Blick auf den Zürichsee

Landschaftsschützer kritisieren das geplante Projekt der Zürcher Kantonalbank.

(Foto: dpa)

Zürcher Kantonalbank Ein ganz besonderes Geschenk für Zürich

Auf der Suche nach einem ausgefallenen Geburtstagspräsent? Die Zürcher Kantonalbank hätte da was: Sie will ihr 150. Jubiläum mit einer neuen Seilbahn über den Zürichsee feiern. Doch nicht alle sind davon begeistert.
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ZürichBesondere Jubiläen erfordern besondere Geschenke – aber was die Zürcher Kantonalbank zu ihrem 150. Geburtstag plant, fällt dann doch etwas aus dem Rahmen: Das Schweizer Institut, das rund 5000 Mitarbeiter beschäftigt, plant die Errichtung einer 1,3 Kilometer langen Seilbahn über den Zürichsee.

Das öffentlich-rechtliche Institut stellte jetzt die Route für die Seilbahn vor, die fünf Jahre in Betrieb bleiben und dann wieder abgebaut werden soll. Pünktlich zum Jubiläumsjahr 2020 soll die erste Gondel abheben – doch nicht alle Zürcher sind davon begeistert.

Die Pläne für die Jubiläumsbahn hatte die Kantonalbank erstmals im vergangenen Sommer publik gemacht. Nun werden die sie konkreter: Die Bahn soll vom Strandbad Mythenquai am linken Seeufer zur Blatterwiese am rechten Seeufer führen. „Ich freue mich, dass wir nach einer umfassenden Evaluation zu einer optimalen Lösung zur Platzierung der Seilbahnstationen und der Masten gekommen sind“, sagt ZKB-Chef Martin Scholl.

Eine Seilbahn als Geburtstagsgeschenk – das klingt selbst für das noble Zürich ziemlich extravagant. Projektleiter Dominique Friedli verteidigt die Pläne im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Dazu muss man wissen, dass es in Zürich schon zweimal ähnliche Seilbahnen gegeben hat, die über den Zürichsee führten.“

1939 zur Landesausstellung und 1959 zur Gartenbauausstellung habe es vergleichbare Bahnen gegeben. Die „Züribahn“ sei aber nicht nur ein Tribut an die Vergangenheit, sondern auch ein Blick in die Zukunft. Die Bank wolle dazu anregen, über Verkehrsfragen nachzudenken: „Seilbahnen können für den städtischen Verkehr eine große Rolle spielen.“

Doch es gibt auch Kritiker. Der Landschaftsschützer Raimund Rodewald nannte die Aktion einen „unnötigen Werbe-Gag“ und warnte vor „Disneyland-Charakter“ am Zürichsee. Projektleiter Friedli nimmt die Bedenken ernst: „Wir stehen bei der Planung im engen Austausch mit den Interessengruppen.“

So sollen die Masten für die Bahn etwa so errichtet werden, dass sie sich möglichst gut ins Landschaftsbild eingliedern. Schweizerische Ingenieurskunst macht’s möglich: Die Pfeiler sollen mit einem neuen Verfahren zehn Meter tief im Zürichsee geschraubt werden. Zudem handele es sich um einen befristeten Eingriff: „Nach fünf Jahren wird alles wieder abgebaut.“ Danach biete sich die Chance für eine „städtebauliche Aufwertung“.

Zwischen 40 und 60 Millionen Franken (34 bis 52 Millionen Euro) soll das ungewöhnliche Geburtstagsgeschenk kosten. Für die Tickets dürften zwischen 5 bis 15 Franken (4 bis 13 Euro) fällig werden. Die „Züribahn“ soll sich durch die Einnahmen selbst tragen.

„Wir sind nach eingehender Analyse zuversichtlich, dass unser Businessplan aufgehen wird“, sagt Projektleiter Friedli. „Unter Berücksichtigung der Einnahmen aus dem Betrieb ist die Seilbahn als selbsttragendes Projekt angelegt.“ Und wenn das doch nicht klappt? Sämtliche Risiken, heißt es bei der ZKB, trage die Bank. Am nötigen Kleingeld dürfte es den Kantonalbankern jedenfalls nicht mangeln: Allein im ersten Halbjahr 2017 hat die ZKB rund 420 Millionen Franken (rund 360 Millionen Euro) verdient.

Im Herbst will die Bank die Genehmigung für die Bahn beantragen – doch dass sie tatsächlich gebaut wird, ist längst nicht ausgemacht. Einsprüche könnten das Projekt verzögern oder gar ganz verhindern. „Wir tun alles Mögliche, damit unsere Dossiers genehmigt werden“, sagt Projektleiter Friedli. „Aber auf die Einsprachen haben wir keinen Einfluss. Diese müssen die Behörden prüfen.“

Dass sich die Anwohner des Zürichsees juristisch zu wehren wissen, zeigt eine Geschichte aus dem vergangenen Sommer. Ein Anwohner fühlte sich vom Signalhorn der Schiffe belästigt und klagte gegen den Krach. Fünfzig Jahre lang gaben die Kapitäne der Schifffahrtsgesellschaft beim An- und Ablegen ein Signal, doch ein Gericht setzte der Praxis ein Ende: Gehupt werden darf in Zürich nämlich nur mit Anlass.

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