Essay: Die neue Anlegerwelt und die verzweifelte Jagd nach der besten Strategie
Die Märkte reagieren sehr schnell und mitunter auch präzise auf die neuen Rahmenbedingungen.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. „Wandel“ ist für das, was Weltpolitik und Weltwirtschaft derzeit erleben, der falsche Begriff. Er ist zu klein, um das Geschehene und Geschehende zu erfassen. Er klingt zu harmlos, um die Wucht der Ereignisse einzufangen. „Zäsur“ trifft es schon eher, oder „Paradigmenwechsel“. Die Fundamente jedenfalls, auf denen die Nachkriegsordnung beruhte, sind brüchig.
Bis zum Jahr 2020 lebten wir in einer Welt, in der selbst große Seuchen ein überwundenes Problem zu sein schienen, besiegt durch den medizinischen Fortschritt.
Bis zum vergangenen Jahr lebten die Kapitalmärkte in einer Zeit, in der seit mindestens zehn Jahren die Notenbanken mit extrem niedrigen Zinsen unermüdlich für steigende Kurse sorgten. Rund 40 Jahre lang waren die Renditen gesunken und zuletzt zumindest kaum mehr angestiegen. Die „rationale Blase“ an den Märkten, wie es der US-Ökonom Mohamed El-Erian formuliert hat, schien weitgehend ungefährdet.
Nicht der „irrationale Überschwang“ wie zur Jahrtausendwende trieb die Kurse, sondern verlässlich günstige Zinsen waren der neue Treiber. Das Fundament der Wirtschaft waren billiges Gas und Öl aus Russland für Europa. Dazu kam China als Lieferant preiswerter Waren und zugleich großer Absatzmarkt für hochentwickelte Produkte aus dem Westen, vor allem auch aus Deutschland.