Zehn Jahre Finanzkrise Warum Schweizer Banken immer zu groß zum Scheitern sind

Zehn Jahre nach der Finanzkrise zieht die Schweizerische Nationalbank Bilanz: Die Regulierung der Großbanken ist vorangekommen – aber lange nicht am Ziel.
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„Wir sind überzeugt, dass die Schweizer Großbanken und das Schweizer Bankensystem heute deutlich wetterfester sind als vor zehn Jahren“, sagt ein Zentralbanker. Quelle: dpa
Credit Suisse

„Wir sind überzeugt, dass die Schweizer Großbanken und das Schweizer Bankensystem heute deutlich wetterfester sind als vor zehn Jahren“, sagt ein Zentralbanker.

(Foto: dpa)

ZürichAls vor zehn Jahren die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers in Schieflage geriet, trafen die Schockwellen der Pleite auch die Schweiz. Der Staat musste die Großbank UBS mit Steuergeldern retten. Die Bilanz der UBS war so riesig, dass eine Pleite wohl katastrophale Ansteckungseffekte für die Wirtschaft des gesamten Landes gehabt hätte.

Aufseher sprechen vom „Too-Big-To-Fail-Problem“ – und versuchen seitdem, es mit einer Reihe von Maßnahmen einzuhegen. Laut der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind die großen Banken des Landes zwar noch immer zu groß zum Scheitern.

Bei der Vorsorge für den Krisenfall sei man jedoch ein großes Stück vorangekommen. „Wir sind überzeugt, dass die Schweizer Großbanken und das Schweizer Bankensystem heute deutlich wetterfester sind als vor zehn Jahren“, sagte Zentralbank-Vize Fritz Zurbrügg am Donnerstagabend an der Universität Luzern. „Noch sind wir aber nicht ganz am Ziel.“ Erst die vollständige Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen schaffe die Voraussetzungen dafür, das Too-Big-To-Fail-Problem zu lösen.

Die Schweiz hatte der UBS im Jahr 2008 eine Kapitalspritze über rund sechs Milliarden Franken gewährt. Zudem erklärte sich die Nationalbank bereit, der UBS notfalls Schrottpapiere im Wert von bis zu 60 Milliarden US-Dollar abzunehmen – das entsprach rund zehn Prozent der schweizerischen Wirtschaftsleistung. Die UBS zahlte die Hilfen zwar zurück, doch der Bundesrat hielt später fest, dass die Rettung mit „beträchtlichen Risiken für den Steuerzahler“ verbunden war. Die Rettung galt als Sündenfall, der sich nicht wiederholen soll.

Dabei bleibt das Grundproblem bestehen: Zwar haben die großen schweizerischen Banken ihre Bilanzen eingedampft, doch sie bleiben Schwergewichte.

Laut Notenbank-Vize Zurbrügg weisen die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse (CS) aufgrund ihrer internationalen Tätigkeit im Verhältnis zur schweizerischen Wirtschaftsleistung „sehr große Bilanzen“ auf. Ihre Vermögenswerte entsprechen zusammengenommen mehr als 250 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zugleich spielen die beiden Großbanken bei der Vergabe von Krediten, dem Einlagengeschäft und im Zahlungsverkehr eine wichtige Rolle.

Doch das Too-Big-To-Fail-Problem beschränkt sich nicht auf die privaten Banken. Auch die schweizerische Postfinance, die Raiffeisen und die Zürcher Kantonalbank gelten als systemrelevant. Gemessen am internationalen Vergleich fielen ihre Bilanzen sehr hoch aus, so Zurbrügg.

Umso wichtiger ist aus Sicht der SNB die wirksame Regulierung der Institute. So setzte die Schweiz nicht nur die internationalen Vorschriften für Banken um, die vom Basler Bankenausschuss und dem Financial Stability Board (FSB) beschlossen wurden, sondern erließ auch eigene Gesetze.

Die Regeln zielen darauf ab, dass Banken mehr Eigenkapital und Liquidität vorhalten, um eine Schieflage zu verhindern. Gelingt das nicht, sollen die Institute im Krisenfall ordentlich abgewickelt werden. „Auch eine systemrelevante Bank soll ordentlich aus dem Markt ausscheiden können“, sagte Zurbrügg.

In seiner Rede pochte der Notenbanker darauf, dass die Institute entsprechende Pläne bis Ende 2019 ausarbeiten. Doch auch die Finanzaufsicht Finma sei gefordert: Sie müsse sicherstellen, dass die Institute über genügend Liquidität verfügen, um ihre Auflösung tatsächlich umzusetzen. Zudem müsse nicht nur die Bank als Ganzes, sondern auch jede Geschäftseinheit der Großbanken in der Lage sein, Verluste tragen zu können.

Schließlich müssten die Banken ihre internen und operationellen Abhängigkeiten reduzieren. Nur durch die vollständige Umsetzung der Regeln würden Fehlanreize reduziert, so der Notenbanker. Sein Fazit: „Der Staat darf in Zukunft nicht mehr gezwungen werden, eine Bank mit staatlichen Mitteln zu retten.“ Ob das funktioniert, dürfte sich spätestens bei der nächsten Finanzkrise zeigen.

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