Fortbildung Vom Versicherungsvermittler zum Rentenberater

Viele Reformen und Unsicherheiten – der Beratungsbedarf zur Rente wächst. Das kann Versicherungsvermittlern und -maklern eine neue Perspektive bieten.
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Künftige Rentner haben nichts zu verschenken Quelle: Getty Images
Alterseinkommen

Künftige Rentner haben nichts zu verschenken

(Foto: Getty Images)

So mancher glaubt irrtümlich, er könnte mit 63 Jahren in Rente gehen, klagt ein Rentenberater aus Thüringen. Andere haben sich nie um ihre Renteninformation gekümmert und stellen plötzlich fest, dass wichtige Versicherungszeiten fehlen. Die allermeisten Erwerbstätigen finden das Thema Altersvorsorge genauso unangenehm wie das Geräusch des Bohrers beim Zahnarzt.

Dabei macht die gesetzliche Rente 64 Prozent des Alterseinkommens aus. Dennoch wird sich in Zukunft niemand mehr allein auf sie verlassen können. Je näher der Ruhestand für die Generation der Babyboomer rückt, desto weniger haben künftige Rentner zu verschenken. Und so erhält schon heute jeder Erwerbstätige, der älter ist als 27 Jahre, einmal im Jahr eine Renteninformation. Sie zeigt die voraussichtliche Höhe der gesetzlichen Rente.

Doch anders als früher sind die Lebensläufe heutzutage weniger gradlinig. Manche arbeiten Teilzeit, machen sich selbstständig oder lassen sich scheiden. Solche Veränderungen wirken sich auf die Rentenansprüche aus. Oft passieren Fehler: „Etwa jeder zweite Rentenbescheid ist fehlerhaft“, warnt der Bundesverband der Rentenberater. Es lohnt also, den Rentenbescheid checken zu lassen, raten Verbraucherschützer.

Während sich das Geschäft und die Zahl der Versicherungsvermittler rückläufig entwickelt, ist Rentenberatung ein Thema mit Zukunft und könnte für manchen eine Alternative sein. Wie können sich Vermittler dafür qualifizieren?

Die Deutsche Makler Akademie (DMA) in Bayreuth und das Campus Institut bei München bieten seit Mitte 2017 den Sachkundelehrgang Rentenberater an. „Er besteht aus drei Präsenzphasen mit je sechs Tagen sowie einem Tag Präsentationstechniken. Die Inhalte werden in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Experten wie Rentenberatern, Richtern oder Mitarbeitern von Sozialversicherungsträgern vermittelt“, erläutert Ulrike Hanisch, Vorstand des Campus Instituts in Oberhaching.

Um als Rentenberater zugelassen zu werden, ist laut Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) der Nachweis der theoretischen Sachkunde erforderlich. Den Lehrgang zum Rentenberater bieten auch das MAH Management Advisory Heidelberg sowie die Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung (FHVD) in Reinfeld an. „Art und Rahmenbedingungen des Unterrichts können sich unterscheiden, die Lehrpläne sind aber vergleichbar, da die Prüfungsinhalte gesetzlich vorgegeben sind“, erläutert Verbandspräsidentin Anke Voss.

„Zudem benötigen die Teilnehmer einen Praxisnachweis“, so Rentenberaterin Büchner, die auch am Campus Institut lehrt. Und was macht ein Rentenberater in der Praxis? „Zu den klassischen Tätigkeitsfeldern zählen Verfahren zur Kontenklärung, etwa anlässlich eines mit einem Scheidungsverfahren einhergehenden Versorgungsausgleichs“, erläutert Sabine Büchner, Rentenberaterin in Berlin-Charlottenburg. Ein Rentenberater holt Rentenauskünfte ein, überprüft sie und macht Ansprüche auf Alters- und Erwerbsminderungsrenten geltend. „Dazu zählen auch Verfahren zur Klärung des sozialversicherungsrechtlichen Status der Mandanten, also die Klärung der Frage, ob ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis oder eine selbstständige Tätigkeit vorliegt“, so Büchner.

Dabei rechnen Rentenberater ihre Dienstleistungen nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ab. Obwohl die komplexen Regelungen viele Fragen aufwerfen und die Betroffenen kompetente Beratung benötigen, kennen viele Bürger diesen Berufsstand nicht. Das liegt auch daran, dass es kaum Rentenberater gibt.

„Es gibt keinen genauen Angaben über die Anzahl der selbstständig tätigen Rentenberater in Deutschland. Nach unseren Schätzungen dürften es wohl um die 750 sein, davon sind rund 350 Mitglieder in unserem Verband“, sagt Anke Voss, Präsidentin des Bundesverbands der Rentenberater in Berlin. Der Nachweis der praktischen Sachkunde erfordert zweijährige Berufserfahrung bei einem Rentenberater. Häufig werden vergleichbare Tätigkeiten angerechnet. Der Amtsrichter oder in einigen Bundesländern das Landessozialgericht entscheidet, ob der Nachweis ausreicht. „Da sie auch die persönliche Eignung und Zuverlässigkeit des Antragstellers prüfen, empfiehlt es sich schon vor der Ausbildung, mit ihnen in Kontakt zu treten und sie über die Berufsziele zu informieren“, rät Hanisch.

Wer als Rentenberater tätig sein will, sollte auch einige persönliche Neigungen mitbringen. „Die eigentliche Beratung nimmt in der Praxis oft nur einen geringen Teil der Arbeitszeit ein. Schließlich spielen sozialrechtliche Verwaltungsverfahren eine wichtige Rolle, weshalb man mit solchen formalen Abläufen klarkommen sollte“, so Büchner.

Wer sich als Versicherungsmakler oder -vermittler zum Rentenberater ausbilden lassen möchte, sollte sich bewusst sein, dass sich beide Berufe nicht vereinbaren lassen, so Voss: „Rentenberater sind unabhängige Rechtsdienstleister. Sie dürfen aus unserer Sicht keine Anlageprodukte oder Versicherungen vermitteln und auch nicht in solchen Unternehmen tätig sein. Sie sind ausschließlich ihrem Mandanten verpflichtet.“

Auch wer sich nicht zum Rentenberater umschulen lassen möchte, für den könnte das Thema Ruhestandsplanung lukrativ sein. „Im Vergleich zu Großbritannien findet in Deutschland zu wenig Ruhestandsplanung statt, die diesen Namen verdient“, sagt Christian Nuschele, Head of Sales von Standard Life Deutschland und Österreich. „Viele Makler hierzulande konzentrieren sich auf die Ansparphase und den Vermögensaufbau, nicht aber auch auf die Ruhestandsphase, die Vermögensverwendung und Übertragung.“

Ausbildung zum Rentenberater

Laut Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) müssen künftige Rentenberater 150 Unterrichtsstunden durch anerkannte Experten der Bereiche Sozialversicherungsrecht sowie gerichtlicher und behördlicher Verfahrensabläufe absolvieren. Folgende Institute bieten Lehrgänge an:

Campus Institut Oberhaching / Deutsche Makler Akademie

Lehrganggebühr: 7099 Euro
www.campusinstitut.de

FHVD – Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Reinfeld
Gebühr: noch keine Angaben
(Lehrgang erst wieder im Herbst 2020) www.fhvd-sh.de

MAH Management Advisory Heidelberg

Gebühr: 5300 Euro
www.mah-advisory.com/sachkundelehrgang-rentenberater

Die Gesamtausgabe der Handelsblatt Finanzberater Edition finden Sie hier.

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