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Zahlungsdienstleister Wirecard kauft Aktien zurück – Kurs bricht erneut ein

Doppelstrategie gegen die Krise: Wirecard kämpft gegen schwere Vorwürfe der „Financial Times“. CEO Braun attackiert die Zeitung – und startet einen Aktienrückkauf.
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Der Wirecard-CEO ist unter Druck. Quelle: Bloomberg
Markus Braun

Der Wirecard-CEO ist unter Druck.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt/München Abteilung Attacke: Der Zahlungsdienstleister Wirecard versucht sich nach Tagen vieler schlechter Nachrichten an einem Befreiungsschlag. Wie der Konzern am Freitagnachmittag angekündigt hat, startet er ein Aktienrückkaufprogramm. Starten soll es schon in den „nächsten Tagen“.

„Der Vorstand hat heute mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen (...) ein Aktienrückkaufprogramm aufzulegen“, heißt es in der Ad-hoc-Mitteilung, die der Konzern an diesem Freitagnachmittag veröffentlicht hat. In einem Zeitraum von zwölf Monaten sollen Aktien bis zu 200 Millionen Euro zurückgekauft werden. Die Hauptversammlung hatte eine entsprechende Ermächtigung bereits im Juni erteilt.

Die Wirecard-Aktie war am Dienstag nach neuerlichen kritischen Berichten der britischen Zeitung „Financial Times“ (FT) eingebrochen und mit einem Minus von rund 13 Prozent aus dem Handel gegangen. Auch am Freitagnachmittag notierte das Papier nach Herausgabe der Ad-hoc-Meldung mehr als sieben Prozent im Minus.

Die FT hatte berichtet, dass 2016 rund die Hälfte des Wirecard-Vorsteuergewinns über ein Partnerunternehmen aus Dubai namens Al Alam erzielt worden sei. Die Zeitung kontaktierte 34 Kunden, deren Geschäfte laut zugespielter Dokumente über die Plattform des Partners abgewickelt worden sein sollen.

Fast die Hälfte hatte den Namen Al Alam nie gehört, andere waren bereits seit Jahren aufgelöst oder unauffindbar. Seitdem steht ein gravierender Verdacht im Raum: Hat Wirecard seine Bilanz manipuliert?

Konzernchef Markus Braun geht angesichts der Vorwürfe in den Angriffsmodus. „Ich kann Ihnen mit Sicherheit sagen, dass an diesen Vorwürfen nichts dran ist“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Nichts an diesen Vorwürfen ist neu, wir sprechen hier von alten, längst bekannten Themen. Die angeblichen Unregelmäßigkeiten wurden bereits im Rahmen der Überprüfung im Frühjahr untersucht und widerlegt.“

Zu den Vorwürfen, Al Alam habe Scheinkundenbeziehungen geführt, sagte Braun: „Alle Geschäftsbeziehungen, die in unseren Abschlüssen verbucht wurden, sind natürlich authentisch.“ Wie es dazu kommen konnte, dass „Kundencluster“ die Namen von Einzelunternehmen trugen, wie Wirecard am Mittwoch erklärt hatte, wollte Braun nicht ausführen.

Dafür geht der Konzernchef hart mit der FT ins Gericht: „Um ehrlich zu sein, es hat uns überrascht, dass die FT einen solchen Artikel noch einmal freigibt. Wir haben aufgrund des ernsten Verdachts, dass FT-Journalisten mit Shortsellern zusammenarbeiten, Anzeige gestellt, ebenso die Finanzaufsicht Bafin. In meinen Augen wird hier versucht, durch neue Berichterstattung nachzulegen, um vergangene, längst widerlegte Vorwürfe wieder zu beleben.“

Wirecard will keinen unabhängigen Prüfer beauftragen

Beobachter wie Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität, reagieren erstaunt auf die jüngste Entwicklung. „Die Ankündigung des Aktienrückkaufs kommt überraschend“, erklärt Brühl. „Das Management möchte damit vermutlich ein starkes Signal an die Märkte senden, dass man an eine nachhaltig positive Kursentwicklung glaubt. Andererseits sind die Märkte irritiert, wie die unmittelbare Kursreaktion zeigt.“

Wirecard-Chef Braun gibt sich trotz der großen Verunsicherung am Markt überzeugt, dass der Dax-Konzern keine weiteren Berichtigungen an der Bilanz vornehmen muss. „Es gab bereits eine umfassende Überprüfung der Vorgänge. Das Einzige, was bilanzwirksam passiert ist, war eine Periodenfalschbuchung über 2,5 Millionen Euro. Sie wurde berichtigt. Es gibt keinen Änderungs- und Abschreibungsbedarf.“

Wirecards langjähriger Wirtschaftsprüfer ist Ernst & Young (EY). So habe EY erst am Mittwoch noch einmal bestätigt, „dass alle gesetzlichen und fachlichen Auditanforderungen vollständig erfüllt wurden und erfüllt werden. Im Rahmen der Konzernabschlussprüfung hat EY auch die Berichterstattung der beiden Tochtergesellschaften in Dubai für Konzernzwecke geprüft“, so Braun.

Auch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung habe bereits mehrfach in der Vergangenheit Wirecard-Jahresabschlüsse geprüft. „Keine der abgeschlossenen Prüfungen führte in den letzten Jahren zu der Feststellung, dass eine fehlerhafte Rechnungslegung vorliegt.“

Der Forderung von Anlegerschützern und Experten, eine Sonderprüfung der jüngsten Vorwürfe durch einen unabhängigen Prüfer zu beauftragen, um Zweifel auszuräumen, will der Vorstand laut Handelsblatt-Informationen nicht nachkommen. Auch für den Schritt, den bisherigen Wirtschaftsprüfer EY von der Verschwiegenheitspflicht zu befreien, sieht der Konzern keine Veranlassung.

Volker Brühl hält das für unverständlich: „Die Ablehnung dieser Vorschläge überrascht mich“, sagt der Finanzprofessor. „Denn die Situation ist sehr ernst. Das Management sollte hier proaktiv vorgehen. Ein Aktienrückkauf alleine ist in dieser Situation nicht ausreichend.“

Mehr: Das Vertrauen in den Zahlungsdienstleister Wirecard leidet nach einem neuerlichen kritischen Bericht. Das müssen Anleger jetzt wissen.

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