensektor und Genossenschaftsbanken, kräftig Filialen geschlossen.
Grenzgänger: Bislang gibt es erst wenige Beispiele für grenzüberschreitende Fusionen zwischen den drei Säulen.
Kritik vom IWF: Der Internationale Währungsfonds (IWF) rügte vor einigen Wochen das deutsche Drei-Säulen-Modell. Vor allem den zu hohen Marktanteil und den zu großen Einfluss des Sparkassensektors bemängelte der Fonds. Der endgültige Bericht des IWF wird im Herbst erwartet.

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