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Zweite Tarifrunde ergebnislos Zähes Ringen um höhere Gehälter für Banker – Verdi droht mit weiteren Warnstreiks

Auch nach zwei Verhandlungsrunden ist keine Einigung im Tarifkonflikt der Banken in Sicht. Die Streikbereitschaft bei den Arbeitnehmern wächst offenbar.
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Vor Beginn der 2. Verhandlungsrunde ließen Mitglieder der Banken-Gewerkschaft DBV Luftballons mit ihren Lohnforderungen vor dem Frankfurter Verhandlungsort steigen. Quelle: Yasmin Osman
Protestaktion der Gewerkschaft DBV

Vor Beginn der 2. Verhandlungsrunde ließen Mitglieder der Banken-Gewerkschaft DBV Luftballons mit ihren Lohnforderungen vor dem Frankfurter Verhandlungsort steigen.

(Foto: Yasmin Osman)

FrankfurtDie Tarifverhandlungen für die rund 200.000 Angestellten der privaten und öffentlichen Banken gestalten sich zäh. Auch der zweite Verhandlungstag endete ohne Ergebnis.

„Schon die reinen Gehaltsforderungen sind weit entfernt von dem, was sich unsere Branche leisten kann“, sagte Karl von Rohr, Vize-Chef der Deutschen Bank und Verhandlungsführer der Banken-Arbeitgeber. „Wir werden in der Gehaltsfrage nur vorankommen, wenn die Gewerkschaften mit Blick auf die ausgesprochen schwierige Branchenlage ihre Forderungspakete deutlich verschlanken.“

Die Gewerkschaften Verdi und DBV fordern unter anderem eine Gehaltssteigerung von sechs Prozent für die nächsten zwölf Monate. Die Arbeitgeber haben bislang kein konkretes Angebot vorgelegt, wie schon bei den Tarifgesprächen vor zwei Jahren. Stattdessen hatten sie die Gewerkschaften bereits im Vorfeld der Gespräche dazu aufgefordert, „ihre sehr umfangreichen Forderungspakete erheblich zu reduzieren“.

Eingeschüchtert hat das die Arbeitnehmervertreter bislang nicht: Vor dem Verhandlungsort, dem Hotel Frankfurter Hof, hatten die beiden wichtigsten Banken-Gewerkschaften bereits vor Beginn der Gespräche Flagge gezeigt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte zu einer „aktiven Mittagspause“ aufgerufen, bei der gegen Mittag etwa 200 Banker bei Bockwurst und Erbsensuppe anzutreffen waren. Die kleinere Gewerkschaft DBV ließ zwei Stunden später blaue Luftballons mit ihrer Gehaltsforderung aufsteigen.

„Wir sind enttäuscht, dass es bislang noch kein Angebot der Arbeitgeberseite gibt und stattdessen signalisiert wird, dass es keinen Tarifabschluss geben wird, bei dem die zurückhaltende Lohnpolitik der vergangenen Jahre aufgeholt wird“, sagte die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft DBV, Ursula Feikes-Feilhauer, dem Handelsblatt.

Die einzige Indikation, zu der sich die Arbeitgeber hätten hinreißen lassen, seien Andeutungen gewesen, dass es keine Nullrunde geben solle. „Auch die Arbeitnehmer in den Banken haben in den vergangenen Jahren wegen steigender Mietpreise und der Inflation reale Lohneinbußen erlitten“, sagte sie.

Verdi hatte zwischen dem Verhandlungsort und der Zentrale der Gewerkschaft vor den Gesprächen zu einem „aktiven Mittagessen“ mit Würstchen, Erbsensuppe und Äpfeln eingeladen. Quelle: Yasmin Osman
Protestaktion der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi

Verdi hatte zwischen dem Verhandlungsort und der Zentrale der Gewerkschaft vor den Gesprächen zu einem „aktiven Mittagessen“ mit Würstchen, Erbsensuppe und Äpfeln eingeladen.

(Foto: Yasmin Osman)

Neben mehr Gehalt wollen die Arbeitnehmervertreter unter anderem sechs Gesundheits- und Entlastungstage sowie verbindliche Weiterbildungsregelungen durchsetzen. Deutsche-Bank-Vorstand Karl von Rohr hatte Unverständnis darüber gezeigt, dass die Gewerkschaften die „ohnehin schon schwierigen Verhandlungen zum Kernthema Gehalt noch mit unrealistischen Forderungen zu Nebenthemen erschweren“.

Das stößt der Gewerkschaft Verdi bitter auf. „Die Arbeitgeberseite macht die Fortführung der Tarifverhandlungen davon abhängig, dass wir zuvor nahezu alle Forderungen zurücknehmen. Mit dieser Blockade fordern sie nach Gutsherrenart eine Demutsgeste von ihren Beschäftigten“ , sagte Claudia Eggert-Lehmann, Mitglied der Verdi-Tarifkommission dem Handelsblatt. Nach dem ergebnislosen Ende der Gespräche droht Verdi nun mit weiteren Warnstreiks. „Dieses provokante Verhalten erfordert eine Antwort von uns: verstärkte Streikmaßnahmen vor dem nächsten Verhandlungstermin“, so die Betriebsratschefin der Commerzbank in Dortmund.

Banker sind in der Regel keine sehr streiklustige Berufsgruppe und nur wenige sind überhaupt in einer Gewerkschaft organisiert. Doch im Vorfeld der Tarifgespräche scheint sich zumindest in einigen Häusern eine gewisse Streiklust angesammelt zu haben, auch unter Nicht-Gewerkschaftern, wie einige Warnstreiks in den vergangenen Wochen gezeigt hatten.

„An den bisherigen Warnstreiks bei der Commerzbank haben sich sehr viele Mitarbeiter beteiligt. Das Interesse war selbst für uns überraschend hoch“, sagt etwa Stefan Wittmann, der für die Commerzbank zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär. Bei einem Warnstreik Ende Februar in Dortmund etwa seien alle Filialen geschlossen geblieben.

Angst vor einer möglichen Fusion und den damit einhergehenden Stellenabbau scheint die wenigsten streikbereiten Banker abzuhalten. „Frust und Verärgerung bestimmen das Handeln von vielen. Dass die Boni gekürzt wurden, obwohl die Gewinne deutlich gestiegen sind, haben die wenigsten nachvollziehen können, ebenso wenig wie die Begründungen der Commerzbank dafür“, meint Wittmann. „Die Höhe der Löhne wird ohnehin nicht die Frage beeinflussen, ob Arbeitsplätze abgebaut werden oder nicht, das ist Unsinn“, sagt er.

Doch auch die Arbeitgeberseite ist unnachgiebig. Einige der Banken, die die Tarifkommission dominieren, stehen unter einem hohen ökonomischen Druck: Die Deutsche Bank, deren Vize-Chef Karl von Rohr die Verhandlungen für die privaten Banken leitet, befindet sich mitten in einem ehrgeizigen Sparprogramm und will auch dieses Jahr viele Arbeitsplätze abbauen.

Auch die Commerzbank ist bei weitem nicht so profitabel wie es nötig wäre. Und bei den öffentlichen Banken gibt es mit der NordLB ein Institut, das gerade von seinen Eigentümern mit einer erheblichen Finanzspritze gerettet werden muss. Das erklärt die geringe Bereitschaft, die Tarifgehälter der Mitarbeiter deutlich zu erhöhen. Am 11. April geht es in Berlin in die nächste Verhandlungsrunde.

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