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Zahlungsdienstleister Wirecard öffnet sich nur langsam

Der Zahlungsdienstleister präsentiert starke Zahlen für das dritte Quartal. Doch den Anlegern reicht das nicht: Sie fühlen sich unzureichend informiert.
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„Wir sind optimistisch, dass die Dinge in unserem Sinne gelöst werden“ Quelle:  Thomas Dashuber für Handelsblatt
Wirecard-Vorstandschef Markus Braun

„Wir sind optimistisch, dass die Dinge in unserem Sinne gelöst werden“

(Foto:  Thomas Dashuber für Handelsblatt)

München, Frankfurt Auf den erhofften Befreiungsschlag müssen die Aktionäre von Wirecard weiter warten. Der Zahlungsdienstleister aus dem Münchener Vorort Aschheim hat am Mittwoch zwar auch für das dritte Quartal beeindruckende Zahlen vorgelegt.

Konkrete Details auf die Anschuldigungen der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“, die im Oktober Kundenbeziehungen über den Wirecard-Hub in Dubai infrage gestellt hatte, gab es jedoch nur in geringem Umfang. Seither steht für das Unternehmen ein weiteres Mal der Verdacht der Manipulation von Zahlungsvorgängen im Raum.

Stattdessen gab es am Mittwoch lediglich einige „Insides“ in die komplexe Welt des Zahlungsdienstleisters. Wirecard sorgt vereinfacht ausgedrückt dafür, dass das Geld eines Kunden bei einem Bezahlvorgang beim Händler ankommt. Zwei Folien ergänzten diesmal zur Erläuterung die Präsentation der Zahlen, die es in ähnlicher Form bereits in vorherigen Quartalen gab.

Nur wenige Einzelheiten

Erstmals gab es nun grobe Details darüber, wie sich das Geschäft in den weit über hundert Ländern darstellt, in denen Wirecard inzwischen tätig ist. Knapp über die Hälfte der Transaktionsvolumina laufen dabei in insgesamt 33 Ländern, in denen Wirecard über eigene Banklizenzen verfügt.

In rund hundert anderen Ländern der Welt sind aus Mangel an eigenen Lizenzen lokale Ansprechpartner nötig. Eine Liste der Partner oder auch deren Beiträge zum gesamten Transaktionsvolumen veröffentlichte Wirecard weiterhin nicht. Einzig die Details zur Übernahme des chinesischen Anbieters Allscore, die am Dienstag bereits bekannt wurden, fanden noch einmal Erwähnung.

Erst Anfang der Woche hatte Markus Braun, Vorstandschef und Hauptanteilseigner von Wirecard, im Interview mit dem Handelsblatt gesagt, man werde die Bedeutung von Partnernetzwerken noch besser und breiter erklären und hierzu auch zusätzliche Zahlen veröffentlichen.

60 Partner in 40 Ländern sind demnach direkt in die Plattform von Wirecard integriert. Hundert weitere Partner in 60 anderen Ländern haben den Status als sogenannte Routing Partner, arbeiten also eigenständig als Dienstleister von Wirecard.

Auch auf den Bericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG, die nach den neuerlichen Vorwürfen der „Financial Times“ mit einer Sonderprüfung der Bilanzen aus den vergangenen Jahren beauftragt wurden, müssen die Wirecard-Aktionäre warten.

War anfangs noch von einer Veröffentlichung der Ergebnisse in diesem Jahr oder Anfang des nächsten Jahres die Rede, so ist jetzt wohl erst zum Ende des ersten Quartals damit zu rechnen. Das jedenfalls stellt der Finanzbericht in Aussicht, den Wirecard am Mittwoch präsentiert hat. Dann soll der gesamte Bericht im Internet erscheinen. Mit Ausnahme von Passagen, die datenschutzrechtlich geschützt sind.

Neuigkeiten aus Singapur

Neue Informationen gibt es zu den Vorwürfen gegen die Niederlassung in Singapur, die Anfang des Jahres über die „Financial Times“ bekannt wurden. Dabei kam es zu insgesamt drei Hausdurchsuchungen durch die Aufsichtsbehörden. Hierbei musste Wirecard nach einer externen Untersuchung durch die Anwaltskanzlei Rajah & Tann Fehlbuchungen einräumen. Insgesamt handelte es sich um Beträge im mittleren einstelligen Millionenbereich und damit um weniger als ursprünglich vermutet.

Die Anleger warten ab, was bei der Sonderprüfung durch KPMG herauskommen wird. Volker Brühl, Goethe-Universität

Vorstandschef Markus Braun stellte am Mittwoch in einem Call mit Analysten in Aussicht, dass die Probleme an dem für Wirecard wichtigen Finanzplatz in Singapur wohl in absehbarer Zeit vom Tisch sein dürften. „Wir sind optimistisch, dass die Dinge in unserem Sinne gelöst werden“, so Braun. Dabei gehe er davon aus, dass sich die Ergebnisse der Behörden mit denen von Rajah & Tann decken werden.

Die Wirecard-Aktie, die seit Anfang der Woche zugelegt hatte und am Dienstag noch mit rund drei Prozent einer der größten Gewinner im Dax war, gab am Mittwoch im Tagesverlauf rund ein Prozent ab. „Das spricht dafür, dass die Anleger abwarten, was durch die Sonderprüfung durch KPMG herauskommt“, sagt Professor Volker Brühl von der Frankfurter Goethe-Universität. Sonst hätte die Aktie seiner Ansicht nach deutlich stärker zulegen müssen.

Eine Milliarde im Jahr 2020

Auf das operative Geschäft von Wirecard haben sich die negativen Nachrichten zuletzt nicht ausgewirkt. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 732 Millionen Euro.

Der Konsens der Analysten hatte mit 720 Millionen Euro gerechnet. Positiv überrascht hat auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), der sogar um 43 Prozent auf 211,1 Millionen Euro anzog. Die Analysten lagen hier im Schnitt bei 206 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr liegen die Gewinnerwartungen von Wirecard weiterhin bei 765 bis 815 Millionen Euro. Eine neue Prognose gab es am Mittwoch für das nächste Jahr. Dann soll der Gewinn erstmals die Marke von einer Milliarde Euro übersteigen. Eine Spanne von ein bis 1,12 Milliarden Euro strebt das Management dann an.

Mehr: Starke Quartalszahlen reichen nicht, um kritische Beobachter zufriedenzustellen. Es bleiben Zweifel an Wirecard, kommentiert Handelsblatt-Korrespondent Felix Holtermann.

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