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Zahlungsabwickler Wirecard kommt nicht zur Ruhe: Strafverfolger nehmen Indien-Geschäft ins Visier

Auf dem Subkontinent wagte Wirecard den größten Zukauf seiner Geschichte. Nun interessieren sich Ermittler für die indische Tochtergesellschaft.
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Der Wirecard-Chef sieht sich erneut mit Vorwürfen gegen sein Unternehmen konfrontiert. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Markus Braun

Der Wirecard-Chef sieht sich erneut mit Vorwürfen gegen sein Unternehmen konfrontiert.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

BangkokNoch Ende 2015 feierte Wirecard-Chef Markus Braun die Übernahme einer indischen Firmengruppe als gelungenen Coup: Er habe sich einen der „führenden Anbieter von Zahlungsdiensten in der Region“ gesichert, schwärmte er. Wirecard erhalte damit eine „starke Position in einem der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte für elektronische Zahlungen“.

230 Millionen Euro ließ sich der Finanzkonzern den Zukauf kosten. 110 Millionen Euro sollten zusätzlich fließen, wenn bestimmte finanzielle Zielvorgaben erreicht würden. Es war für Wirecard die teuerste Übernahme in der Geschichte.

Dreieinhalb Jahre später gibt es nun neue Fragen zu dem Indiengeschäft, das bereits kurz nach dem Kauf wegen des hohen Preises umstritten war. Laut Gerichtsdokumenten in Singapur, die diese Woche öffentlich wurden, haben die Behörden des südostasiatischen Stadtstaates auch die indische Tochtergesellschaft von Wirecard ins Visier genommen. Ermittelt werde gegen Wirecard-Mitarbeiter und mehrere Gesellschaften des Konzerns wegen möglicher strafbarer Handlungen – unter anderem Geldwäsche und Dokumentenfälschung, hieß es.

Konkret erwähnt die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Einheit der Singapurer Polizei neben Gesellschaften in Hongkong, Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen auch das Unternehmen Hermes I Tickets mit Sitz in der indischen Metropole Chennai. Die Gesellschaft bildete den Hauptteil der 2015 von Wirecard gekauften Firmengruppe.

Fragen zu dem Unternehmen, das unter anderem Prepaidkarten und Geldtransferdienste anbietet, warf bereits vor einem Jahr der Finanzjournalist Roddy Boyd auf, der mit der von ihm gegründeten Southern Investigative Reporting Foundation möglichen Unregelmäßigkeiten in dem Fall nachging. Er verwies darauf, dass Hermes noch im Jahr vor der Übernahme bei einem Verkaufsversuch mit lediglich 46 Millionen Euro bewertet worden war.

Zudem rekonstruierte er anhand von Unterlagen, die bei Behörden eingereicht wurden, dass bei der früheren Muttergesellschaft, die Hermes verkaufte, nur rund 37 Millionen Euro als Erlös verbucht wurden. 15 Millionen Euro seien an einen weiteren Teil der übernommenen Gruppe, Great Indian Technology, geflossen. Von den restlichen 178 Millionen Euro fand Boyd keine Spur.

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Fonds als Vermittler

Wirecard hat nach eigenen Angaben den vollständigen Betrag bezahlt. Mit Blick auf die Höhe des Kaufpreises verwies der Münchener Zahlungsdienstleister mehrfach auf das Wachstumspotenzial in Indien. „Die aufgeworfenen Behauptungen bezüglich Hermes I Tickets sind unwahr und mehrfach durch Prüfprozesse widerlegt“, teilte Wirecard nach Bekanntwerden der Singapurer Ermittlungen auf Handelsblatt-Anfrage mit.

Eine wichtige Rolle bei der Transaktion in Indien spielte ein Fonds auf Mauritius, der Emerging Markets Investment Fund 1A. Das Investmentvehikel trat bei der Übernahme als Mittelsmann auf, kaufte die Anteile der indischen Firmengruppe und reichte sie an Wirecard weiter. Wirecard überwies die Kaufsumme an den Fonds. Dieser ist bisher kaum öffentlich in Erscheinung getreten.

Ein indisches Wirtschaftsmedium berichtete jedoch Anfang 2017, dass der Fonds 180 Millionen Dollar in ein Unternehmen namens Orbit Corporate Leisure Travels investiert habe. Die Summe entspricht in etwa dem Betrag, den Finanzjournalist Boyd bei seinen Recherchen zur Wirecard-Zahlung nicht aufspüren konnte.

Orbit dürfte nun erneut in den Fokus geraten: Der Firmenname findet sich ebenfalls auf der nun bekannt gewordenen Liste der Strafverfolger aus Singapur. Orbit wird darin als einer der Transaktionspartner von Wirecard geführt, die nun im Zentrum der Ermittlungen stehen.

229 Boxen beschlagnahmt

In den Gerichtsakten beschreiben die Ermittler, dass sie seit Anfang Februar in drei Einsätzen bei Wirecard Dokumente beschlagnahmt haben. Die Mitarbeiter des Dax-Konzerns hätten ihnen die Arbeit nicht gerade leicht gemacht. Auf die Aufforderung, eine Liste von Dokumenten vorzulegen, bekamen sie lediglich Aufstellungen mit nicht entzifferbaren Codes wie „RW777“ oder „RP905“. Am Ende beschlagnahmten die Einsatzkräfte 229 von 245 Boxen.

Insgesamt werfen sie dem Unternehmen unkooperatives Verhalten vor. Es versuche, „eine legitime Ermittlung zu beeinflussen und die Kräfte der Polizei zu ersticken“. Die Ermittler reagierten damit auf den Versuch Wirecards, beschlagnahmte Dokumente gerichtlich zurückzufordern. Ein entsprechender Antrag wurde am Montag zurückgewiesen.

Berichte der Finanzzeitung „Financial Times“ haben die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Danach sollen die Indiengeschäfte von Wirecard mit dem Skandal um angeblich betrügerische Machenschaften in Verbindung stehen. Ein Topmanager des Unternehmens soll Mitarbeitern erklärt haben, wie sich die Bücher des Unternehmens manipulieren ließen.

Dabei soll er dem Bericht zufolge erklärt haben, wie Wirecard-Gelder aus Deutschland über Hongkong in Indien landen könnten, um den Eindruck von echten Geschäftsumsätzen zu erwecken. Zwischen 2015 und 2017 legten mehrere Kanzleien ihre Prüfmandate bei der indischen Tochter Hermes nieder. Sie alle begründeten dies mit anderweitigen Verpflichtungen.

Diese Berichte über das Asiengeschäft haben in den vergangenen Wochen zu ungewöhnlich hohen Kursschwankungen bei der Aktie des Dax-Konzerns geführt. Allein nach dem ersten FT-Bericht Ende Januar 2019 verlor das Papier an einem Tag knapp 25 Prozent. Der Aktienkurs fiel innerhalb weniger Tage von 167,40 auf knapp 97 Euro.

Wirecard stritt die Vorwürfe stets ab. Am Donnerstag teilte das Unternehmen mit, dass der Topmanager in Singapur bei einer internen Untersuchung entlastet wurde. „Auch der Abschluss der externen Untersuchung steht kurz bevor“, heißt es aus dem Konzern mit Blick auf die Prüfberichte der Kanzlei Rajah & Tann.

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