Zuschlag für Cerberus HSH Nordbank wird an Finanzinvestoren verkauft

Der Deal ist perfekt: Finanzinvestoren um die Investmentgesellschaft Cerberus übernehmen die HSH Nordbank. Eine jahrelange Zitterpartie endet.
Update: 28.02.2018 - 14:02 Uhr 3 Kommentare
HSH Nordbank: Cerberus und J.C. Flowers übernehmen Landesbank Quelle: dpa
HSH Nordbank

Die Bank wird an Finanzinvestoren verkauft.

(Foto: dpa)

Kiel/DüsseldorfEine Gruppe mehrerer Finanzinvestoren um die New Yorker Investmentgesellschaft Cerberus übernimmt die HSH Nordbank. Der Vertrag sieht einen Kaufpreis von rund einer Milliarde Euro für 94,9 Prozent vor. Ein entsprechender Beschluss ist bei einer Sitzung der schleswig-holsteinischen Landesregierung und des Hamburger Senats am Mittwoch in Kiel gefallen.

Die Käufer sind Cerberus, Flowers, Golden Tree, Centaurus Capital und die österreichische Bawag-Bank, die sich mehrheitlich im Besitz von Cerberus und Golden Tree befindet. Flowers hielt bereits vor der Übernahme gut fünf Prozent an der HSH. Auch der Finanzinvestor Cerberus des New Yorker Geschäftsmannes Stephen Feinberg ist in Deutschland kein Unbekannter: Das Unternehmen ist bereits auf dem deutschen Bankenmarkt aktiv und hält fünf Prozent an der Commerzbank, drei Prozent an der Deutschen Bank sowie – über die Bawag-Beteiligung – Anteile an der Stuttgarter Südwestbank und Deutscher Ring Bausparkasse.

Die HSH Nordbank musste wegen der Finanz- und Schifffahrtskrise mit Milliardenhilfen der Länder vor dem Aus gerettet werden. Als Gegenzug für diese Staatsgelder setzte die EU eine Verkaufsfrist bis Ende Februar 2018. Danach müssen einem Deal noch beide Landesparlamente und die EU-Kommission zustimmen. Es wäre die erste Privatisierung einer deutschen Landesbank.

Daniel Günther (CDU), der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, erklärte: „Wir haben heute ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zum Verkauf der Landesanteile an der HSH Nordbank erreicht. Rückblickend bleibt festzuhalten, dass das Engagement des Landes sehr teuer für den Steuerzahler geworden ist. Das ist bitter für die Länder.“

„Ich hoffe, dass nach den Beratungen in den Landesparlamenten auch die EU-Kommission und die zuständigen Aufsichtsbehörden zügig grünes Licht für den Verkauf geben werden“, teilte der der designierte Bundesfinanzminister und Erste Bürgermeister Hamburgs, Olaf Scholz (SPD), mit. „Mit der Privatisierung können wir den Schaden für die Länder, der durch die verantwortungslose Expansionsstrategie der Bank in den Jahren 2003 bis 2008 entstanden ist, so gering wie möglich halten.“

Für die Länder endet damit ein Finanzdesaster, das sich über rund zehn Jahre seit dem Beginn der globalen Finanzkrise hinzog und von zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Fehleinschätzungen sowie Irrtümern geprägt war. Mit der Privatisierung der HSH Nordbank verringert sich die Zahl der Landesbanken auf fünf – übrig bleiben die BayernLB, Landesbank Baden-Württemberg, Landesbank Hessen-Thüringen, NordLB und SaarLB. Zuletzt wurde die Bremer Landesbank komplett von der NordLB übernommen, die WestLB wurde abgewickelt.

Das Management um HSH-Chef Stefan Ermisch hatte den Abbau von Risiken zuletzt noch einmal beschleunigt und dürfte damit die Chancen für den Deal deutlich erhöht haben.

Der Deal im Detail

Welche Anteile übernehmen die Käufer?

Aktuell gehört die HSH Nordbank zu 94,9 Prozent der Holding HSH Beteiligungsmanagement der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. 5,1 Prozent gehören bereits neun Fonds, die von Flowers beraten werden. Künftig gehören Cerberus 40,33 Prozent der Bank, Flowers 33,21 Prozent, Golden Tree 11,86 Prozent, einem Centaurus-Capital-Fonds 7,12 Prozent und der Bawag-Holding der österreichischen Bank für Arbeit und Wirtschaft 2,73 Prozent. Die Anteile der neun von Flowers beratenen Fonds werden laut der schleswig-holsteinischen Landesregierung ebenfalls von den Käufern übernommen.

Warum muss die HSH Nordbank verkauft werden?

Die HSH Nordbank mit Hauptsitzen in Hamburg und Kiel entstand 2003 aus der Fusion der Hamburgischen und Schleswig-Holsteinischen Landesbanken. Im Vorfeld der Finanzkrise hatte sich die Bank unter anderem mit riskanten Schiffskrediten verspekuliert und musste von den Ländern zwei Mal mit Garantien und Eigenkapital über rund 13 Milliarden Euro gerettet werden. Über Gebühren dafür flossen etwa drei Milliarden Euro zurück an die Länder. Nach einer Entscheidung der EU-Kommission im Beihilfeverfahren im Mai 2016 musste die HSH bis zum heutigen Mittwoch privatisiert oder andernfalls abgewickelt werden. Eine erneute staatliche Stütze für die Bank hatte die EU-Komission als Wettbewerbshüterin ausgeschlossen.

Heißt die Bank weiterhin HSH Nordbank?

Nein. Nach Abschluss des Verkaufsverfahrens muss die Bank nach EU-Auflage innerhalb von drei Monaten einen neuen Namen annehmen. Wie dieser lauten könnte, ist offen.

Was bedeutet der Verkauf für die Beschäftigten?

HSH Nordbank hat rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hunderte dürften nun um ihren Arbeitsplatz bangen, gelten Cerberus und Flowers doch als knallharte Sanierer. „Über die Arbeitsplätze und ihre Verteilung auf Kiel und Hamburg entscheiden die künftigen Eigentümer“, teilt die Regierung in Kiel lapidar mit. Man werbe für den eigenen Standort.

Um wie viel Geld geht es?

Der vorläufige Kaufpreis für die von den Ländern gehaltenen 94,9 Prozent der Anteile beträgt rund eine Milliarde Euro. Er könnte sich allerdings noch reduzieren, falls die Bank die Verlustgarantie der Länder von zehn Milliarden Euro nicht voll in Anspruch nimmt. Diese Garantie soll vorzeitig beendet und an die Käufer ausgezahlt werden. Dafür erhalten die Länder einen Ausgleichsbetrag von 100 Millionen Euro. Der Kaufpreis kann bis auf den Betrag von einem Euro sinken. Die Sunrise-Garantie ist eine 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise beschlossene zehn Milliarden Euro schwere Zweitverlustgarantie, die die HSH Nordbank vor neuen Defiziten in ihrem Portfolio schützt und die Kapitalausstattung der Bank stärkt. Die HSH Nordbank zahlt für die Garantie eine Prämie.

Welche Risiken tragen die Länder insgesamt?

Hamburg und Schleswig-Holstein tragen Risiken aus der bis 2001 geltenden Gewährträgerhaftung der Länder für öffentliche Banken. Hinzu kommen Risiken aus der 2009 gegebenen Zweitverlustgarantie sowie aus dem 2016 übernommenen Schiffskreditportfolio, das von einer öffentlichen „Bad Bank“ gemanagt wird. Die letzten Anlagen aus der Gewährträgerhaftung werden 2041 ablaufen, auch die Abwicklung des toxischen Kreditportfolio wird Jahre dauern. Die Verluste für die beiden Länderhaushalte zusammen bewegen sich mindestens im zweistelligen Milliardenbereich. Sie werden je nach Quelle zumeist auf elf bis 14 Milliarden Euro geschätzt. Die Sonderbelastung durch die HSH Nordbank führt bei den beiden Ländern zu steigender Verschuldung, während die Schulden aller anderen Bundesländer gegenwärtig sinken. Schleswig-Holstein allein rechnet mit fünf bis acht Milliarden Euro neuen Schulden für das Land aufgrund des HSH-Nordbank-Abenteuers. „Der Gesamtschaden für den Landeshaushalt [ist] insgesamt sehr hoch“, erklärte Monika Heinold (Grüne), Finanzministerin Schleswig-Holsteins.

Ist der Kauf nun abgeschlossen?

Nein. Der Kaufvertrag wurde am Mittwoch unterzeichnet („Signing“). Der Abschluss des Kaufprozesses („Closing“) kann sich jedoch noch einige Monate hinziehen. Zunächst müssen Bedingungen erfüllt werden: Unter anderem müssen die Parlamente in Hamburg und Kiel zustimmen, die Kartellbehörden und die Bankenaufsicht (EZB, Bafin) müssen den Kauf freigeben – und die EU-Kommission muss ihr finales Plazet geben.

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3 Kommentare zu "Zuschlag für Cerberus: HSH Nordbank wird an Finanzinvestoren verkauft"

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  • Es wurden über 10 Miliarden an Steuergeldern für die HSH verschleudert von den Bundesländern Schleswig Holstein und Hamburg - niemand scheint verantwortlich zu sein

  • Und wann werden die zuständigen des Bankenvorstands sowie Politiker aus Kiel und Hamburg für Ihre Verbrechen vor Gericht verurteilt?

  • War es nicht auch Cerberus, die von Daimler damals Chrysler übernommen hatten um es gänzlich gegen die Wand zu fahren so dass es vom Amerikanischen Staat gerettet werden musste?

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