Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Zahlungsdienstleister Wirecards Kurseinbruch wird zum Fall der Staatsanwaltschaft

Die Wirecard-Aktie ist um 25 Prozent eingebrochen, 2,7 Milliarden Euro an Kapital wurden vernichtet. Nun gehen Behörden dem Verdacht der Kursmanipulation nach.
Kommentieren
Die Aktie des Dax-Neulings war am Mittwoch massiv eingebrochen. Quelle: Bloomberg
Wirecard-Chef Markus Braun

Die Aktie des Dax-Neulings war am Mittwoch massiv eingebrochen.

(Foto: Bloomberg)

MünchenEs war die Ruhe nach dem Sturm: Nachdem unbestätigte Betrugsvorwürfe am Mittwoch einen dramatischen Kurseinbruch der Wirecard-Aktie ausgelöst hatten, beruhigte sich der Börsenhandel mit den Papieren des Dax-Neulings am Donnerstag wieder etwas.

Der Kurs des Zahlungsdienstleisters schwankte zwar noch sehr stark, bis zum Nachmittag gehörte er mit einem Plus von rund 0,4 Prozent aber zu den Gewinnern im ansonsten schwachen Dax.

Dafür ging es allerdings außerhalb der Börse hoch her. Am Donnerstag kündigte die Münchener Staatsanwaltschaft an, Vorermittlungen wegen möglicher Marktmanipulation aufzunehmen. Dabei wollen die Staatsanwälte mit der Börsenaufsicht Bafin zusammenarbeiten.

Auch die Bonner Behörde verkündete, den Fall routinemäßig untersuchen zu wollen. Immerhin waren am Mittwoch innerhalb von wenigen Stunden bis zu 2,7 Milliarden Euro an Kapital vernichtet worden.

Auslöser war ein Artikel in der Londoner Wirtschaftszeitung „Financial Times“. Diese hatte am Mittwoch gemeldet, dass Edo Kurniawan, der für das Rechnungswesen verantwortliche Leiter im asiatisch-pazifischen Raum, im vergangenen Jahr verdächtigt worden sei, Transaktionen mittels gefälschter und zurückdatierter Verträge verschleiert zu haben.

Dabei berief sich das Blatt auf eine interne Präsentation mit dem Titel „Project Tiger Summary“ vom 7. Mai 2018, in der angeblich mögliche Verstöße wie Fälschung und Geldwäsche beschrieben worden sind.

Wirecard hatte den Artikel am Mittwoch in einer ersten Stellungnahme als falsch, ungenau, irreführend und diffamierend bezeichnet. „Dieser Artikel hat keine Substanz und ist völlig bedeutungslos“, hieß es wörtlich. Am Donnerstag legte das Unternehmen aus Aschheim bei München, das im September in den Dax aufgestiegen war, mit deutlichen Worten nach. Und griff dabei Dan McCrum, den Autor des Artikels, an.

Ein „diffamierender“ Bericht

„Es ist ein ungenauer, irreführender und diffamierender Medienbericht von Dan McCrum (Financial Times) über Wirecard veröffentlicht worden“, hieß es. Und weiter: „Der Journalist hat offensichtlich falsche Informationen verwendet und auch in der Vergangenheit mehrfach irreführende Artikel veröffentlicht, beispielsweise 2016.“ Auf eine Anfrage sagte eine Sprecherin der „Financial Times“ dazu: „Wir stehen zu unserer Geschichte und der Integrität unserer Berichterstattung.“

Tatsächlich war es am Mittwoch das dritte Mal, dass der Autor mit einem kritischen Artikel für einen Kurseinbruch bei Wirecard sorgte. Im Jahr 2015 war der Blog „House of Wirecard“ dafür verantwortlich. Ein Jahr später wurde von ihm die kritische Analyse des bis dato unbekannten Researchdienstes Zatarra aufgegriffen, was den Börsenwert kurzzeitig um 1,3 Milliarden Euro sinken ließ.

Im Dezember 2018 hatte die Staatsanwaltschaft München deshalb gegen einen Verantwortlichen von Zatarra Anklage wegen Marktmanipulation erhoben. Die Ermittler vermuten einen kriminellen Hintergrund, ein Urteil könnte es in diesem Jahr noch geben. Es wäre das erste, das gegen einen Angreifer von Wirecard gefällt werden würde.

Im jüngsten Fall hat sich Wirecard am Mittwoch selbst an die Staatsanwaltschaft gewandt – mit der Bitte um Aufklärung. Wie schon in vorherigen Fällen hat der Zahlungsdienstleister auch diesmal den Behörden seine Unterstützung angeboten. Wirecard-Chef Markus Braun wollte sich am Donnerstag auf Anfrage nicht zu dem Vorfall äußern. Das hatte er auch in früheren Fällen so gehandhabt.

Stattdessen verwies das Unternehmen darauf, dass vor der Veröffentlichung des aktuellen Artikels vermehrt Short-Aktivitäten – also Wetten auf Aktienkursverluste – stattgefunden hätten. Der Bundesanzeiger listet hierzu die Mitteilung einer Netto-Leerverkaufsposition des Hedgefonds Odey Asset Management aus London in Höhe von 0,56 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals auf.

Eine Aktie für Wetten

In der Vergangenheit wurde auch schon mal ein Anteil im niedrigen zweistelligen Prozentbereich an Wirecard-Aktien für Wetten gegen das Unternehmen genutzt.

Dabei leihen sich spekulative Investoren die Aktien gegen eine Gebühr, verkaufen sie anschließend und hoffen, dass der Kurs fällt, um sie dann wieder dem Verleiher zurückgeben zu können. Je tiefer der Kurs in der Zwischenzeit gefallen ist, umso günstiger kauft der Spekulant ein und umso höher ist letztlich sein Gewinn.

Am Kapitalmarkt fielen die Reaktionen der Analysten eindeutig aus – zumal sie diese Art von Angriffen bei Wirecard gewohnt sind. Seit mehr als einem Jahrzehnt kommen sie in unregelmäßigen Abständen immer wieder vor. Heike Pauls von der Commerzbank fand deutliche Worte, sie sprach von „weiteren Fake News eines Journalisten, der Wirecard quasi in Serie angreift“.

Ein gewisses Schema in den Angriffen meint auch Robin Brass vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser zu erkennen. War das Unternehmen doch in den vergangenen Jahren immer wieder das Ziel von Angriffen, die den Kurs einbrechen ließen.

Harald Schnitzer von der DZ Bank hält es gar für möglich, dass Vorstandschef und Großaktionär Markus Braun nun weiter Aktien zukauft. Nach einem Angriff vor rund einem Jahr hatte er in zwei Tranchen jeweils Aktien in Millionenhöhe geordert.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Zahlungsdienstleister - Wirecards Kurseinbruch wird zum Fall der Staatsanwaltschaft

0 Kommentare zu "Zahlungsdienstleister: Wirecards Kurseinbruch wird zum Fall der Staatsanwaltschaft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.