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Zahlungsdienstleister Wirecard wächst weiter rasant und hebt erneut die Prognose an

Ein Drittel mehr Umsatz, 50 Prozent mehr Nettogewinn: Die jüngsten Turbulenzen gehen am Geschäft des Zahlungsdienstleisters fast spurlos vorbei. Es gibt aber auch Risiken.
Update: 07.08.2019 - 09:55 Uhr Kommentieren
Der Zahlungsdienstleister will im zweiten Halbjahr mindestens 765 Millionen Euro Gewinn machen. Quelle: dpa
Wirecard

Der Zahlungsdienstleister will im zweiten Halbjahr mindestens 765 Millionen Euro Gewinn machen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Turbulenzen der vergangenen Monate gehen am Wirecard-Geschäft praktisch spurlos vorbei: Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München wächst weiter rasant – und schraubte an diesem Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen seine Prognosen nach oben.

  • Das Transaktionsvolumen, eine der Wirecard-Kernzahlen, steigt in den ersten sechs Monaten des Jahres um mehr als 37 Prozent auf rund 77 Milliarden Euro.
  • Der Umsatz wächst um über 36 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erhöht sich um mehr als 50 Prozent auf 237 Millionen Euro.
  • Auch die Kosten steigen kräftig. Der Materialaufwand, der vor allem Gebühren an Banken und Kreditkartenfirmen beinhaltet, steigt um über 37 Prozent auf 652 Millionen Euro. Die Personalkosten steigen um mehr als 25 Prozent auf über 140 Millionen Euro.

Das fällt positiv auf

Wirecard ist weiter auf Wachstumskurs und erfüllt damit die Erwartungen seiner Investoren, die seit vielen Jahren eine stürmische Entwicklung des Konzerns gewohnt sind. Dennoch verlor die Aktie am Mittwochmorgen rund zwei Prozent. Analysten zufolge hatten sich manche Anleger ein noch stärkeres Wachstum erhofft.

Wie bereits in den vergangenen Jahren üblich, verband Konzernchef Markus Braun die Vorstellung der Zahlen mit der Verkündigung noch stärkerer Wachstumsziele. „Im ersten Halbjahr hat sich unser Wachstum beschleunigt, sodass wir äußerst optimistisch in das zweite Halbjahr blicken“, erklärte Braun. „Dementsprechend haben wir unsere Prognose 2019 sowie die Vision 2020 erhöht.“

Wirecard hat bei der Geschäftsstrategie offenbar auf das richtige Pferd gesetzt: Da immer mehr Menschen per App oder Kreditkarte bezahlen statt mit Bargeld, bewegt sich der Konzern in einer Wachstumsbranche. So gehen Schätzungen von einem weltweiten Anstieg bargeldloser Zahlungen von rund 14 Prozent pro Jahr bis 2021 aus. In Asien könnten die Zahlen sogar noch höher liegen.

Wie zum Beleg für die Zukunftsträchtigkeit der Branche vermeldete der französische Konkurrent Worldline am Mittwoch ebenfalls gesteigerte Transaktionszahlen.

Wirecard konnte im ersten Halbjahr zahlreiche Geschäftskooperationen ausbauen, so etwa mit der französischen Großbank Crédit Agricole (CA). Für deren E-Commerce-Kunden stellt Wirecard seine Software bereit, die CA unter der eigenen Marke anbietet.

Das fällt negativ auf

Wie schon im ersten Quartal 2019 wächst die Abhängigkeit Wirecards von Asien weiter, was sich angesichts der jüngsten politischen Spannungen und dem von US-Präsident Trump initiierten Handelsstreit als Belastungsfaktor erweisen könnte. Erstmals erwirtschaftet Wirecard in der Region Asien/Pazifik mehr Umsatz als in Europa, die Regionen Amerika und Afrika sind weiter zu vernachlässigen.

Auch die vielbeschworene Partnerschaft mit dem japanischen Investor Softbank, der per Wandelschuldverschreibung über 900 Millionen Euro bei Wirecard einsteigen will, schlägt sich noch nicht in der Bilanz wieder.

Zwar schreibt Wirecard: „Durch die Partnerschaft ergeben sich vielfältige Kooperationsmöglichkeiten, unter anderem in den Bereichen Digitale Finanzierung, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz.“ Die Zusammenarbeit solle sich insbesondere auf die Geschäftsfelder Telekommunikation, Transport, Endkundengeschäft und Fintechs erstrecken.

Bisher können die Aschheimer aber nur eine Neukooperation vermelden, die auf den Softbank-Deal zurückgeht: Mit „Auto1“, „Europas führender digitaler Automobilplattform“, sollen neue digitale Finanzdienstleistungen entwickelt werden.

Auch klettern die Kosten weiterhin rasant und fast ebenso schnell wie das Transaktionsvolumen und der Umsatz. Wirecard muss also einiges an Geld in die Hand nehmen, um die von den Investoren erwarteten Wachstumsraten sicherzustellen.

Was kommt

Zum Streit mit der britischen Zeitung „Financial Times“ vermeldete der Konzern keine Neuigkeiten. Wirecard vermutete, dass einzelne Journalisten mit Shortsellern zusammenarbeiten, also Akteuren, die auf einen Kursverfall der Wirecard-Aktie spekulieren. Das Thema dürfte jedoch im Analysten-Call an diesem Mittwoch um 13 Uhr angesprochen werden.

Für 2019 erwartet der Konzern einen Betriebsgewinn (Ebitda) in einer Spanne von 765 Millionen bis 815 Millionen Euro. Die zuletzt im Mai angehobenen Ziele für dieses Jahr sahen einen Anstieg auf 760 bis 810 Millionen Euro vor.

Der Umsatz für das Gesamtjahr 2020 soll auf gut 3,2 Milliarden Euro anziehen – bei einem erwarteten Transaktionsvolumen von mehr als 230 Milliarden Euro. Das angestrebte Wachstum verspricht sich Wirecard unter anderem von einer Kooperation mit Aldi Süd und Aldi Nord sowie Softbank.

„Wirecard lieferte insgesamt ein solides Quartal, in dem Umsatz und Ergebnis je Aktie die Erwartungen übertreffen“, bilanzieren die Analysten der Baader-Bank. Mit einem organischen Ebitda-Wachstum von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum bestätige Wirecard Baaders These, dass das Ergebniswachstum des Jahres 2018 „kein One-Trick-Pony war, sondern der Beginn einer beschleunigten Wachstumsphase“.

Blick auf die Branche

Weltweit boomt der Markt für Zahlungsdienstleistungen wie nie zuvor. Beteiligungsgesellschaften und strategische Investoren geben Milliarden aus, um Firmen aus der Branche zu kaufen. So wurde vor wenigen Tagen die Mehrheit des Heidelberger Anbieters Heidelpay für 600 Millionen Euro an den US-Investor KKR verkauft.

Der Kreditkartenkonzern Mastercard legte für Teile des dänischen Zahlungsabwicklers Nets 2,9 Milliarden Euro auf den Tisch. Und eine neue Finanzierungsrunde katapultierte die Bewertung des schwedischen Zahlungsanbieter-Fintechs Klarna auf rund fünf Milliarden Euro nach oben.

Mehr: Lesen Sie hier, warum Zahlungsdienstleister aktuell so gefragt sind.

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