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Zahlungsdienstleister Hohes Wachstum, hohe Erwartungen – Wirecard wird Opfer des eigenen Erfolgs

Der Dax-Neuling erhöht zum dritten Mal im Jahr seine Prognose, die Aktien geben dennoch erneut nach. Die Märkte erwarten immer mehr von Wirecard.
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Der CEO von Wirecard erwartet auch für 2019 eine Beschleunigung des Geschäfts. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Markus Braun

Der CEO von Wirecard erwartet auch für 2019 eine Beschleunigung des Geschäfts.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

MünchenDie Logik der Kapitalmärkte wirkt auf den ersten Blick nicht immer gerecht. Gut fünf Prozent verlor die Aktie des Dax-Neulings Wirecard am Mittwoch in der Spitze. So viel wie kein anderer der 30 im Leitindex enthaltenen Werte. Und das, obwohl der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München an diesem Tag zum dritten Mal in diesem Jahr seine Gewinnschätzung für das laufende Jahr nach oben gesetzt hat.

In einer Spanne von 550 bis 570 Millionen Euro soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nun liegen, seit dem Sommer stand an dieser Stelle der Bereich von 530 bis 560 Millionen Euro. Ins Jahr gestartet war man einst mit 510 Millionen Euro als Untergrenze.

Dass die nun neuen Ziele ohnehin erreicht werden, hatten Experten schon vorher nicht bezweifelt. Bei 565 Millionen Euro lagen die Erwartungen von Analysten im Schnitt. Insofern hat das Unternehmen, das bargeldlose Zahlungen zwischen Händlern, Kunden und Banken abwickelt, nur das bestätigt, was ohnehin bereits Konsens unter den Experten war.

Entscheidender ist für das Management, dass sich das rasante Wachstum der vergangenen Jahre auch in Zukunft weiter fortsetzt. Schon Ende Oktober war verkündet worden, dass der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um gut 42 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gestiegen war. Der Gewinn zog in dieser Zeit um 38 Prozent auf 395,4 Millionen Euro an.

In diesem Tempo soll es weitergehen. „Wir erwarten sowohl für das vierte Quartal 2018 als auch für das kommende Geschäftsjahr 2019 eine starke Beschleunigung des Geschäfts“, kündigte Vorstandschef Markus Braun an. Selbst in den neuen Annahmen seien allerdings viele konservative Elemente enthalten. Gerade befindet sich das Management in den finalen Planungen für das Jahr 2019. Ende November soll es dazu dann konkrete Aussagen geben, kündigte Braun am Mittwoch an.

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Damit das so kommt, sollen nach den Vorstellungen des Unternehmens in den kommenden Jahren die noch vorhandenen Unterschiede zwischen dem stationären und dem Onlinehandel weitgehend verschwinden. Ob dann im Laden oder online per Smartphone bezahlt wird, soll aus Sicht des Händlers keinen Unterschied mehr darstellen, weil er dann nur noch auf einer Plattform agiert. So verschwinden die Grenzen zwischen den einzelnen Bereichen, was wiederum Synergien in der Abwicklung hebt.

Dabei kommt der Region Asien-Pazifik eine wesentliche Rolle zu. Zuletzt erwirtschaftete Wirecard 47 Prozent des Umsatzes dort. Der Anteil dürfte in Zukunft weiter steigen. Vorstandschef Braun spricht deswegen bereits von einer „sehr aggressiven Expansion in die spannendste Region überhaupt“. Schon jetzt sitzt gut die Hälfte der derzeit knapp 5300 Mitarbeiter dort, sehr viele davon im Bereich Forschung und Entwicklung.

Weltweit hat das Unternehmen heute Verträge mit über 40.000 Händlern, mit starkem Wachstum. Vor Kurzem war man in den amerikanischen Markt eingestiegen. Dazu wächst das Geschäft in den Schwellenländern wie Brasilien oder in vielen afrikanischen Staaten. Dort haben Telekomunternehmen wie die französische Orange via Smartphone die Rolle von Banken übernommen. Wirecard stellt dafür die Plattform zur Abwicklung der Zahlungen.

Weiteres Wachstum soll darüber hinaus nicht allein dadurch zustandekommen, dass immer mehr Menschen bargeldlos bezahlen. Anfang Oktober hatte Wirecard-Chef Markus Braun im Gespräch mit dem Handelsblatt angekündigt, dass er das Geschäftsfeld „Financial Services“ kräftig ausbauen will.

Künftig sollen Kredite gleich mit angeboten werden, wenn Kunden eine teurere Anschaffung planen, ebenso Versicherungen zu deren Schutz. Hinzu kommen Gutscheine und Coupons, die vor allem bei asiatischen Kunden eine große Rolle spielen in deren Einkaufsverhalten.

So ambitioniert die Wachstumspläne auch vielen Experten erscheinen, so sehr wird Wirecard inzwischen Opfer des eigenen Erfolgs. Die Erwartungen der Analysten steigen und steigen, und es gelingt dem Unternehmen immer seltener, überraschende Impulse zu setzen. Stattdessen reagierten auch am Mittwoch nach der dritten Gewinnerhöhung in diesem Jahr viele Experten eher gelangweilt.

Analysten wie Adam Wood von der US-Bank Morgan Stanley merkten lediglich an, dass Wirecard nur die Markterwartungen erfüllt habe. Sein Kollege Gerardus Vos von Barclays fügte hinzu, dass das Unternehmen mit den nun präsentierten Zahlen nur das gezeigt habe, was schon seit Ende Oktober bekannt ist.

Fakt ist jedenfalls, dass die Aktie, die vor dem Dax-Aufstieg im Sommer massiv gewonnen hatte, seither unter Druck steht. Knapp ein Viertel hat sie seit den Höchstständen verloren. Dabei kommt ihr zusätzlich das eingetrübte Börsenumfeld in die Quere, liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das kommende Jahr doch trotz der jüngsten Verluste noch immer bei sehr hohen 37.

Unter den anderen Dax-Werten liegt der Schnitt bei etwa zwölf. Insofern verwundert es Beobachter auch nicht, wenn die Wirecard-Aktie an schwächeren Handelstagen unter Gewinnmitnahmen leidet.

Dass die Aktionäre deswegen in Zukunft mit einer höheren Dividende bei Laune gehalten werden, schließt das Management um Vorstandschef Braun und Finanzvorstand Alexander von Knoop aus. Bisher sind lediglich 21 Cent je Aktie für das laufende Jahr an Ausschüttung geplant.

Das entspräche zum aktuellem Kurs einer Dividendenrendite von mageren 0,15 Prozent. „Stattdessen wollen wir lieber neue Geschäftsfelder wie Financial Services mit unserem Cash aufbauen“, stellte Braun am Mittwoch in einem Call mit Analysten klar. Womöglich gebe es dann früher oder später andere Wege, um den Aktionären etwas vom Gewinn zurückzugeben.

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