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Zahlungsverkehr Die Deutschen kaufen immer mehr im Internet ein – und geben sich beim Bezahlen ganz traditionell

Am häufigsten begleichen die Deutschen ihre Onlineeinkäufe nach wie vor per Rechnung, wie eine Studie zeigt. Das mag umständlich sein, hat aber gute Gründe.
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Einkaufen im Netz wird immer beliebter – doch bezahlt wird am liebsten per Rechnung. Quelle: Reuters
Frau mit Smartphone

Einkaufen im Netz wird immer beliebter – doch bezahlt wird am liebsten per Rechnung.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Onlinehandel wächst rasant und dürfte künftig noch viel wichtiger werden. Doch wenn es um das Bezahlen geht, zeigen sich die deutschen Verbraucher traditionell. Die Deutschen haben im vergangenen Jahr 27,9 Prozent ihrer Onlineeinkäufe – gemessen am Umsatz – per Rechnung beglichen, zeigt die Studie des Handelsforschungsinstituts EHI.

Dabei man muss schon genau auf die Nachkommastellen schauen, um eine Veränderung zu sehen. 2017 lag der Anteil der Rechnungskäufe bei genau 28 Prozent. Das EHI hat im März und April 111 Onlinehändler verschiedener Größe befragt. Sie kommen zusammen auf einen Nettoumsatz von gut 21 Milliarden Euro.

Am zweitbeliebtesten ist der Onlinebezahldienst Paypal, der auf einen Umsatzanteil von 20,5 Prozent kommt – etwas mehr als ein Jahr zuvor. Dahinter rangiert das Lastschriftverfahren, dessen Anteil leicht auf 19,7 Prozent sinkt und damit von Platz zwei auf Platz drei rutscht.

Dabei mag der Rechnungskauf komplizierter sein, weil man sich später noch extra um die Überweisung kümmern muss. Dennoch hat er aus Verbrauchersicht einen klaren Nutzen. Schließlich müssen Kunden erst nach Erhalt der Sendung zahlen. „Das gibt ihnen die Möglichkeit zu prüfen, ob ihnen die Ware gefällt, und so müssen sie nicht in Vorleistung treten“, erklärt EHI-Expertin Caroline Coelsch die Beliebtheit dieser Bezahlart.

Das sieht auch Achim Wetter von GS1 so – das Unternehmen ist ein Dienstleister für Standardisierungen und arbeitet unter anderem für den Handel: „Da am Ende nur der Teil der Bestellung bezahlt werden muss, den der Kunde auch wirklich behält, wird das eigene verfügbare Monatsbudget geschont. Gerade für Kunden mit einem kleineren Monatseinkommen kann das eine wichtige Rolle spielen“, erklärt er.

Der Rechnungskauf hat noch einen Vorteil für Verbraucher. Sie müssen nicht mit Änderungen wegen neuer EU-Vorgaben rechnen. Dabei geht es um die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie, kurz PSD2. Sie soll den Zahlungsverkehr für Verbraucher in der Europäischen Union sicherer und bequemer machen. Doch in bestimmten Fällen wird es dadurch auch umständlicher.

Ab Mitte September gilt für einige Bezahlarten die sogenannte starke Kundenauthentifizierung. Diese wird auch als Zwei-Faktor-Authentifizierung bezeichnet, weil Kunden dabei in der Regel zwei von drei Faktoren aus den Kategorien Wissen, Besitz und Inhärenz vorweisen müssen.

Ein solches Verfahren greift dann auch bei Kreditkartenzahlungen – sofern keine Ausnahmeregelungen greifen. Es reicht dann nicht mehr aus, wenn Kunden im Online-Shop ihre Kreditkartennummer, das Ablaufdatum und die Prüfziffern der Kreditkarte angeben. Zusätzlich zur Kartennummer wird künftig ein weiterer Faktor verlangt – Kunden müssen dann zum Beispiel eine TAN eingeben oder die Zahlung per Fingerabdruck auf dem Smartphone bestätigen.

Auch Zahlungen per Paypal dürften davon betroffen sein. Was genau das für Paypal-Nutzer bedeutet und wie Paypal mit den neuen Anforderungen umgeht, ist aber noch nicht klar. Das US-Unternehmen hat sich dazu noch nicht geäußert. Es zählt allein in Deutschland rund 23 Millionen Nutzer.

Ähnliches gilt für den Bezahldienst deutscher Banken und Sparkassen, Paydirekt. Eigentlich war erwartet worden, dass sich die deutsche Finanzaufsicht Bafin dazu längst äußert. Sie hat bisher aber nur klargestellt, dass die Lastschrift in der Regel keine starke Kundenauthentifizierung benötigt. Das ist laut Bafin bei einer Lastschrift nur dann notwendig, wenn die Bank des Zahlers bei der Erteilung des Lastschriftmandats eingebunden ist – was in Deutschland in der Praxis jedoch kaum vorkommt.

Für Paydirekt ist die EHI-Studie erneut ernüchternd. Denn Paydirekt kommt als eigne Zahlungsart in der Auswertung gar nicht vor. Wohl aber Wettbewerber wie Sofortüberweisung des schwedischen Zahlungsdienstleisters Klarna. Dabei verliert Sofortüberweisung: Der Umsatzanteil sinkt von 2,5 Prozent auf 1,9 Prozent. Zu Transaktionszahlen äußerte Klarna sich auf Anfrage nicht. Ein Sprecher sagte nur, dass die Zahl der Nutzer gestiegen sei.

Deutlich zulegen kann dagegen der Ratenkauf. Der Anteil steigt von vier Prozent auf 5,4 Prozent. Das passt zur allgemeinen Zunahme von Ratenkrediten, Verbraucher finanzieren also mehr auf Pump. Das Volumen an Konsumentenkrediten ist in Deutschland binnen drei Jahren bis Ende 2018 um elf Prozent auf 195 Milliarden Euro gestiegen.

Auffällig in der EHI-Umfrage ist auch, dass bisher nur wenige Händler Apple Pay als mobile Bezahlart im Onlineshop anbieten. Der Bezahldienst von Apple, Apple Pay, ist Ende 2018 in Deutschland gestartet – mit Vorschusslorbeeren. Schließlich hatten viele iPhone-Fans Apple Pay herbeigesehnt. Bezahlen können sie mit Apple Pay an der Ladenkasse oder beim Online-Einkauf – mobil oder am PC. Zu Nutzerzahlen ist noch nichts bekannt.

Doch eines zeichnet sich ab: Als Bezahlart beim Online-Shopping kommt Apple Pay vorerst nicht zum Zug. Demnach hat nur einer von 39 Onlinehändlern, die am qualitativen Teil der EHI-Umfrage teilnahmen, Apple Pay als mobile Bezahlmethode eingebunden – und das, obwohl rund 80 Prozent der Händler das Einkaufen und Bezahlen per Smartphone künftig „von großer Bedeutung“ sehen.

Es ist damit der Trend im Zahlungsverkehr, der die Branche am meisten bewegt. Apple selbst gibt keine Zahlen zu Nutzern oder Händlern für einzelne Länder bekannt, wie ein Apple-Sprecher auf Anfrage mitteilte.

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