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Zahlungsdienstleister Der Druck auf Wirecard wächst: Anleger erwarten transparente Aufarbeitung

Der Verdacht der Bilanzfälschung bei Wirecard hat Anleger aufgeschreckt. Nun rückt die Rolle von Prüfern und Aufsicht in den Fokus.
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Die Zentrale des Online-Zahlungsdienstleisters in Aschheim bei München. Quelle: Bloomberg
Wirecard

Die Zentrale des Online-Zahlungsdienstleisters in Aschheim bei München.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt/München Nach den Veröffentlichungen der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ (FT) vom Dienstag fordern Anleger wie Beobachter Aufklärung vom Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München. Die „FT“ hatte am Vortag berichtet, dass 2016 rund die Hälfte des Wirecard-Vorsteuergewinns über ein Partnerunternehmen aus Dubai namens Al Alam erzielt worden sei.

Die „FT“ kontaktierte 34 Kunden, deren Geschäfte laut zugespielter Dokumente über die Plattform des Partners abgewickelt worden sein sollen. Fast die Hälfte hatte den Namen Al Alam nie gehört, andere waren bereits seit Jahren aufgelöst oder unauffindbar.

Anlegerschützer erwarten eine transparente Aufarbeitung der Recherchen: „Der Konzern kann die gravierenden Vorwürfe nicht mehr einfach beiseitewischen“, sagt Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

„In der Vergangenheit hat der Vorstand Hinweise auf Missstände zunächst abgebügelt, um dann im Nachhinein scheibchenweise mit der Wahrheit herauszurücken. Damit muss Schluss sein. Wirecard ist ein Dax-Konzern, kein Start-up.“ Er müsse rasch eine Sonderprüfung durch Dritte einleiten.

Ähnlich sieht es der Corporate-Governance-Experte und frühere DWS-Chef Christian Strenger: „Der Aufsichtsrat sollte schnellstmöglich eine intensive Prüfung des Sachverhalts beauftragen.“ Diese sollte aus Effizienz- und Zeitgründen durch den amtierenden Wirtschaftsprüfer EY erfolgen, der die Ordnungsmäßigkeit der Bilanz zu bestätigen habe.

Unverständnis in Aschheim

In Aschheim stoßen derlei Forderungen auf Unverständnis. „Wirecard sieht keine Veranlassung für die Beauftragung eines Sonderprüfers“, erklärte eine Sprecherin am Mittwoch auf Handelsblatt-Anfrage. Am Morgen hatte sich der Konzern per Ad-hoc-Mitteilung zu den „FT“-Vorwürfen geäußert: Bei Al Alam handele es sich um ein mittelständisches Unternehmen mit Zugang zu vielen Zahlungsmethoden.

„Diese Partner sind oft im Hintergrund aktiv, ein in der Branche üblicher Ansatz“, heißt es. Alle mehr als 300.000 Vertragskunden seien mit der eigenen Technologieplattform verbunden, nicht mit Partnerfirmen.

Alle Umsätze und Erträge der Bilanz bezögen sich somit auf die Dienstleistungen, die über diese Plattform bereitgestellt würden. 2018 seien knapp 32 Prozent des weltweiten Umsatzes über Kunden geflossen, die über Rechenzentren in Dubai vertraglich gebunden sind.

Zu den 34 Kundennamen, die in der „FT“ genannt wurden, bietet Wirecard eine überraschende Erklärung: Dabei handele es sich gar nicht um die Namen echter Einzelhändler. Stattdessen verbärgen sich dahinter sogenannte Kundencluster, die für Reportingzwecke erstellt würden und jeweils Hunderte echter Einzelhändler enthielten.

Wirecard hatte die „FT“-Dokumente zunächst als „nicht authentisch“ bezeichnet, das zuletzt aber nicht wiederholt. Die Sprecherin erklärte, manche der veröffentlichten Dokumente enthielten falsche Fakten und verzerrte Darstellungen. Andere seien echte „interne Arbeitsdokumente“, die aber nicht in die Öffentlichkeit gehörten, da sie für Externe keine sinnvollen Schlussfolgerungen zuließen.

Die angekündigte lokale Bilanzprüfung der Dubai-Töchter sei inzwischen beauftragt, hieß es aus Aschheim, der Name des Prüfers wurde jedoch nicht genannt. Es sollen nur die Bilanzen ab 2018 überprüft werden, nicht die früherer Jahren.

Großinvestoren überlegen nun, was als Nächstes zu tun ist. „Wir werden in der Verantwortung für das Vermögen unserer Kunden alle Schritte prüfen“, sagt Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien beim Fondshaus Union Investment. Ingo Speich von der Sparkassen-Fondstochter Deka erklärte, wenn im Umfeld der Hauptversammlung eine Sonderprüfung veranlasst würde, würde die Deka diese unterstützen.

Man stoße jetzt jedoch keine an, da diese ein bis anderthalb Jahre dauern könnte. Der jüngste Vorfall zeige, dass Wirecard schneller handeln müsse, etwa seine Compliance-Abteilung ausbauen, saubere Strukturen schaffen und Vorstand und Aufsichtsrat kompetenter besetzen. Das alles habe die Deka bereits zur letzten Hauptversammlung gefordert. „Passiert ist nichts“, so Speich.

EY im Fokus

Volker Brühl von der Frankfurter Goethe-Universität sieht auch die Aufsichtsinstanzen in der Pflicht. „Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung sollte ein Interesse daran haben, den Sachverhalt aufzuklären, gegebenenfalls auf Veranlassung der Finanzaufsicht Bafin“, sagte er. Zu begrüßen sei, „dass die Bafin ihre laufenden Untersuchungen zu möglichen Marktmanipulationen ausweiten möchte“.

Christian Sprenger schlägt einen weiteren Weg vor: „EY muss von der Verschwiegenheitspflicht befreit werden, um eine überzeugende Aufklärung dokumentieren zu können.“ So könne auch geklärt werden, wie tief die Dubai-Geschäfte bei der Konzernprüfung durchleuchtet worden sind. „EY hat hier auch ein hohes Eigeninteresse, mögliche Zweifel auszuräumen.“ Am Mittwoch tagte der Wirecard-Aufsichtsrat turnusgemäß. Die Zeit für business as usual dürfte jedoch vorbei sein.

Mehr: Wirecard hat aus den Fehlern nichts gelernt

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