Zu hohe Dividenden Euro-Banken haben Geld verprasst

Geldhäuser der Euro-Zone sollten laut Dachorganisation BIZ mehr auf ihre Gewinnreserven achten. Dann würde mehr Geld für Kredite zur Verfügung stehen. Vor allem in drei Ländern wurden zu hohe Dividenden gezahlt.
Banken-Skyline in Frankfurt:  Auch die Deutsche Bank habe in den vergangenen zu hohe Dividenden ausgeschüttet, rechnet die Dachorganisation BIZ vor. Quelle: Reuters
Frankfurt

Banken-Skyline in Frankfurt: Auch die Deutsche Bank habe in den vergangenen zu hohe Dividenden ausgeschüttet, rechnet die Dachorganisation BIZ vor.

(Foto: Reuters)

FrankfurtBanken im Euroraum haben ihre Kapitalbasis durch die Ausschüttung von erheblichen Dividenden während der Krisenjahre geschwächt. Das gilt insbesondere für Frankreich, Spanien und Italien, wo die Ausschüttungen nach Auffassung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) seit 2007 das Niveau der einbehaltenen Gewinne überschritten haben.

Diese Gelder hätten stattdessen dazu beitragen können, die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu steigern, sagte Hyun Song Shin, Leiter Analyse bei der „Zentralbank der Zentralbanken“ in Basel, am Donnerstag laut Text einer Rede in Frankfurt. Höhere Eigenkapitalquoten senken die Finanzierungskosten der Banken, sodass mehr Geld für Kredite zur Verfügung steht, argumentiert eine Studie, die Shin in Frankfurt vorstellte.

„Banken haben erhebliche Bardividenden gezahlt, selbst in jenen Regionen, wo die Bankkredite nicht ausreichend waren, um die Erholung zu unterstützen“, sagte Shin in der Rede. „Das sollten die Zentralbanker bei ihrer Geldpolitik beachten, gleiches gilt für ihr Finanzstabilitäts-Mandat.“

Banker und einige Währungshüter plädieren für eine flexible Handhabung der strengen Kapitalanforderungen und aufsichtsrechtlichen Vorschriften, die nach der Finanzkrise vereinbart wurden. Stattdessen solle man sich darauf konzentrieren, die Konjunktur in Europa in Schwung zu bringen. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, der bei der BIZ in Basel angesiedelt ist, warnte diese Woche vor „kurzsichtigen“ Forderungen nach einer Lockerung der aufsichtsrechtlichen Standards.

Die 90 Euroraum-Banken in der Studie von Shin, darunter Deutsche Bank, BNP Paribas, Unicredit und Banco Santander, haben im Zeitraum von 2007 bis 2014 kumulierte Dividenden von 196 Milliarden Euro gezahlt, berichtete Shin. Die einbehaltenen Gewinne, also die Summe aller Bankengewinne, die nicht ausgeschüttet wurden, beliefen sich 2014 auf 261 Milliarden Euro und waren in den sieben Jahren fast unverändert.

Das sind die besten Dividendenzahler
Platz 11: Hornbach Holding
1 von 11

Seit 25 Jahren hat die Hornbach Holding AG die Dividende nicht gesenkt. Das durchschnittliche jährliche Dividendenwachstum der Dachgesellschaft für die operativ tätigen Gesellschaften Hornbach-Baumarkt-AG, Hornbach Immobilien AG und Hornbach Baustoff Union GmbH beträgt aktuell 3,9 Prozent.

Platz 10: Rheinland Holding
2 von 11

Die Rheinland Holding schafft es in der Studie auf Platz 10. Ihr durchschnittliches Dividendenwachstum beträgt 4,4 Prozent pro Jahr. Die Rheinland Holding AG betreibt selbst kein eigenes Versicherungsgeschäft, sondern bildet die Dachgesellschaft für drei Versicherungszweige, die sich auf unterschiedliche Vertriebswege, Produkte und Zielgruppen spezialisieren.

Platz 9: Mainova
3 von 11

Die Mainova AG gehört zu den größten regionalen Energieversorgern in Deutschland. Im Ranking schafft sie es mit einem durchschnittlichen Dividendenwachstum von 5,1 Prozent pro Jahr auf Platz 9.

Platz 8: Paul Hartmann
4 von 11

Die Paul Hartmann AG produziert und vertreibt Medizin- und Pflegeprodukte. Ihre Dividende wächst pro Jahr durchschnittlich um 6,8 Prozent.

Platz 7: Beiersdorf
5 von 11

Das durchschnittliche jährliche Wachstum der Dividende der Beiersdorf AG beträgt acht Prozent. Das reicht in der Studie für den siebten Platz. Zu der Beiersdorf AG gehören unter anderem Marken wie Nivea, Labello, Tesa und Hansaplast.

Platz 6: Siemens
6 von 11

Siemens verpasst knapp die Top Fünf im Ranking. Mit 8,6 Prozent durchschnittlichem Dividendenwachstum pro Jahr gibt es für den Technologiekonzern nur Platz sechs.

Platz 5: Gelsenwasser
7 von 11

Die Gelsenwasser AG ist eines der größten Trinkwasserversorgungsunternehmen Deutschlands. Ihr durchschnittliches jährliches Dividendenwachstum beträgt 8,9 Prozent.

 „Das bedeutet, dass die einbehaltenen Gewinne jener Banken 2014 um 75 Prozent höher gewesen wären, wenn die Banken beschlossen hätten, die Gewinne wieder ihrem eigenen Kapital zuzuführen statt sie als Dividende auszuschütten“, erklärte Shin. „Bei der Untergruppe von Banken aus Spanien, Frankreich und Italien wären die einbehaltenen Gewinne dann mehr als doppelt so hoch wie Ende 2014 gewesen.“

Die Analyse zeigt auch, dass ein Anstieg von einem Prozentpunkt im Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme einer Bank mit einer Senkung der Finanzierungskosten des Kreditinstituts um vier Basispunkte verbunden ist. Es hat auch einen Anstieg von 0,6 Prozentpunkten beim Kreditwachstum zur Folge, sagte Shin.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel wurde 1930 gegründet. Unter anderem spielt sie bei der Verwaltung der weltweiten Devisenreserven und Goldbestände der Zentralbanken eine wichtige Rolle.

  • Bloomberg
Startseite

Mehr zu: Zu hohe Dividenden - Euro-Banken haben Geld verprasst

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%