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Zahlungsdienstleister Bafin gewährt Onlinehändlern Schonfrist bei Umsetzung von PSD2

Auch deutsche Onlineshops erhalten Aufschub bei der Umsetzung der Zahlungsdienstleisterrichtlinie PSD2. Andere EU-Länder hatten den Start bereits verschoben.
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Nach Einschätzung der Finanzaufsicht sind die Kartenausgeber auf die neuen Anforderungen vorbereitet – Onlinehändler jedoch weniger. Quelle: dpa
Bafin

Nach Einschätzung der Finanzaufsicht sind die Kartenausgeber auf die neuen Anforderungen vorbereitet – Onlinehändler jedoch weniger.

(Foto: dpa)

Frankfurt Knapp drei Wochen vor dem geplanten Start strengerer Vorgaben bei Onlinezahlungen zieht die deutsche Finanzaufsicht Bafin die Notbremse. Sie gewährt Onlineshops Aufschub für die Umsetzung von Teilen der EU-Zahlungsdienstleisterrichtlinie PSD2.

„Zahlungsdienstleister mit Sitz in Deutschland dürften Kreditkartenzahlungen im Internet weiterhin auch ohne die sogenannte starke Kundenauthentifizierung ausführen, teilte die Bafin am Mittwochvormittag mit. „Die Bafin wird dies zunächst nicht beanstanden.“ Eigentlich greift die PSD2, die das Bezahlen beim Onlineshopping sicherer machen soll, ab dem 14. September.

Die starke Kundenauthentifizierung (auf Englisch „Strong Customer Authentication”, kurz SCA), gilt unter anderem bei bestimmten Onlinebezahlverfahren. Sie schreibt vor, dass Kunden zusätzlich zu Benutzernamen und Passwort vielen Fällen eine Tan-Nummer eingeben – so wie heute schon bei Onlineüberweisungen – oder eine Zahlung per Fingerabdruck bestätigen müssen. Das wird auch „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ genannt.

Viele Onlinehändler, vor allem kleinere, sind darauf aber noch nicht vorbereitet. Die Bafin wolle mit ihrer Entscheidung „Störungen bei Internetzahlungen verhindern und einen reibungslosen Übergang auf die neuen Anforderungen der PSD2 ermöglichen“, so die Aufsicht weiter.

Besonders bei Onlinezahlungen per Kreditkarte war mit Verunsicherung, schlimmstenfalls sogar Chaos, gerechnet worden. Während nach Einschätzung der Bafin die Kartenausgeber, also meist die Banken, auf die neuen Anforderungen vorbereitet sind, sieht die Finanzaufsicht Mängel bei Onlinehändlern. Bei Unternehmen, die Kreditkartenzahlungen im Internet empfingen, bestehe „nach wie vor erheblicher Anpassungsbedarf“, erklärte die Bafin.

Lobbyisten des Handels kämpfen seit langem für eine Verschiebung oder Übergangsfristen beim Start der PSD2. So hatte der europäische Handelsverband Euro Commerce bereits Anfang Juni in einem Brief an die europäische Bankenaufsicht Eba gefordert, nationale Aufsichtsbehörden sollten eine „schrittweise Durchsetzung“ zulassen.

Es gebe „starke Bedenken“, dass alle Akteure im Zahlungsverkehr rechtzeitig fertig seien. Der Verband befürchtet unter Umständen „erhebliche Störungen“ im E-Commerce, hieß in dem Brief.

Tatsächlich gab die Eba wenig später grünes Licht dafür, dass nationale Behörden Marktteilnehmern unter bestimmten Umständen mehr Zeit für die Umsetzung der neuen Vorgaben gewähren. Darauf verweist nun auch die Bafin.

Die Erleichterungen seien zeitlich befristet. „Wann sie auslaufen, wird die Bafin festlegen, nachdem sie die Markteilnehmer konsultiert und sich mit der Eba und den nationalen europäischen Aufsichtsbehörden abgestimmt hat.“

Übergangsfristen in mehreren Ländern

Nach Handelsblatt-Recherchen haben bereits Aufseher in etlichen EU-Ländern für die SCA im Onlinehandel Übergangsfristen erlaubt. Das gilt für Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Irland, Italien und die Niederlande.

Sie suchen nun meist den Schulterschluss mit der Eba, um eine einheitliche europäische Lösung zu schaffen – und übten so indirekt auch Druck auf die Bafin aus, sich hier anzuschließen. Verschiedene Starttermine in unterschiedlichen EU-Ländern wäre auch problematisch für große Onlinehändler, die grenzüberschreitend tätig sind.

Teils gewähren die nationalen Behörden sogar einen langen Aufschub. So hat die britische Finanzaufsicht FCA gerade eine 18-monatige Übergangsfrist beschlossen. Auch die Banque de France ließ bereits im Juli eine Frist von 18 Monaten zu, in bestimmten Fällen sogar von drei Jahren. Einige andere Aufseher haben indes bisher wie die Bafin nicht gesagt, wie viel mehr Zeit Handel, Kreditkartenanbieter und Banken, die die Karten herausgeben, haben.

Dass etliche andere nationale Aufseher früher als die Bafin reagiert haben, dürfte am stärkeren Einsatz von Kreditkarten in diesen Ländern liegen. Die deutschen Verbraucher haben im vergangenen Jahr gemessen am Umsatz nur knapp elf Prozent ihrer Onlineeinkäufe per Kreditkarte bezahlt, wie aus einer Erhebung des Handelsforschungsinstituts EHI hervorgeht. Das war sogar etwas weniger als 2017.

Am beliebtesten ist die Zahlung per Rechnung, ihr Anteil liegt bei knapp 28 Prozent – und sie ist nicht von der SCA betroffen. Der Anteil von Zahlungen per Lastschrift – für die es ebenfalls keine Änderungen gibt – liegt bei knapp 20 Prozent. Paypal kommt auf einen Umsatzanteil von 21 Prozent.

Auch bei Paypal müssen sich die meisten deutschen Kunden nicht auf Änderungen einstellen. Die SCA erfordert nur dann einen zweiten Faktor, wenn man bei Paypal die Kreditkarte hinterlegt hat. „Für Zahlungen mit Lastschrift als Zahlungsquelle gilt SCA nicht“, teilte Paypal auf Anfrage mit.

Der Bezahldienst der deutschen Banken, Paydirekt, erklärte auf Anfrage lediglich, dass er auf die neuen Vorgaben vorbereitet sei. „Für Händler wird sich kein technischer Anpassungsbedarf ergeben“, so Paydirekt. Was die SCA für private Paydirekt-Nutzer bedeutet, gab das Unternehmen nicht an.

Die deutschen Banken und Sparkassen haben die Vorbereitungen für die SCA bei Kreditkartenzahlungen nach eigenen Angaben „nahezu abgeschlossen“. Dies teilte die Deutsche Kreditwirtschaft mit, die für mehrere Lobbyverbände der Finanzbranche spricht. Sie appelliere an Onlinehändler, die Vorbereitungen weiter voranzutreiben.

Mehr: Neue Vorschriften sollen Verbraucher bei Geldgeschäften besser vor Gefahren im Internet schützen. Warum das auf Kosten der Bequemlichkeit geht, lesen Sie hier.

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