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Zahlungsdienstleister Ein Schritt hin zur Normalität: Wirecard zeigt technische Neuerungen

Beim „Innovation Day“ zeigt der Zahlungsdienstleister, wie einfach digitales Zahlen zukünftig gehen soll. Der Weg dorthin ist je nach Erdteil verschieden.
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Der Zahlungsdienstleister muss für jeden Erdteil unterschiedliche Strategien wählen. Quelle: dpa
Wirecard

Der Zahlungsdienstleister muss für jeden Erdteil unterschiedliche Strategien wählen.

(Foto: dpa)

MünchenMagenta leuchtet das Display am Supermarkt-Wagen: An den Mini-Computer des technischen Partners T-Systems kann ein Einkaufszettel per App geschickt werden. Der Getränkeautomat gegenüber, bei dem zum Bezahlen nur das eigene Gesicht in die Kamera gehalten werden muss, ist beim Essenslieferanten Hello Fresh bereits im Einsatz. Und in beiden Fällen ist der Zahlungsdienstleister Wirecard dafür verantwortlich, dass auch Geld für die Ware vom Kunden an den Verkäufer fließt.

Zum ersten Mal in seiner 20-jährigen Geschichte hat Wirecard am Dienstag zum sogenannten „Innovation Day“ geladen. Nicht in die Zentrale in Aschheim weit vor den Toren der Münchener Innenstadt, sondern ins trendige Glockenbachviertel in der Innenstadt. Im Studio Pezzetta, wo sonst eine Modeagentur ihren Sitz hat, öffnete der Dax-Neuling erstmals den imaginären Maschinenraum. Damit gewährte Wirecard Einblick, wie aus Konzernsicht das Bezahlen der Zukunft aussehen soll.

Es ist ein weiterer Schritt in Richtung Normalität, den Wirecard damit machen will. In den ersten Monaten des Jahres stand der Konzern nach Vorwürfen um Geldwäsche, Betrug und Kontomanipulation in der Niederlassung in Singapur schwer unter Druck. Ganz ausgeräumt ist dabei manches noch immer nicht. Nach weiterhin sehr guten Zahlen im ersten Quartal und dem geplanten Einstieg des japanischen Tech-Giganten Softbank bei Wirecard soll nun aber der Blick wieder auf das Tagesgeschäft gerichtet werden.

Dass der asiatische Markt trotz der jüngsten Probleme auch in Zukunft der wesentliche Treiber in der weiteren Entwicklung von Wirecard sein wird, ist offenkundig. „Asien ist der Vorreiter in Sachen digitales Bezahlen. Bei vielen technischen Neuerungen schauen wir immer zuerst dorthin“, sagt Susanne Steidl. Die Österreicherin ist seit Anfang vergangenen Jahres als Chief Product Officer im damit nun vierköpfigen Vorstand von Wirecard tätig. In 13 Ländern in Asien ist das Unternehmen mit einzelnen Hubs vertreten, Singapur ist der Hauptstandort.

Dass die Asiaten und speziell die Chinesen Vorreiter im bargeldlosen Bezahlen sind, hat für Steidl gleich mehrere Gründe. Zum einen haben Internetdienste wie Alipay oder WeChat schon früh erkannt, dass der Bezahlvorgang zwar nur einen Teil des täglichen Lebens ausmacht, dafür in seiner Komplexität und Bedeutung aber elementar ist. Beide Dienste sorgen für eine Rundumsorglosversorgung aus Kommunikation, Koordination und Shopping.

Eine Fernreise kann so beispielsweise mit allen Sonderwünschen darüber gebucht und auch gleich bezahlt werden. Wirecard sorgt dann mit seinen Diensten dafür, dass jeder Teilbetrag des Kunden auch beim richtigen Empfänger ankommt. „Issuing“ nennt sich der Vorgang, mit dem sich Wirecard das Geld beim Kunden holt, und „Acquiring“ das Weiterleiten an den Verkäufer. Dafür fällt eine Gebühr an, von der Wirecard bei zuletzt 279.000 Kunden weltweit sehr auskömmlich leben kann.

Weiterer Vorteil des asiatischen Marktes: Ähnlich wie in Afrika haben die Menschen dort den Schritt über Kreditkarten einfach weggelassen und gleich den Übergang vom Bargeld zum mobilen Bezahlen vollzogen. „Zudem fehlt teilweise in Asien wie in Afrika eine breite Bankeninfrastruktur, wie wir sie in Europa oder den USA gewohnt sind“, sieht Steidl eindeutige Vorteile für ihr Unternehmen.

Für jeden Erdteil eine eigene Strategie

Wirecard muss so allerdings für jeden Erdteil unterschiedliche Strategien wählen. Je nachdem, welche Prioritäten oder Gewohnheiten dort bei den Kunden vorherrschen. Das gilt auch für die USA. Das Land galt lange Jahre als Vorreiter des bargeldlosen Bezahlens. Viele Bürger besaßen gleich mehrere Kreditkarten und nutzten die auch für Kleinbeträge.

Die Akzeptanz war schließlich so gut wie flächendeckend. Dass Wirecard den Markt dort wegen der Expansion nach Asien vernachlässigt habe, wie von Analysten gelegentlich zu hören ist, lässt Steidl nicht gelten. „Wir sehen in den USA enormes Wachstumspotenzial“, hält sie dagegen.

Vor drei Jahren hatte Wirecard die Prepaid Card Services der Großbank Citi übernommen, die da bereits rund 2500 Kartenprogramme meist für internationale Großkonzerne aufgelegt hatte. Im Vergleich zu anderen Ländern sei der US-Markt aber sehr homogen ohne allzu große Komplexität. Wirecard könne sich so nur durch den Preis differenzieren, weshalb wiederum das Massengeschäft dort für Wirecard nicht an erster Stelle steht.

Stattdessen geht der Dax-Neuling dort differenzierter vor. „Viele US-Unternehmen wollen nach Europa und suchen in diesem vielseitigen Markt nach globalen Partnern für die Zahlungsabwicklung“, so Steidl. Zudem seien in den USA noch immer Schecks zum Bezahlen sehr verbreitet, was im Zeitalter der Digitalisierung ebenfalls anders gelöst werden könne.

In näherer Zukunft soll bei der Zusammenarbeit mit den vielen kleinen Händlern weltweit auch das Kreditgeschäft vorankommen. Dabei soll es in erster Linie nicht um Darlehen für langfristige Investitionen in Gebäude, Maschinen und den Fuhrpark gehen, sondern in kurzfristige Überbrückungskredite und temporäre Spitzen im Geschäft. „Durch die Vielzahl der täglichen Zahlungen kennen wir unsere Kunden sehr gut und können quasi in Echtzeit einen Kreditrahmen zur Verfügung stellen“, verspricht Steidl.

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