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Zahlungsdienstleister Höhenflug mit Unterbrechung – So bewerten Analysten das Kurspotenzial von Wirecard

Nach schweren Kurseinbrüchen legt Wirecard nun beinahe ununterbrochen zu. Anleger aber gehen auf Distanz. Doch der Aufwärtstrend könnte bald enden.
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Wirecard: So bewerten Analysten das Kurspotenzial Quelle: Reuters
Wirecard

An der Börse ist der Zahlungsdienstleister sieben Milliarden Euro mehr Wert als die Deutsche Bank.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDass die Aktie von Wirecard wie am heutigen Tag größter Verlierer im deutschen Leitindex war, ist schon einige Monate her. Die Aktie des Zahlungsdienstleister erlitt mit einem Minus von rund 4,5 Prozent auf unter 154 Euro einen Dämpfer. Im Februar und März, als Anschuldigungen um Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung in der Filiale in Singapur zu einem Wertverlust von fast acht Milliarden Euro führten, standen solche Nachrichten noch auf der Tagesordnung.

Fast die Hälfte an Wert büßte der Zahlungsdienstleister zu dieser Zeit ein. Von einem Kurs von 167,40 Euro auf ging es kurzzeitig bis auf 86 Euro bergab. Seit gut sechs Wochen kennt der Kurs indes nur eine Richtung: steil nach oben. Von Werten bei 110 Euro, bei denen die Aktie noch Mitte April notierte, ging es zuletzt auf über 160 Euro und damit in Sichtweite der Kurse, die das Papier vor dem großen Kursbeben erreicht hatte.

An der Börse war der Dax-Neuling aus dem Münchener Vorort Aschheim wieder 20 Milliarden Euro wert, sieben Milliarden Euro mehr als die Deutsche Bank. Bei den Anlegern aber zieht Zurückhaltung ein: Die US-Bank Goldman Sachs, bislang einer der Großinvestoren bei Wirecard, hatte ihren vor wenigen Wochen deutlich erhöhten Anteil nun genauso deutlich wieder reduziert, wie aus einer am Vorabend veröffentlichten Meldung hervorgeht. Demnach sank der direkt gehaltene Anteil an Stimmrechten um 0,38 auf nunmehr 0,24 Prozent.

Sehr viel mehr hatte die US-Bank allerdings über spekulative Instrumente wie Derivate, Swaps und Optionen auf eine Erholung des Wirecard-Kurses spekuliert. Dieser Anteil wurde nun wieder auf das vorherige Niveau von 3,28 Prozent der Stimmrechte zurückgefahren, nachdem es zuvor 8,73 Prozent waren. Insgesamt – also über direkt gehaltene Stimmrechte sowie über Instrumente – hält Goldman Sachs nun einen Anteil von 3,53 Prozent nach zuvor 9,10 Prozent.

Eine Begründung liefern Investoren in der Regel nicht zu einem solchen Vorgehen. Angesichts der zuletzt rasanten Kursgewinne darf aber angenommen werden, dass die Bank gutes Geld mit der jüngsten Spekulation gemacht hat – so wie übrigens viele andere Anleger auch, lagen die Börsenumsätze der Wirecard-Aktie doch jüngst auch im Spitzenfeld der 30 Dax-Werte.

Auf Augenhöhe mit Dax-Schwergewichten

Von den mehr als vier Millionen gehandelten Stücken, die in der turbulentesten Phase im Februar umgingen, war man zwar weit entfernt. Eine siebenstellige Zahl an Aktien war es aber dennoch an etlichen Tagen. Mit Dax-Schwergewichten wie SAP, der Allianz oder Bayer lag der Zahlungsdienstleister damit auf Augenhöhe.

Dass nun manch anderer Investor ebenfalls darüber nachdenkt, Gewinne mitzunehmen und sich von seinen vor wenigen Wochen gekauften Wirecard-Aktien zu trennen, ist naheliegend. Die DZ-Bank hat das Unternehmen am Mittwoch aus ihrer hauseigenen Empfehlungsliste mit dem Namen Equity Ideas entfernt. Seit der Aufnahme habe sich die Wirecard-Aktie absolut und relativ überdurchschnittlich im Vergleich zum deutschen Leitindex entwickelt, begründet Analyst Harald Schnitzer die Entscheidung.

Dadurch wurde zwischenzeitlich auch das Kursziel des genossenschaftlichen Dachinstituts von 158,20 Euro übertroffen. „Deshalb werden wir unsere Annahmen überprüfen“, blickt Schnitzer nach vorne. Dabei ist davon auszugehen, dass bei der DZ Bank in Zukunft ein höheres Kursziel stehen dürfte.

Im Vergleich zu seinen Kollegen bei anderen Häusern agierte das Frankfurter Institut zuletzt nahezu zurückhaltend. Die meisten Experten halten bei Wirecard inzwischen Kurse von 200 Euro und mehr für angebracht. Es wäre auf alle Fälle ein Allzeithoch, nachdem die Aktie im Herbst vergangenen Jahren noch kurz vor dieser Marke abgeprallt war.

Erst vor wenigen Tagen hatte Nooshin Nejati von der Deutschen Bank ihre Erwartungen für die Aktie von 170 auf 200 Euro nach oben angepasst und zum Kauf geraten. „Die Geschäfte von Wirecard entwickeln sich in der wettbewerbsintensiven Zahlungsverkehrsbranche sehr gut“, begründet die Analystin ihre Entscheidung.

Dabei treibe das Unternehmen seine Expansion erfolgreich in Richtung Großkunden, lobte sie. Gleichzeitig durchdringe Wirecard seine Kundenbasis in den Bereichen Finanzwirtschaft und Handel zunehmend stärker mit Zusatzleistungen. Erst in dieser Woche meldete das Unternehmen eine erweiterte Version ihres Online Shop-Systems SUPR.

Seit 2002 ist Braun CEO des Zahlungsdienstleisters. Quelle: AP
Markus Braun

Seit 2002 ist Braun CEO des Zahlungsdienstleisters.

(Foto: AP)

Über das können auch kleinere Händler einen Internet-Verkaufsraum ohne große technische Kenntnisse erstellen und betreiben. Aktuell kommen Unternehmensangaben zufolge 800 neue Händler zu den bislang über 60.000 Nutzern hinzu. Darunter zählen der Senf-Produzent Händlmaier oder die Brauerei Schneider Weiße zu den bekannteren Namen. „Dies sollte zu weiterem Wachstum führen und die Kundenbindung fördern“, glaubt Analysten Nejati.

Generell begründen die Aktienexperten ihren Optimismus damit, dass die Wachstumsaussichten von Wirecard auch in den kommenden Jahren hoch seien. Wie in der Vergangenheit sollen Umsatz und Gewinn zwischen 30 und 40 Prozent steigen, so die Erwartung.

Mit Vorlage starker Zahlen für die Monate Januar bis März vor wenigen Wochen hatte der Zahlungsdienstleister seine Gewinnprognose für das laufende Jahr auf eine Spanne von 760 bis 810 Millionen Euro angehoben. Gegenüber dem abgelaufenen Jahr wäre das ein Plus zwischen 35 und 45 Prozent.

„Nach den starken Zahlen für das erste Quartal, neuen wichtigen Verträgen und ersten Synergie-Effekten durch die Softbank-Partnerschaft nimmt die Dynamik weiter zu“, heißt es von Antonin Baudry von der britischen Investmentbank HSBC. Der japanische Technologie-Riese Softbank, der im vergangenen Jahr noch mit einem Einstieg beim Schweizer Rückversicherer Swiss Re gescheitert war, hatte im April mit dem Angebot an Wirecard überrascht.

Mehr dazu soll es nach der Hauptversammlung am 18. Juni im Münchener Messe-Centrum geben. Davor sollen die Aktionäre mit der Ermächtigung zur Ausgabe einer Wandelschuldverschreibung in Höhe von 900 Millionen Euro den Weg dazu bereiten. Diese Anleihe kann Softbank dann nach fünf Jahren in gut 6,9 Millionen Aktien von Wirecard zu einem Preis von 130 Euro wandeln. Das entspricht 5,6 Prozent des Grundkapitals.

Singapur-Durchsuchungen belasten weiter

Dafür wird Wirecard im Gegenzug beim Markteintritt in Japan und Südkorea unterstützt. Einen geschäftlichen Zugang erwartet Wirecard-Chef Markus Braun auch zu den vielen anderen Unternehmen, die sich bereits im illustren Softbank-Portfolio befinden.

Unter anderem gehören dazu die US-Telekom-Gesellschaft Sprint, der Fahrdienstvermittler Uber oder das deutsche Gebrauchtwagen-Portal Auto 1. Bis dato hatte der Plan zumindest schon mal den Effekt einer vertrauensbildenden Maßnahme bei den Wirecard-Anlegern.

In der zweiten Jahreshälfte soll es zudem erstmals in der 20jährigen Firmengeschichte ein Aktienrückkaufprogramm geben. Konzernchef Braun hatte das bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal angekündigt. Dass sich eine solche Maßnahme generell positiv auf den Kurs auswirkt, hatten zuletzt Dax-Werte aus der Münchener Nachbarschaft wie die der Allianz oder Munich Re eindrucksvoll bewiesen.

Bremsend wirken sich lediglich weiterhin die Vorfälle um die andauernden Ermittlungen in Singapur aus. Die dortige Staatsanwaltschaft hatte dreimal die Büros von Wirecard durchsucht und mehr als 200 Kartons an Material sichergestellt.

Nach Ansicht von Deutsche Bank-Analystin Nejati ist dies auch der Grund, warum die Aktie des Zahlungsdienstleisters noch immer mit einem Abschlag von 35 bis 40 Prozent im Vergleich zur Branche gehandelt wird. Größere negative Überraschungen erwartet sie zwar nicht mehr, vorsichtig bleibt sie trotzdem.

Auf der Gegenseite ist der Markt für Zahlungsdienstleister gerade heftig in Bewegung. Erst am Dienstag meldete der amerikanische Anbieter Global Payments, für die gewaltige Summe von 21,5 Milliarden Dollar den Wettbewerber Total System Services kaufen zu wollen.

Es wäre bereits die dritte große Übernahme in den USA seit Jahresanfang. Wirecard-Chef und Gründer Braun hat solche Avancen bislang stets zurückgewiesen. Als größter Einzelaktionär mit mehr als sieben Prozent käme an seinem Veto auch niemand vorbei. Auch Goldman Sachs, die Bank, die gerade ihren Anteil an derivativen Instrumenten wieder reduziert hat, steht Wirecard weiterhin wohlwollend gegenüber. Auf der so genannten „Conviction Buy“-Liste, einer Art hauseigener Empfehlungsliste, ist der Dax-Neuling weiterhin vertreten.

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