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Zahlungsdienstleister Klarna gibt eigene Kreditkarte heraus

Der schwedische Zahlungsdienstleister weitet sein Angebot in Deutschland aus und ermöglicht Ratenkauf im Einzelhandel. Die „Klarna Card“ soll auch mit Google Pay funktionieren.
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Auch bei der Werbung für die neue Kreditkarte setzt Klarna auf Rosa-Töne. Quelle: Klarna
Werbebild für die Klarna Card

Auch bei der Werbung für die neue Kreditkarte setzt Klarna auf Rosa-Töne.

(Foto: Klarna)

FrankfurtIm goldenen Anzug, in einer rosa Kulisse und begleitet von zwei Afghanischen Windhunden mit schwingendem Fell schreitet der Skandal-Rapper Snoop Dogg über einen Plüschteppich. Sein Weg ist gesäumt von dutzenden Personen in rosafarbenen Roben. So wird er zum „Smoooth Dogg“ ernannt.

Als „Smoooth“, also quasi besonders einfach, bezeichnet der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna auch seine Bezahlverfahren. Im Januar ist der Rapper dort als Investor und Werbegesicht eingestiegen. Seitdem ist klar: Klarna will um jeden Preis auffallen. Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, drängen die Schweden jetzt in Deutschland in den stationären Handel. Dafür geben sie ab sofort eine Kreditkarte heraus – mittels eigener Banklizenz und in Kooperation mit Visa.

Klarna wurde 2005 als Anbieter von Rechnungskauf für den Online-Handel gegründet und hat sein Geschäftsmodell seitdem stetig erweitert. 2014 hat das Unternehmen die Sofort GmbH, den Anbieter der Sofortüberweisung, übernommen. 2016 folgte das Team der Zahlungs-App Cookies und 2017 der Rechnungskaufkonkurrent Billpay – alle drei Unternehmen stammen aus Deutschland.

Zudem gab Klarna im vergangenen Monat bekannt, dass es seine Datenschnittstellen, über die es Zahlungen auf den Konten von Verbrauchern auslöst, ab sofort auch anderen Firmen bereitstellt. Nach eigenen Angaben arbeitet Klarna aktuell mit mehr als 100.000 Händlern zusammen. Die Firma beschäftigt mehr als 2000 Mitarbeiter in 14 Ländern. Mit dem neuen Produkt soll ihre Reichweite ausgedehnt werden.

Im Heimatmarkt Schweden wurde die „Klarna Card“ bereits seit vergangenem Frühjahr nach und nach ausgegeben. „Inzwischen sind 84.000 Klarna Cards in Umlauf“, sagt Robert Bueninck, der für den deutschsprachigen Markt verantwortlich ist. Auch in Deutschland ist die Karte nicht sofort für Jedermann verfügbar. „Wir gehen zunächst mit einer Beta-Version an den Markt“, sagt Bueninck. „Künftig werden wir den Antragsprozess noch einfacher gestalten.“

Wer die Karte beantragen will, muss zuvor schon den Klarna-Rechnungskauf genutzt haben. Der Antrag läuft dann innerhalb weniger Minuten über die Smartphone-App des Anbieters. Eine Legitimierung per Video- oder Post-Ident soll nicht nötig sein. „Stattdessen erteilen uns die Kunden die Erlaubnis, 10 Cent von ihrem Konto abzubuchen“, sagt Bueninck.

Dieser Kontozugriff laufe ähnlich wie bei dem Zahlungsdienst Sofortüberweisung. „Dabei können wir die Kunden identifizieren“, sagt Bueninck. Die 10 Cent würden gleich danach zurücküberwiesen. Die Karte werde danach innerhalb von fünf Tagen per Post zugestellt.

Wie viele Kunden Klarna in Deutschland aktuell hat, gibt das Unternehmen nicht preis. In Deutschland, Österreich und der Schweiz seien es insgesamt 30 Millionen. Die App werde in Deutschland schon von 2,4 Millionen Personen aktiv genutzt.

Experten zufolge ist die Kreditkarte ein logischer Schritt für Klarna. „Der Handel setzt immer stärker auf eine Kombination aus digitalen und stationären Angeboten. Für Zahlungsdienstleister ist es deshalb sinnvoll, alle Kanäle zu bedienen“, sagt Sven Korschinowski, Zahlungsmarktexperte der Unternehmensberatung KPMG. „Nur, wenn die Daten aus diesen Kanälen gebündelt werden, erhalten Kunden ein einheitliches Einkaufserlebnis.“

Nach Einschätzung von Hakan Eroglu, Zahlungsmarktexperte bei Accenture, entspricht es auch dem Wunsch der Kunden, beim Online-Kauf und im Laden das gleiche Zahlungsmittel einsetzen zu können. „Das macht das Bezahlen einfacher und ermöglicht den Kunden einen besseren Überblick“, sagt er. „Mit Zusatzangeboten können sich Zahlungsdienstleister zudem nach und nach ins Banking vorwagen. Sie sprechen dann beispielsweise gar nicht mehr explizit von einem Kredit, sondern lösen für Kunden das Problem, dass sie ihre Rechnung nicht sofort zahlen müssen.“

Einer von Klarnas Konkurrenten ist der US-Bezahldienst Paypal. Dieser hat ebenfalls schon mehrfach den Sprung an die Ladenkasse versucht. Gelungen ist das zuletzt, indem das Unternehmen eine virtuelle Kreditkarte herausgegeben hat, mit der Kunden den Bezahldienst Google Pay nutzen und so mit ihrem Smartphone bezahlen können. Eine physische Karte gibt Paypal allerdings nicht heraus.

Auch die Klarna Card unterstützt bereits Google Pay. Zeitnah sollen zudem Zahlungen per Apple Pay möglich sein. Bargeld können Kunden damit jedoch nicht abheben. „Bargeld passt nicht zu unserer Philosophie und unserer Vision von einer bargeldlosen Gesellschaft“, sagt Bueninck. Zugleich kann Klarna durch diese Einschränkung auch Gebühren für die Nutzung von Geldautomaten sparen.

Eine zusätzliche Funktion ergibt sich in Kombination mit der App, über die Kunden bisher schon ihre Online-Einkäufe verwalten können. Nutzer der Klarna Card können wählen, ob die Kaufbeträge direkt per Lastschrift von ihrem hinterlegten Bankkonto eingezogen werden sollen oder sie darüber eine Rechnung erhalten möchten, die sie dann innerhalb von 14 Tagen begleichen müssen. Möglich ist auch eine Kombination aus beidem“, sagt Bueninck.

So könnten Kunden in der App beispielsweise festlegen, dass Beträge bis 50 Euro immer direkt von ihrem Konto eingezogen werden und für höhere Beträge eine Rechnung erstellt wird. Zudem können Rechnungen in einen Ratenkauf mit einer Laufzeit von bis zu 24 Monaten umgewandelt werden.

Für die Kreditkarte und den Rechnungskauf fallen keine Gebühren an. Doch beim Ratenkauf langt Klarna kräftig zu: Der Zinssatz liegt bei 11,95 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt noch ein fixer Zins von 45 Cent pro Monat. So kann der effektive Jahreszins etwa bei einer Finanzierungssumme in Höhe von 500 Euro und einer monatlichen Rückzahlung über ein Jahr bei 14,79 Prozent liegen.

Zum Vergleich: Beim Ratenkauf-Anbieter Easycredit liegt der effektive Jahreszins bei 8,9 Prozent. Bei Ratepay liegt der Sollzins bei 10 bis 11 Prozent, je nach Händler kommen auch bei Ratepay weitere Gebühren hinzu.

Für Klarna ergeben sich aus dem Ratenkaufangebot Chancen. „Konsumfinanzierung über Ratenkauf ist ein Milliardenmarkt, wenn Zahlungsdienstleister solche Angebote auf den stationären Handel ausweiten, liegt darin ein großes Potenzial“, sagt Andreas Pratz, Partner bei Strategy&.

Das Unternehmen hat noch viel vor: Im vergangenen Jahr wurde es mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet und nähert sich nach jüngsten Aussagen des Gründers Sebastian Siemiatkowski einem Börsengang. „Wir haben noch keine formelle Entscheidung über ein Listing getroffen, aber Klarna nähert sich einer Situation an, von der wir glauben, dass wir bereiter für einen Börsengang sind“, sagte er in der vergangenen Woche der Nachrichtenagentur Reuters.

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