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Zahlungsdienstleister Wirecard wächst weiter – und bereitet Investoren Kopfzerbrechen

Beim Zahlungsdienstleister Wirecard laufen die Geschäften augenscheinlich gut. Doch die Compliance-Mängel bereiten Investoren weiterhin Sorgen.
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Der Zahlungsdienstleister hat seine Gewinnprognose in diesem Jahr bereits dreimal angehoben. Quelle: dpa
Wirecard

Der Zahlungsdienstleister hat seine Gewinnprognose in diesem Jahr bereits dreimal angehoben.

(Foto: dpa)

Frankfurt Am Freitag verkündete Wirecard erneut positive Nachrichten. Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München hat einen neuen Kunden gewonnen: den Supermarktriesen Aldi (Nord und Süd). Zahlen Kunden an der Kasse mit Kredit- oder internationalen Debitkarten wie „Visa Pay“, sorgt Wirecard künftig dafür, dass das Geld bei Aldi landet.

Ausgenommen bleiben die deutlich häufigeren Zahlungen per Girocard, der früheren EC-Karte. Die Möglichkeit einer darüber hinausgehenden Kooperation werde geprüft, teilte der Konzern mit. Die Analysten der Baader Bank bezeichnen die Kooperation als „große Chance für Wirecard“ und empfehlen die Aktie zum Kauf. Nach Branchendaten bezahlen Kunden bei Aldi mehr als 1,7 Milliarden Euro im Jahr mit Visa- und Mastercard-Kreditkarten oder Debitkarten.

Die jüngste Erfolgsmeldung ist nur eine von vielen. Fast täglich verschickt Wirecards Pressestelle Mitteilungen über neue Geschäftspartner, darunter Bäckereiketten in Bayern und Luxuskaufhäuser in Schweden. Wirecard wächst und beflügelt als einer der wenigen deutschen Technologieriesen die Aktionärsfantasie. So hat sich der Umsatz seit 2013 vervierfacht. 2018 betrug er mehr als zwei Milliarden Euro, bei einem Vorsteuergewinn (Ebitda) von 560 Millionen Euro. Allein im vergangenen Jahr hat der Konzern dreimal die Gewinnprognose angehoben.

Komplexes Geschäftsmodell

Wirecards Geschäftsmodell ist komplex. Der profitabelste Bereich ist die Zahlungsabwicklung: Einzelhandelskunden wie etwa Aldi werden hier immer wichtiger, groß geworden ist Wirecard aber im E-Commerce. Die Firma übernimmt dort eine wichtige Mittlerfunktion, prüft die Kreditwürdigkeit von Kunden und garantiert deren Zahlung.

Als Makler zwischen Käufer und Händler erhält der Konzern einen Anteil des Zahlbetrags sowie Kundendaten. Kleiner ist der Bereich, der sich direkt an Endkunden richtet: Die Wirecard-Bank gibt virtuelle Prepaid-Kreditkarten heraus, mit denen Smartphonenutzer unabhängig von Banken und Telefonieanbietern bezahlen können. Darüber hinaus bieten die Aschheimer ihre Banklizenz Start-ups als Plattform an und übernehmen auf Händlerwunsch die Abrechnung von Kreditkartenumsätzen. Fast unbedeutend ist der defizitäre Callcenter-Bereich.

Schwierig für Außenstehende: Bei vielen Angeboten der Firma steht nicht Wirecard drauf. Und in manchen Geschäftsfeldern steckt noch nicht einmal Wirecard drin. So stammen mehr als die Hälfte aller Transaktionen, die Wirecard in der Bilanz verbucht, aus Regionen, in denen der Konzern keine lokalen Lizenzen hält: etwa den USA, Lateinamerika und Asien.

Dort arbeitet er mit Partnerfirmen zusammen, die die Transaktionen für Wirecard abwickeln. Große Hoffnungen setzt der Konzern in die beschlossene Zusammenarbeit mit dem japanischen Technologieriesen Softbank, der per Wandelschuldverschreibung in Höhe von 900 Millionen Euro bei Wirecard eingestiegen ist und den Konzern mit seinem Portfolio an Digitalunternehmen vernetzen soll.

Dubiose Buchungen in Singapur

Trotz der positiven Aussichten bereitet kritischen Investoren und Beobachtern vor allem eine Baustelle Kopfzerbrechen: Wirecards Compliance-Mängel. So hat der Konzern dubiose Buchungen in Singapur eingestanden und die laut eigenen Angaben inzwischen beendete Zahlungsabwicklung für betrügerische Trading-Seiten.

Die interne Aufsicht hat mit dem rasanten Wachstum in der Vergangenheit ganz offenbar nicht Schritt gehalten. Auch die Kommunikation bei Verfehlungen und Problemen wird von Investoren immer wieder kritisiert. „Wir sind ein Wachstumsunternehmen und machen Fehler. Auch ich“, räumte Vorstandschef Markus Braun vor Kurzem ein. Klar ist: Seit dem Aufstieg in den Dax darf der junge Konzern keine Nachsicht mehr erwarten.

Mehr: Neuer Streit um den Zahlungsdienstleister: Die „Financial Times“ wehrt sich gegen schwere Anschuldigungen, die Wirecard in einem Brief erhoben hat. Im Zentrum steht eine ominöse Tonaufzeichnung.

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