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Zahlungsabwickler Singapur ermittelt ohne Unterstützung der Münchener Staatsanwaltschaft gegen Wirecard

Während in Singapur die Behörden Vorwürfen gegen Wirecard nachgehen, sehen die Münchener Staatsanwälte dafür keinen Anlass. Das stößt auf Kritik.
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Münchener Staatsanwaltschaft: Keine Kooperation im Fall Wirecard  Quelle: dpa
Wirecard

Die Firmenzentrale des Finanzkonzerns in Aschheim.

(Foto: dpa)

Bangkok Für ihre Ermittlungen über mögliche Straftaten bei Wirecard haben sich Singapurs Behörden umfangreiches Informationsmaterial gesichert: Dazu zählen 229 Boxen mit Dokumenten, E-Mail-Archive mehrerer Mitarbeiter und ein USB-Stick mit den Finanzdaten von sechs Tochtergesellschaften. Mithilfe der Unterlagen gehen die Strafverfolger in dem südostasiatischen Stadtstaat dem Verdacht nach, dass es bei dem Bezahldienstleister unter anderem zu Dokumentenfälschung, Geldwäsche und anderen illegalen Finanztransaktionen gekommen sein könnte.

Ihre Ermittlungen zu mehreren asiatischen Tochtergesellschaften des Aschheimer Konzerns treiben die Singapurer nach Informationen des Handelsblatts ohne Unterstützung deutscher Behörden voran. Wie die Staatsanwaltschaft München dem Handelsblatt mitteilte, habe Singapur bisher kein Rechtshilfeersuchen gestellt.

Dieses wäre für eine Zusammenarbeit nötig. Eigene Ermittlungen unternimmt die Behörde nicht. Sie sieht nach eigenen Angaben weiterhin keinen ausreichenden Anfangsverdacht, um in dem Fall tätig zu werden.

Die Ermittler aus Singapur rückten seit Anfang Februar mehrfach aus, um Informationen zu dem Fall sicherzustellen. Zuvor war ein Zwischenbericht der singapurischen Anwaltskanzlei Rajah & Tann aus dem vergangenen Jahr bekannt geworden, der mehrere schwerwiegende Verdachtsfälle auflistete.

Die Kanzlei war im Mai vergangenen Jahres von Wirecard beauftragt worden, mögliches Fehlverhalten zu untersuchen, das von einem Mitarbeiter in Singapur bei der Compliance-Abteilung des Konzerns gemeldet worden war. Ein Abschlussbericht von Rajah & Tann steht noch aus. Wirecard selbst weist sämtliche Anschuldigungen zurück.

Die britische Finanzzeitung „Financial Times“, die als erste über die Untersuchung in Singapur berichtet hatte, meldete, dass der Zwischenbericht der Anwälte mögliche zivilrechtliche und strafrechtliche Verstöße in fünf Volkswirtschaften festgestellt habe: Singapur, Hongkong, Indien, Malaysia – und Deutschland.

Von den Ermittlungen in Singapur hat die Münchener Staatsanwaltschaft aus der Presse erfahren, wie die Behörde dem Handelsblatt mitteilte. Trotz des Berichts über mögliche Rechtsverstöße in Deutschland sieht sie im Gegensatz zu den Strafverfolgern in Singapur aber keinen Anlass für Ermittlungen.

Staatsanwaltschaft sieht keinen Tatort in ihrem Zuständigkeitsbereich

„Die unterschiedliche Bewertung der Lage beruht darauf, dass wir in München sitzen und die Kollegen in Singapur, wo die Vorfälle stattgefunden haben sollen“, teilt die Staatsanwaltschaft mit. „Ein Tatort in unserem Zuständigkeitsbereich ist bislang nicht erkennbar.“

Die Entscheidung der Münchener Staatsanwälte stößt auf Kritik. Die „Financial Times“, die im Zuge der Affäre von Wirecard beschuldigt wurde, irreführend zu berichten, warf der Behörde in einem am Montag veröffentlichten Kommentar vor, die Anschuldigungen nicht selbst zu überprüfen und stattdessen lediglich mit Blick auf mögliche Marktmanipulationen zu ermitteln.

Die Finanzaufsicht Bafin hatte im Februar nach einem Kurssturz bei Wirecard-Aktien in einer umstrittenen Entscheidung vorläufig verboten, auf fallende Kurse bei dem Unternehmen zu wetten. Dieses sogenannte Leerverkaufsverbot gilt bis zum 18. April.

Die Münchener Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl hatte dem Handelsblatt später mitgeteilt, „ernstzunehmende Informationen“ von Wirecard erhalten zu haben, wonach eine neue Shortattacke geplant gewesen sei und dass mit viel Geld versucht worden sei, „Medienberichterstattung zu beeinflussen“.

In Singapur war vergangene Woche bekannt geworden, dass die Ermittler dort Wirecard-Tochtergesellschaften in Indien, Indonesien, Malaysia, Hongkong und auf den Philippinen ins Visier genommen haben. In Gerichtsdokumenten beschwerte sich die dortige Staatsanwaltschaft darüber, dass Wirecard versuche, die Ermittlungen zu erschweren.

So habe das Unternehmen mit juristischen Mitteln versucht, die Untersuchung der Behörden auf jene Vorwürfe zu beschränken, die in den Berichten der „Financial Times“ aufgeführt wurden. Singapurs Strafverfolger wollten sich darauf nicht einlassen.

Am Montag vergangener Woche wies ein Gericht in Singapur entsprechende Anträge von Wirecard ab. Ob sie vorhabe, eine Rechtshilfeersuchen an deutsche Behörden zu stellen, wollte Singapurs Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen auf Handelsblatt-Anfrage nicht kommentieren.

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