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Zahlungsdienstleister Kurseinbruch Nummer drei – Die wichtigsten Antworten zu den Turbulenzen bei Wirecard

Kursausschläge wie jüngst bei Wirecard hat es selbst in der Finanzkrise nicht gegeben. Was die Kunden dazu sagen und wer gegen den Zahlungsdienstleister spekuliert.
Update: 08.02.2019 - 11:04 Uhr 1 Kommentar
Wirecard: Die wichtigsten Antworten zum erneuten Kurseinbruch Quelle: dpa
Zahlungsdienstleister Wirecard

Berichte der Financial Times lassen den Aktienkurs des Dax-Neulings immer wieder einbrechen . So auch am Donnerstag, als Wirecard-Papiere 15 Prozent nachgaben.

(Foto: dpa)

MünchenWenn Ende Dezember der Jahresrückblick an der Börse ansteht, dann werden die vergangenen sieben Handelstage sicher nicht fehlen. Etwa 13 Prozent verlor die Wirecard-Aktie am Mittwoch vergangener Woche – nach einem kurzen Aufbäumen ging es zwei Tage später gar um 25 Prozent bergab.

Am Montag dann folgte die Erholung um gut 13 Prozent. Nach einer kurzen Ruhephase stürzte die Aktie am Donnerstag erneut um 15 Prozent ab. Und: eine Fortsetzung ist denkbar. Kursausschläge in dieser Art hat es bei einem Dax-Konzern nicht einmal während der Finanzkrise oder nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gegeben.

Wie reagieren die Märkte am Freitag?

Wirecard-Papiere sind sehr gefragt. Nach anfänglichen Verlusten setzt sich die Aktie des Zahlungsdienstleisters mit großem Abstand an die Dax-Spitze und legt bis zu sechs Prozent zu. Ein möglicher Erklärungsansatz: Investoren, die mit Leerverkäufen auf Kursverluste gewettet haben, streichen nun Gewinne ein. Eine alternative Erklärung ist, dass Anleger den vergleichsweise günstigen Preis zum Einstieg bei Wirecard nutzen.

Warum kam es am Donnerstag erneut zum Absturz?

Die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ hatte am Donnerstag, wie schon in der Vorwoche, über Ungereimtheiten in der Zahlungsabwicklung bei der Wirecard-Tochter in Asien berichtet. Dabei ging es erneut um angeblich kriminelle Kontomanipulation und Dokumentenfälschung.

Der für Asien zuständige Finanzchef soll sechs Kollegen in Singapur dabei eingewiesen haben, wie sie die eigenen Bücher möglichst unauffällig manipulieren könnten. Auf diese Weise wollte sich Wirecard bei den Behörden in Hongkong eine Lizenz erschleichen, hieß es.

Der Finanzchef habe dem Bericht zufolge auch wegen interner Ertragsziele unter Druck gestanden. Spekuliert wurde zudem darüber, ob das System im gesamten asiatischen Raum über Jahre verbreitet gewesen sei. Zwei Führungskräfte in Deutschland hätten von der Praxis „zumindest etwas Kenntnis“ gehabt.

Wie hat Wirecard reagiert?

Ebenfalls wie in der Vorwoche: Der Zahlungsdienstleister wies sämtliche Vorwürfe ohne ausführliche Erläuterungen strikt zurück. Wirecard verwies auf die Stellungnahme vom Montag. Darin war von Animositäten zweier Mitarbeiter die Rede, die zu Hinweisen auf ein Fehlverhalten geführt hätten.

Bei diesen ging es um mögliche Regelverstöße zwischen 2015 und 2018 mit Umsätzen von insgesamt 6,9 Millionen Euro und Gesamtkosten von 4,1 Millionen Euro. Außerdem soll ein interner Transfer von geistigem Eigentum an Software im Wert von 2,6 Millionen Euro zur Debatte gestanden haben. Am Freitag dann erklärte der Konzern, rechtlich gegen die „Financial Times“ vorzugehen.

Kam der erneute Angriff überraschend?

Nein. Viele Experten hatten damit gerechnet, dass mit einigen Tagen Abstand weitere Details bekannt werden würden. Das kann auch in den nächsten Tagen immer wieder der Fall sein – denn momentan ist der Sachverhalt weiterhin viel zu undurchsichtig.

Wer spekuliert im Moment gegen Wirecard?

Der Londoner Hedgefonds Odey Asset Management hat in den vergangenen Tagen seine Position weiter ausgebaut. Aktuell hält er laut Bundesanzeiger 0,69 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals als Netto-Leerverkaufsposition. In der vergangenen Woche waren es noch 0,56 Prozent. Da erst ab einem Anteil von 0,5 Prozent eine Meldung abgegeben werden muss, ist davon auszugehen, dass es noch etliche weitere Positionen unterhalb dieser Schwelle gibt.

Was könnte Aufklärung bringen?

Interne wie externe Ermittlungen durch die renommierte Anwaltskanzlei Rajah & Tann aus Singapur haben bisher außer den bekannten Regelverstößen zwischen 2015 und 2018 kein Fehlverhalten ergeben. Bis die Anwälte jedoch ihren Schlussbericht endgültig fertiggestellt haben, können noch einige Wochen vergehen. In dieser Zeit steht die Tür weit offen für Spekulationen aller Art.

Was könnten die Wirtschaftsprüfer von Wirecard beitragen?

Seit dem Jahr 2009 schon prüft mit EY (vorher Ernst & Young) einer der großen Namen der Branche die Bücher bei Wirecard. In dieser Zeit fanden die Experten trotz regelmäßiger Anschuldigungen keine auffälligen Unregelmäßigkeiten. Wirtschaftsprüfer unterliegen jedoch der Verschwiegenheitspflicht. Sollten sie ein vorläufiges Statement für das Jahr abgeben wollen, müssten sie von Wirecard davon entbunden werden.

Im Moment läuft die Buchprüfung wie immer um diese Jahreszeit auf vollen Touren. Bis zur endgültigen Veröffentlichung des Geschäftsberichts vergehen noch fast zwei Monate. Erst am 4. April äußert sich Wirecard zu den Zahlen. Seit Ende Januar gibt es bereits vorläufige Eckdaten, nach denen Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr gegenüber 2017 um rund 40 Prozent gestiegen sind.

Was sagen die Kunden von Wirecard?

Hier spürt Wirecard bisher keine Auswirkungen der Turbulenzen. Es wurden keine Aufträge storniert, Geschäftsbeziehungen gekappt oder vorläufig stillgelegt bis zur weiteren Aufklärung. Die geschlossenen Verträge sind langfristig angelegt, schließlich wäre ein anderer Zahlungsdienstleister auf die Schnelle auch schwer zu bekommen.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Wirecard das Vertrauen der Kunden bislang nicht enttäuscht hat. Immerhin stehen auf der Kundenliste illustre Namen wie Allianz, BASF, Credit Agricole, Lidl, Apple und Alipay. Klar ist aber auch: Sollten sich die Vorwürfe bestätigen oder nur der Vorläufer für weitere Manipulationen sein, wird auch Wirecard langfristig Schaden davontragen.

Was unternehmen die Behörden in Deutschland?

Die Börsenaufsicht Bafin und die Staatsanwaltschaft München beobachten den Fall mittlerweile sehr genau. Bei Gesprächen mit den Verantwortlichen fällt oft das Wort „erstaunlich“. Die Wortwahl bezieht sich allerdings nicht auf Vorgänge bei Wirecard, sondern auf das Zustandekommen von möglichen Angriffen am Aktienmarkt. Die gibt es bei Wirecard seit mehr als einem Jahrzehnt. Der leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst sagte jedenfalls am Donnerstag, es gebe keinen ausreichenden Anfangsverdacht, um ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche von Wirecard einzuleiten.

Was bedeuten die Vorfälle für den deutschen Aktienmarkt?

Die Aktienschützer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) forderten in dieser Woche bereits, dass ein Aktienkurs künftig bei einer solch unklaren Gemengelage vom Handel ausgesetzt werden müsse. Die Deutsche Börse als Betreiber des Handels wiedersprach dem.

Sie sieht keinen Anlass für verschärfte Vorschriften. Dem Image des deutschen Finanzplatzes sind derartige Kursverwerfungen bei einem Dax-Wert allerdings nicht zuträglich.

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1 Kommentar zu "Zahlungsdienstleister: Kurseinbruch Nummer drei – Die wichtigsten Antworten zu den Turbulenzen bei Wirecard"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist an der Zeit Leerverkäufe zu verbieten, erstens weil man Sachen die einem nicht gehören nicht verkaufen kann und zweitens könnte auch der kleine Mann in Aktien investieren ohne ständig um seine Erträge gebracht zu werden. Drittens könnten sich
    gewisse Leute ihre Fake-News sparen, wie jetzt zum xten mal bei Wirecard.