Zinswetten Salzburg hat die Deutsche Bank im Visier

Salzburg hat über Jahre hinweg riskante Derivategeschäfte abgeschlossen, auch mit der Deutschen Bank. Nun sollen Rechtsexperten prüfen, ob dabei von Seiten des Geldinstituts die notwendige Sorgfalt eingehalten wurde.
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Die Zentrale der Deutschen Bank spiegelt sich in Frankfurt in einem Marmorboden. Quelle: dapd

Die Zentrale der Deutschen Bank spiegelt sich in Frankfurt in einem Marmorboden.

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WienDer Deutschen Bank droht Ärger aus Österreich. In der Salzburger Spekulationsaffäre wolle das Land nun Forderungen gegenüber Banken prüfen und suche dafür Anwaltskanzleien in Österreich und Deutschland, teilte die Landesregierung am Dienstag mit. Im Visier hat Salzburg dabei unter anderem die Deutsche Bank, die über Jahre hinweg Geschäfte mit dem Bundesland gemacht hat.

Salzburg hatte über Jahre hinweg riskante Derivategeschäfte abgeschlossen und damit ein milliardenschweres Portfolio angehäuft, das nun mühsam abgebaut werden muss. Anders als noch im vergangenen Jahr befürchtet, war dem Steuerzahler daraus aber kein Verlust von 340 Millionen Euro entstanden, sondern ein Gewinn.

Ob das Land gegen die mehr als ein Dutzend involvierten Banken vor Gericht ziehen will, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher. "Von Klagen sind wir noch weit entfernt. Es gibt ja auch die Möglichkeit, dass man sich vorab einigt oder vergleicht."

Die Rechtsexperten sollten die Finanzgeschäfte Salzburgs mit den Banken nun daraufhin überprüfen, "ob die notwendige Sorgfalt eingehalten wurde, ob entsprechend informiert wurde über die Risiken und ob es Produkte waren, die für die öffentliche Hand mit einem zu hohen Risiko behaftet waren", sagte der Sprecher.

Die Deutsche Bank betonte, die Transaktionen seien im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen und den Richtlinien der Bank erfolgt. Am Dienstag mussten drei Mitarbeiter des Instituts vor dem Salzburger Untersuchungsausschuss aussagen, der die Affäre aufklären soll.

Riskante Zinswetten gegen Städte und Kommunen haben das Institut und andere Investmentbanken bereits in Italien in die Schlagzeilen gebracht. Auch in Deutschland wollten Kommunen mit riskanten Zinsswaps - Wetten auf die künftige Zinsentwicklung - ihre Zinslast senken und häuften stattdessen Verluste an.

In Salzburg hatte die Affäre zum Aus für die rot-schwarze Koalition geführt. Am 5. Mai finden nun Neuwahlen statt.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Zinswetten: Salzburg hat die Deutsche Bank im Visier"

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  • Das liest sich so ganz nett, die Banken machen Geschäfte,
    die Kunden werden übers Ohr gehauen, und nur diejenigen,
    die Klagen, haben ein Recht auf Entschädigung. Jedoch
    möchte ich mal an die Seite der "Investoren" die Frage
    stellen, ob sie denn keine Verantwortung haben ? Wenn
    statt Gewinnen doch auch Verluste herauskommen - einfach
    klagen (bei zufriedenstellenden Gewinnen stillschweigen)?
    Politik, Behörden und öffentlicher Dienst sind in finanz-
    iellen Dingen oft Laien, wie Lischen Müller auch. Aber
    der Einkauf der professionellen Beratung geht i.d.R.
    zu Lasten öffentlicher Kassen und die Verantwortung soll
    einfach abgeschoben werden ? Wofür bekommen die
    Verantwortlichen überhaupt ihr Geld ? Gilt die Moral
    mit der Gier nur für Banker ? Als vor Jahren schon in
    D diese unübersichtlichen Cross-border-Leasing Geschäfte
    eingefädelt wurden und herauskam, dass fast niemand die
    Bedingungen dieser Geschäfte versteht, da war das Entsetzen gross !! Konsequenzen Fehlanzeige ..., man
    lässt sich weiterhin von den Verkäufern der Gegenseite
    beraten. Auch die Bundesregierung von der Deutschen Bank.
    Also bitte, nur maulen, wenn ganz offensichtlich mit
    grob falschen Aussagen gezielt betrogen wurde.

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