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Zahlungsdienstleister Klarna bietet Schnittstellen zum Bankkonto an – und gibt seine Technologie weiter

Das schwedische Fintech Klarna baut sein Geschäft aus und bietet EU-regelkonforme Schnittstellen zu Bankkonten an. Damit begebt sich der Zahlungsdienstleister auf einen umkämpften Markt.
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Klarna bietet über seine Schnittstellen nach eigenen Angaben Zugriff auf Konten bei 4300 Banken in 14 Ländern. Quelle: dpa
Kontoauszug

Klarna bietet über seine Schnittstellen nach eigenen Angaben Zugriff auf Konten bei 4300 Banken in 14 Ländern.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Zahlungsdienstleister Klarna erschließt sich ein neues Geschäftsfeld: Die Schweden stellen ihre Datenschnittstellen, über die sie Zahlungen auf den Konten von Verbrauchern auslösen, ab sofort auch anderen Firmen bereit, erfuhr das Handelsblatt von dem Unternehmen vorab. Damit begeben sie sich in einen umkämpften Markt. Allein in Deutschland bieten bereits mehrere Finanz-Start-ups einen solchen Zugang zu Kontodaten an. Die Nachfrage nach dieser Art Dienstleistung dürfte allerdings groß sein und reicht weit über die Finanzbranche hinaus.

Seine Expertise beim Thema Kontoschnittstellen hat Klarna der Übernahme des deutschen Fintechs Sofort GmbH zu verdanken. Seit 2014 gehört der Anbieter des Online-Bezahldienstes Sofortüberweisung zu der schwedischen Firma. Sofort wurde 2005 gegründet und hat als erstes Unternehmen im Auftrag von Verbrauchern Überweisungen auf ihren Konten ausgelöst – indem die Nutzer ihre Login-Daten zum Online-Banking auf einer Website von Sofort eingaben.

Was damals ein Novum war, fand etliche Nachahmer und wird seit Anfang 2018 durch die zweite EU-Zahlungsdiensterichtliche PSD2 reguliert. Nun benötigen Unternehmen für diese Art Kontozugriff eine Erlaubnis der Finanzaufsicht und ab Mitte September ist der Datenaustausch nur noch über spezielle Datenschnittstellen erlaubt.

Klarna hat seit Sommer 2017 eine Banklizenz. Daher benötigt das Unternehmen keine zusätzliche Erlaubnis der Finanzaufsicht, um als Zahlungsauslöse- oder Kontoinformationsdienst zu agieren. Diese beiden Varianten eines Zahlungsinstituts wurden durch die PSD2 neu geschaffen.

Ein Zahlungsauslösedienst (ZAD) darf im Namen der Kunden Überweisungen von deren Konten anstoßen. Ein Kontoinformationsdienst (KID) darf Informationen aus den Kontobuchungen ziehen und kann Nutzern damit beispielsweise eine Finanzübersicht über all ihre Konten bieten oder aus den Daten beispielsweise Aussagen über ihre Bonität ableiten, damit ihr Kreditwunsch geprüft werden kann.

Dass Klarna seine Technologie weitergibt, ist neu. „Wir waren immer ein Technologieunternehmen, aber dies ist das erste Mal, dass wir eine selbst entwickelte Technologie extern verkaufen“, sagte Koen Köppen, Technologie-Chef von Klarna, dem Handelsblatt. Über die Klarna-Plattform sollen nun auch andere Unternehmen, Produkte und Lösungen auf Basis von Zahlungsdaten anbieten können.

Zur Zielgruppe gehören dabei sowohl Fintechs und Banken als auch Firmen aus anderen Branchen. Eine eigene Erlaubnis der Finanzaufsicht benötigen die Unternehmenskunden nicht. Einen ähnlichen Service bietet auch das Hamburger Fintech Figo, das gerade mit Finreach fusioniert, der Münchener Anbieter FintecSystems, der von ehemaligen Mitarbeitern der Sofort GmbH gegründet wurde, sowie BANKSapi, FinAPI, Fino und NDGIT.

Das Interesse an seiner neuen Dienstleistung sei „sehr groß“, sagt Köppen. „Bei einer Reihe großer multinationaler Unternehmen laufen schon Pilotprojekte“, Details dürfe er noch nicht nennen. Auch in anderen Bereichen wie der Unterhaltungs- und Reisebranche sieht Köppen „eine klare Chance“.

Auch Hakan Eroglu, Zahlungsmarktexperte bei der Unternehmensberatung Accenture, erwartet bei Unternehmen ohne eigene Bafin-Erlaubnis eine große Nachfrage nach solchen Services. „Die Bafin-Erlaubnis als Zahlungsauslösedienst zu bekommen ist keinesfalls trivial und für den Kontoinformationsdienst sind die Anforderungen kaum geringer“, sagt er.

Nach Aussage von Köppen bietet Klarna über seine Schnittstellen Zugriff auf Konten bei 4300 Banken in 14 Ländern. Unternehmen, die die Schnittstellen nutzen, sollen dafür eine Servicegebühr an Klarna zahlen, damit eröffnet sich der Zahlungsdienstleister eine neue Einnahmequelle. Einblicke in die Daten, die zwischen den Schnittstellennutzern und den Bankkunden ausgetauscht werden, bekomme Klarna aber nicht.

Klarna wurde 2005 gegründet und arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 100.000 Händlern zusammen, darunter Asos, Spotify, MediaMarkt und die Deutsche Bahn. Aktuell zählt das Unternehmen mehr als 2000 Mitarbeiter in 14 Ländern. 2015 wurde es mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet.

Nach Analyse der Agentur Bloomberg hat sich der Umsatz von Klarna im vergangenen Jahr um ein Drittel erhöht. Das operative Ergebnis dagegen war von 56 auf 17 Millionen Dollar gefallen, was Klarna laut Bloomberg mit einem signifikanten Anstieg von Investitionen begründet hatte.

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