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Zehntausende Jobs vor Abbau Neuanfang für die Deutsche Bank: Christian Sewings harter Sanierungsplan

Der Bankchef will bis zu 20.000 Jobs abbauen und den Vorstand verkleinern. Der Aufsichtsrat könnte über die Pläne noch in dieser Woche abstimmen.
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Deutsche Bank: Christian Sewing mit hartem Sanierungsplan Quelle: dpa
Christian Sewing

Der Vorstandsvorsitzende will die Bank umbauen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank Ende Mai hatte Vorstandschef Christian Sewing den leidgeprüften Aktionären einen radikalen Umbau des größten heimischen Geldhauses versprochen. Über die „tiefen Einschnitte“, von denen Sewing damals sprach, könnte der Aufsichtsrat nach Handelsblatt-Informationen bereits in dieser Woche entscheiden.

Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass für die nächsten Tage eine Sitzung des Kontrollgremiums geplant ist – auch wenn derzeit noch nicht sicher sei, ob bis dahin schon alle Aspekte der komplexen Umbaupläne entscheidungsreif sind. Klar ist: Die Deutsche Bank steht kurz vor dem größten Umbruch ihrer jüngeren Geschichte.

Und vor dem größten Stellenabbau ihrer Historie. Denn der Umbau trifft vor allem die Mitarbeiter. Insidern zufolge wird die Sanierung zwischen 15.000 und 20.000 Stellen kosten, ein Fünftel der Belegschaft von zuletzt rund 91.500 Mitarbeitern. Der Schrumpfkurs dürfte die Unternehmens- und Investmentbank, in der aktuell gut 17.000 Menschen beschäftigt sind, besonders treffen. Aber auch in anderen Bereichen, wie der Infrastruktur der Bank, dürften viele Jobs wegfallen.

Der Abbau werde wohl über mehrere Jahre gestreckt. So ließen sich auch die Kosten für Abfindungen, Vorruhestandslösungen und Sozialpläne kapitalschonend verteilen. Im vergangenen Jahr hatte die Bank bereits 7000 Stellen gestrichen, und erst am Freitag wurde bekannt, dass die Integration der Bonner Tochter Postbank noch einmal knapp 2000 Mitarbeitern den Job kosten dürfte.

Abkehr vom Investmentbanking

Kernpunkt von Sewings Projekt ist die Umstrukturierung der Investmentbank und eben der dahinterstehenden Infrastrukturbereiche. Außerhalb Europas will das Institut seine Aktienhandels- und Zinshandelsgeschäfte deutlich schrumpfen oder sogar komplett schließen.

So wollen Sewing und seine Vorstandskollegen laut Insidern den US-Aktienhandel auf ein Minimum reduzieren und auch den Handel mit Staatsanleihen zusammenstreichen. Aufseher und Großaktionäre hatten bereits seit Langem auf eine deutliche Verkleinerung der seit zwei Quartalen defizitären Investmentbank gedrängt.

Der jetzt versprochene Umbau wäre eine Zeitenwende. Die Frankfurter würden sich endgültig vom Anspruch verabschieden, in der Topliga globaler Investmentbanken mitzuspielen. Es wäre das Ende einer Strategie, die 1989 mit dem Kauf der Londoner Bank Morgan Grenfell begann.

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Lange Jahre war der Wertpapierhandel nicht nur der strategische Kern der Deutschen Bank – sondern auch ihr Erfolgsgarant. 2006, auf dem Höhepunkt des Booms, sorgten die Händler noch für Einnahmen von 13 Milliarden Euro. Die gesamte Investmentbank inklusive des Beratungsgeschäfts und einiger anderer Bereiche verdiente gut sechs Milliarden Euro vor Steuern.

Zum Vergleich: 2018 schrumpften die Einnahmen der Händler auf 7,5 Milliarden Euro. Und der Vorsteuergewinn der gesamten Investmentbank brach auf 530 Millionen Euro ein.

Bei Sewings Umbauplänen spielt auch eine Bad Bank eine Rolle, in die das Institut bis zu 50 Milliarden Euro an risikogewichteten Aktiva packen könnte, die künftig nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Dabei wird es sich voraussichtlich um lang laufende Derivate handeln. Die Auslagerungspläne beträfen etwa 14 Prozent der gesamten risikogewichteten Aktiva des Instituts.

Deutsche Bank setzt auf Transaction Banking

Als weitere Maßnahme will das Geldhaus in Zukunft viel stärker auf das sogenannte Transaction Banking setzen. In diesem Geschäftsbereich, zu dem Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung und Wertpapierdienstleistungen gehören, zählt die Deutsche Bank nach wie vor zur Weltspitze.

Auf der Hauptversammlung kürte Sewing dieses Geschäftsfeld gar zum Herzstück des Instituts. Die Sparte soll vor allem in Asien wachsen und enger mit dem Währungs-, Zins- und Kreditgeschäft verbunden werden.

Schon jetzt trägt die Transaktionsbank 30 Prozent zu den Erträgen der Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte bei. Ihre Rendite auf das materielle Eigenkapital liegt ebenso wie bei der Fondstochter DWS bei mehr als zehn Prozent. Die gesamte Investmentbank kam 2018 nur auf eine Rendite von knapp einem Prozent.

Analysten gehen seit Langem davon aus, dass der Wertpapierhandel bei der Deutschen Bank tiefrote Zahlen schreibt. Allerdings gibt es dort auch Bereiche, die die internen Rendite-Anforderungen erfüllen und an denen die Bank deshalb festhalten will. Das gilt zum Beispiel für die Währungsplattform und das Geschäft mit Unternehmensanleihen.

Wachsen will die Deutsche Bank auch in der Vermögensverwaltung. Dort sollen bis 2021 weitere 300 Manager eingestellt werden, sagte der Leiter der Sparte Wealth Management, Fabrizio Campelli, der Agentur Reuters. Die Zahl entspricht etwa einem Drittel der bisherigen Besetzung.

Vorstand könnte verkleinert werden

Insgesamt führen die Umbaupläne aber zu Stellenverlusten. Das könnte sogar den Vorstand treffen. Sewing und Kollegen diskutieren über eine Verkleinerung des Gremiums. Hinter dem Namen von Investmentbanking-Chef Garth Ritchie steht schon länger ein Fragezeichen, ebenso hinter dem seiner für Compliance zuständigen Kollegin Sylvie Matherat.

Insidern zufolge könnte Konzernchef Sewing im Vorstand zumindest vorübergehend auch die Verantwortung für die Investmentbank übernehmen. Damit würde die größte Baustelle innerhalb der Deutschen Bank endgültig zur Chefsache.

Im Gespräch sei, dass der Vizechef der Investmentbank, Mark Fedorcik, und der Leiter der Transaktionsbank, Stefan Hoops, gemeinsam die Nachfolge von Ritchie antreten. Sie würden aber nicht dem Vorstand angehören, sondern an Sewing berichten.

Wie schnell es zu einem Vorstandsumbau kommt, ist derweil nicht klar. So lege etwa die Finanzaufsicht Wert auf einen Ansprechpartner für das Thema Regulierung im Vorstand, heißt es in Finanzkreisen. Rücktrittsgerüchte ranken sich auch um Finanzvorstand James von Moltke. Aus dem Aufsichtsrat gibt es nach Informationen des Handelsblatts aber keinerlei Druck auf ihn.

Umbau ohne Kapitalerhöhung

Ziel der Bank ist es, den Umbau ohne Kapitalerhöhung zu stemmen. Ein Großaktionär schätzt die Kosten für das Projekt auf drei bis fünf Milliarden Euro. Drei Milliarden kann das Geldhaus nach Meinung des Investors aus eigener Kraft schultern. Sollten die Kosten auf fünf Milliarden steigen, käme die Bank wohl nicht um eine Kapitalerhöhung herum.

Die anvisierten Umbaupläne dürfte die Deutsche Bank auch nutzen, um sich vom Ziel einer Eigenkapitalrendite von vier Prozent zu verabschieden. Damit würde Vorstandschef Sewing nachvollziehen, was für viele Investoren längst Realität ist. Die Analysten hatten der größten deutschen Bank ohnehin nicht mehr zugetraut, ihr Versprechen zu erfüllen.

Im Schnitt rechnen die Experten für dieses Jahr mit einer Eigenkapitalrendite von 1,7 Prozent, für 2020 halten sie eine Rendite von 2,6 Prozent für möglich, und auch für 2021 sind es nur 3,4 Prozent – deutlich weniger, als Sewing bereits für Ende dieses Jahres zugesagt hatte.

Immerhin: Mitten im Umbaustress sorgte Ende vergangener Woche eine Nachricht aus den USA für große Erleichterung bei den Topmanagern der Bank. Die Frankfurter bestanden den Stresstest der US-Notenbank Fed – nachdem sie zuvor drei Mal gescheitert war. Damit dürfte der Weg für die Umstrukturierung endgültig frei sein.

Mehr: Nicht nur die Deutsche Bank baut Stellen ab. Die Zahl der Beschäftigten dürfte auch bei deutschen Banken und Sparkassen weiter sinken.

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1 Kommentar zu "Zehntausende Jobs vor Abbau: Neuanfang für die Deutsche Bank: Christian Sewings harter Sanierungsplan"

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  • Wer heute vor 12 Jahren Aktien der Deutschen Bank besaß, vielleicht als Teil seiner Altersvorsorge und seither jede Kapitalerhöhung mitfinanzierte, aus Überzeugung oder um eine Verwässerung der Anteile zu vermeiden, hat bis jetzt rund 85% seines Geldes verloren.

    In diesen 12 Jahren leistete sich die Bank unabhängig der riesigen Milliardenverluste aufgrund der windigen Geschäfte und Betrügereien jährliche Bonuszahlungen in Milliardenhöhe. (Nur für das Jahr 2016 erfolgte eine deutliche Kürzung)
    Es ist gut, dass mit Hr. Sewing jetzt endlich ein CEO die Kraft und den Mut zeigt, diese Bank zu transformieren und wiederaufzurichten. Bezahlt haben bisher die Verlierer, die Aktionäre über ihre Kapitalerhöhungen.

    Und die Verhinderer der Sanierung, die vom bisherigen System ungerecht profitierten, werden sich melden, wehren und klagen. Sozialpläne wird es geben, aber nicht für die Aktionäre. Ihnen bleib das Wertpapier.
    Es gibt aber auch Gewinner. Leerverkäufer, die Geld auf Kosten jener häufen, die es verlieren, also der Aktionäre der Deutschen Bank.

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