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Digitale WährungenUS-Börsenaufsicht sendet Warnschuss an Kryptobranche – Bitcoin fällt unter 38.000 Dollar

SEC-Chef Gary Gensler will Kryptoplattformen und Stablecoins stärker regulieren. Auch aus Gründen der nationalen Sicherheit.Astrid Dörner 04.08.2021 - 14:55 Uhr Artikel anhören

Der Behördenchef sendet klare Signale an die Betreiber digitaler Währungen.

Foto: Bloomberg

New York. Gary Gensler startet versöhnlich. Die Innovation von Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto, die er 2008 in einem Konzeptpapier veröffentlichte, „ist beachtlich, und sie ist immer noch ein Anstoß für viele Veränderungen in der Finanzwelt“. Der neue Chef der US-Börsenaufsicht SEC ist ein ausgewiesener Experte für Kryptowährungen, der vor seiner Ernennung als Professor an der Eliteuniversität MIT Kurse über Bitcoin und die unterliegende Blockchain-Technologie gegeben hat.

Doch das heißt nicht, dass Gensler auch ein Fan von digitalen Währungen ist. Im Gegenteil. Der SEC-Chef kündete am Dienstag eine groß angelegte Offensive zur Kryptoregulierung an.

Dabei soll es sowohl um die Rolle von wertstabilen Währungen, sogenannten Stablecoins, gehen, als auch um Börsen und Kryptoplattformen, die das Leihen und Verleihen von digitalen Währungen ermöglichen.
Gensler geht davon aus, dass die Plattformen eine Reihe von Token zum Handel anbieten, die als Wertpapiere einzustufen sind. „Wenn das der Fall ist, dann fallen sie in unseren Aufsichtsbereich, und sie müssen sich bei der SEC registrieren“, stellte er klar. Welche Anbieter er dabei genau im Blick hat, ließ er offen. Er forderte die Akteure jedoch auf, „sich mit uns in Verbindung zu setzen und mit uns zusammenzuarbeiten“.

Die SEC habe bereits weitreichende Möglichkeiten. Dennoch will sich Gensler weitere Befugnisse vom Kongress geben lassen, wie er am Dienstag mitteilte. Auch hätte der SEC-Chef gern ein größeres Budget, um mehr Kryptoexperten einstellen zu können. „Diese Fälle sind aufwendig. Wir könnten locker zwei- bis dreimal so viele Leute einstellen und hätten immer noch nicht genug“, räumte Gensler ein, der unter der Regierung von Barack Obama die Derivateaufsicht CFTC leitete und zuvor Karriere bei Goldman Sachs gemacht hatte.
Das Dezentrale Finanzsystem (Defi) ist in den vergangenen Monaten stark gewachsen. Das ist eine Art Schatten-Wall-Street, die auf Blockchains und Kryptowährungen beruht und weitgehend ohne klassische Finanzintermediäre wie Banken oder Börsen auskommt. Der Bereich ist nahezu unreguliert, nun jedoch so groß geworden, dass ihn Aufseher nicht weiter ignorieren können. Gerade mit Blick auf den Verbraucherschutz und Gesetze zur Prävention von Geldwäsche und Terrorfinanzierung gebe es große Lücken, so Gensler.

Die schnell wachsende Branche in den regulatorischen Rahmen zu bringen sei wichtig, auch um die Stabilität an den Finanzmärkten und damit die nationale Sicherheit nicht zu gefährden. Im Straßenverkehr mussten nach der Erfindung des Automobils schließlich auch Regeln und Stoppschilder eingeführt werden, so sein Argument.

Decentralized Finance (DeFi) – Glossar
Blockchain heißt eine Datenbanktechnik, die nicht von einer zentralen Instanz, sondern dezentral verwaltet wird. Da jeder Nutzer über eine Kopie verfügt und alle gespeicherten Transaktionen dauerhaft einsehen kann, gilt die Blockchain praktisch als fälschungssicher. Ihre erste Anwendung war die Kryptowährung Bitcoin.
Die digitale Infrastruktur basiert auf der Blockchain-Technologie. Neben dem Handel mit der zugehörigen Kryptowährung Ether können im Netzwerk auch Dienstleistungen oder Verträge abgelegt werden. Sogenannte smarte Verträge („smart contracts“) führen dabei automatisch die programmierten Vereinbarungen aus, sobald die vorher ebenfalls im Code festgelegten Bedingungen erfüllt sind.
Hinter diesem Konzept stehen wertstabile Kryptowährungen. Im Unterschied zu den stark schwankenden freien Coins, zu denen auch der Bitcoin zählt, ist ihr Kurs stabiler. Möglich wird das, indem sie durch reale Anlagen abgesichert werden, etwa durch traditionelle Währungen wie den Dollar oder auch durch Staatsanleihen.
Token sind virtuelle Abbilder physischer Assets. „Tokenisierung“ bezeichnet den Ansatz, klassische Wertpapiere, Aktien, Anleihen, aber auch Immobilienbeteiligungen, Kunstwerke und Sammlerobjekte virtuell handelbar zu machen.


Anbieter von Token, Plattformen oder Börsen verweisen gern darauf, dass sie dezentral organisiert sind. Das bedeutet, dass es keinen direkten Verantwortlichen gibt wie in herkömmlichen Organisationen. Daher war lange das Selbstverständnis in der Branche, dass die SEC diese dezentralen Anbieter nicht regulieren könnte.

Gensler sieht das offenbar anders. Wenn ein Investor zum Beispiel einen Token kaufe und davon ausgehe, dass er im Wert steige, und wenn eine Handvoll Unternehmer und Programmierer daran arbeiten, dann sei die Definition eines Wertpapieres in der Regel erfüllt. „Das ist eigentlich ziemlich klar“, so Gensler, der auf dem Aspen Securities Forum sprach, einer Konferenz, bei der die nationale Sicherheit der USA im Mittelpunkt steht.

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Die Kryptobranche reagierte erwartungsgemäß gereizt auf die Offensive der Börsenaufsicht. „Dies ist die aggressivste und feindlichste Haltung der SEC, wenn es um Kryptoregulierung in den USA geht“, monierte die Investorin und Beraterin Katherine Wu auf Twitter. Gensler „versteht gerade so viel, dass er wirklich gefährlich werden kann“.
Die Kryptomärkte waren in Erwartung von Genslers Rede bereits im Vorfeld schwach. Der Bitcoin, die größte und älteste Digitalwährung, lag am Abend mitteleuropäischer Zeit gut vier Prozent im Minus und sackte unter die Marke von 38.000 Dollar. Noch am Sonntag war sie auf über 42.000 Dollar gestiegen.

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