+++ Live-Blog EZB-Ratssitzung +++ Draghi rechnet mit weiter steigender Inflation

Heute hat EZB-Präsident Draghi die Zinsentscheidung bekanntgegeben. Die amerikanische Fed hatte steigende Zinsen angekündigt, die EZB belässt den Leitzins weiter bei null Prozent. Die Ereignisse im Newsblog.
Update: 19.01.2017 - 15:21 Uhr 19 Kommentare
Die Europäische Zentralbank verkündet heute die neuen Leitzinsen. Quelle: AP
Mario Draghi und Kollegen

Die Europäische Zentralbank verkündet heute die neuen Leitzinsen.

(Foto: AP)

Frankfurt/DüsseldorfErst im Dezember betonte Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, dass die EZB an ihrer lockeren Geldpolitik festhalte – auch aus Furcht vor fallenden Preisen. Die jüngsten Inflationszahlen vom Dezember zeigten jedoch Preissteigerungen von 1,7 Prozent in Deutschland, 1,1 Prozent im Schnitt der Euro-Zone. Auch die von Fed-Chef Janet Yellen für die Zukunft angekündigten Zinserhöhungen der US-Zentralbank setzen die europäischen Kollegen unter Druck, ihren Kurs zu überdenken. Danach sieht es heute aber nicht aus.

So hat die Europäische Zentralbank entschieden:

  • Der Leitzins bleibt unverändert bei null Prozent.
  • Das Kaufprogramm für Staatsanleihen bleibt bis einschließlich März 2017 bei monatlich 80 Milliarden Euro, ab April beträgt es monatlich 60 Milliarden Euro bis Dezember 2017.
  • Der Einlagezinssatz für Banken bleibt unverändert bei minus 0,4 Prozent.
  • Die EZB hat angekündigt, der Leitzins werde auch weit über die Zeit des Anleihekauf-Programms hinaus auf dem aktuellen Niveau – oder sogar noch tiefer – verharren.

+++ Rückführung des Staatsanleihen-Kaufprogramms +++

Handelsblatt-Korrespondent Jan Mallien wendet sich an Mario Draghi mit der Frage, ob es an einem bestimmten zeitlichen Punkt ein klassisches Tapering-Programm wie in den USA geben werde, das die Staatsanleihenkäufe zurückfährt.

Draghi verweist darauf, dass ursprünglich das Anleihekaufprogramm bei 60 Milliarden Euro gelegen habe. Als sich die ökonomischen Ausblicke verschlechtert hätten, sei das Programm auf 80 Milliarden Euro pro Monat erhöht worden. Auf diesem Weg werde man fortschreiten. Das EZB-Programm sei in der Vergangenheit also bereits kalibriert worden, jedoch sei Tapering weder im Einsatz noch derzeit in der Diskussion.

Bezüglich der aufkommenden Inflationsdiskussion müsse die EZB beobachten, ob die derzeitige Inflation, die vor allem von steigenden Energiepreisen getrieben werde, sich selbst in eine dauerhafte und selbsterhaltende Inflationsentwicklung transformiere – und damit den Zielen der EZB entgegenkomme –, oder nicht.

Anschließend beendet Mario Draghi die Pressekonferenz.

+++ Jobmotor EZB? +++

In der Eurozone seien 4,5 Millionen Jobs in den vergangenen Jahren geschaffen worden. Hierzu habe die Geldpolitik der EZB beigetragen, diese habe Jobs geschaffen.

+++ Das italienische Haushaltsdefizit +++

Draghi betont, kein Haushaltsdefizit in der Eurozone sei aus Sicht der EZB unhaltbar. Für Griechenland gebe es ein entsprechendes Programm.

+++ Steigende Inflation in Deutschland +++

Auf die Frage, welche Rolle für ihn die steigende Inflation in Deutschland spiele, antwortet Draghi: Das Ziel der EZB sei eine Inflationsrate von annähernd zwei Prozent für die gesamte Eurozone. Es könne nicht nur ein einzelnes Land betrachtet werden. Die positiven Effekte der Geldpolitik seien bei allen europäischen Bürgern angekommen: Käufern, Konsumenten, Kreditnehmern.

+++ Steigende Löhne und Inflation +++

Die zentrale Frage sei, welche Effekte die höhere Inflation auf den Euro-Raum haben werde. Die EZB beobachte die Entwicklung steigender Inflationsraten genau, wie sie auch in der Vergangenheit das Fallen der Inflation genau untersucht habe. Draghi will sich nicht zur Frage äußern, welche Bedeutung steigende Nominallöhne hätten. Grundsätzlich würde sich aber die Erhöhung der Nominallöhne positiv auf das Inflationsziel der EZB von annähernd zwei Prozent auswirken.

+++ EZB-Aufsicht des Bankensektors +++

Zur Kritik an einer zu harten Aufsicht der EZB über den Bankensektor will sich Draghi nicht äußern. Dies sei nicht sein Thema.

+++ Draghi: Deflationsrisiko verschwunden +++

Man habe eine Diskussion im Rat gehabt mit dem Ergebnis, dass das Programm richtig sei. Das Risiko von Deflation sei mehrheitlich verschwunden. Die finanzielle Situation habe sich im Euro-Raum verbessert. Die Raten, zu denen sich Haushalte Geld leihen könnten, seien gesunken. Die Bedingungen, zu denen sich die Geldpolitik der Zentralbank in den Märkte umsetzen lässt, hätten sich verbessert.

+++ Anleihekaufprogramm wird fortgeführt +++

Tapering, das Zurückfahren des Anleihe-Kaufprogramms, sei bei der heutigen Ratssitzung nicht diskutiert worden. Ein Zurückfahren des Programms werde kommen, – „but we are not there“, man sei noch nicht an diesem Punkt.

+++ Zur deutschen Kritik an der EZB-Politik +++

Der deutsche Finanzminister Schäuble habe lediglich gesagt, es gebe Probleme in der Erklärung der EZB-Politik. Diesem Punkt schließt sich Draghi an. Er stellt klar, die wirtschaftliche Gesundung der Eurozone liege im Interesse aller Mitglieder und europäischen Bürger. Man müsse Geduld mitbringen. Die Zinsen könnten erst ansteigen, wenn die Inflation nachhaltig angestiegen sei. Die ehrliche Antwort an deutsche Kritiker und Kritiker aus anderen Ländern sei: Bitte seid geduldig und lasst die wirtschaftliche Gesundung voranschreiten.

Energiepreise befeuern Inflation
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: +++ Live-Blog EZB-Ratssitzung +++ - Draghi rechnet mit weiter steigender Inflation

19 Kommentare zu "+++ Live-Blog EZB-Ratssitzung +++: Draghi rechnet mit weiter steigender Inflation"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • 2. Korrekturversuch :(

    ... UND d i e Kosten, die für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt für die Erdbevölkerung ANFALLEN WERDEN bereits heute eingepreist würden, hätte ....

  • Korrektur:

    ... UND d i e Kosten, die für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt für die Erdbevölkerung ...

  • „Draghi rechnet mit weiter steigender Inflation“ und das bei gleich bleibenden Leitzins von null Prozent. Damit das jedem klar ist: Damit wird die deutsche Bevölkerung schleichend auf Kosten der unproduktiveren Südländer enteignet. Eine angemessene Kompensation kann nur dadurch erfolgen, indem in Deutschland als Ausgleich überdurchschnittliche Lohnerhöhungen gewährt werden. Hierfür sollten sich alle Beteiligten Politiker und Gewerkschaften einsetzen und die Arbeitgeber zumindest Verständnis signalisieren, wenn man am Euro festhalten will.

  • @ Tschortscho Eibl, 19.01.2017, 16:32 Uhr

    Wenn alle Kosten des Klimawandels (v.a. die der notwendigen Anpassungs- und Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung in den davon am stärksten betroffenen Ländern; es gibt bekanntlich bereits heute viele Flüchtlinge, bei denen dessen Folgen unmittelbare Fluchtursache sind) UND der Kosten, die für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt für die Erdbevölkerung bereits heute eingepreist würden, hätte dies wahrscheinlich den Zusammenbruch unseres derzeitigen Wirtschafts- und Finanzmodells zur Folge.

    Aus meiner Sicht müssten solche Überlegungen bei der Be-Wertung aller materiellen und vor allem der imateriellen Güter berücksichtigt werden, um das globale Wirtschafts- und Finanzsystem nachhaltig zu machen und somit ein menschenwürdiges Leben für alle in Zukunft zu ermöglichen.

    Eine solche grundlegende Neubewertung aller "Assets" ist aber unter den Gegebenheiten der heutigen politischen Weltordnung (insbesondere, was eine wirklich demokratische Beteiligung der Bürger an allen Entscheidungsprozessen von allgemeinem, öffentlichem Interesse angeht) schlichtweg nicht möglich.

    Also müssen wir uns eine neue aufbauen.

  • ... weil Sie die Erde nicht in einem Labor unter verschiedenen Bedingungen ausprobieren können. An dieser Art der Reproduzierbarkeit von Ergebnissen hängt aber der wissenschaftliche Selbstkorrektur-Prozess. Sie geraten damit in die Problematik, dass Sie einfach verschiedene Messkurven zusammen fitten. Da können Sie riesige Rechenprogramme verwenden, aber im Endeffekt bekommen Sie nicht mehr Physik hinein, als in einem Praktikum bei dem man den Studis das Fitten beibringt...

    Übrigens, als die Grünen gegründet wurden, warnten Sie der kommenden Eiszeit, und wir haben in der Schule noch gelernt, dass die Temperatur der Erde in der 2. Hälfte des 20 Jh abgesunken sei... Ich gehe davon aus, dass das heute widerlegt ist, aber seien wir ehrlich: ein Beweis für einen antropogenen Klimawandel ist das nicht.

    Beispiel Özi: Der Mann starb vor 5000 Jahren an einer eisfreien Stelle! So ewig ist das Eis also anscheinend doch nicht... Gestern auf NAtional Geographic war eine ähnliche Geschichte: Ein Gletscherforscher findet kurz unter einer Gletscherzunge 5000 Jahre alte Pflanzen. Weil diese Pflanzen nicht zerfallen sind, wird geschlussfolgert dass die Gletscher sich sehr schnell zurückziehen. Aber die Wahrheit dazu ist eben auch: vor 5000 Jahren sind an dieser Stelle Pflanzen gewachsen (aktuell war da noch alles öde), und das war dann garantiert kein antropogener Einfluss!!!

  • Kaufen sie Klimazertifikate vom Finken frisch gedruckt für wertlose Euros. Das Geschäft ihres Lebens, leichter können sie Zertifikate nicht erwerben, ganz privat
    ohne Steuer. Das Klima wird es ihnen danken und es wird garantiert kälter. Der Verbraucherschutz ist mein höchstes Ziel und natürlich seriöse Prospekte mit CO2 neutralem Papier. Vorwärts in die Zukunft mit Klimazielen die unübertroffen sind.

  • @Bollmohr

    Wenn morgen Gauck, Merkel, Gabriel, Claudia Roth und Frau Kipping sagen, dass man z.B. problemlos den Atlantik durchschwimmen kann - ist es deswegen wahr?

    Der angebliche "Klimawandel" ist ein Konstrukt, das man verwendet, um dem Bürger unter Druck zu setzen, gewisse Dinge wie massenhaft Windräder, eAutos o.ä. als "notwendig" zu verkaufen.

    Klimawandel hat es schon gegeben, bevor auch nur ein Neandertaler auf diesem Planeten gewandelt ist. Es ist somit anzunehmen, dass er NICHT von Menschen verursacht ist und somit auch NICHT vom Menschen "verhindert" oder "verlangsamt" werden kann.

  • @Bollmohr

    ich will mir ja nicht alle Thesen der hier mit Ihnen diskutierenden zu eigen machen oder deren Weltbild teilen. Aber das mit der "Wissenschaftlichkeit" bei den Klimarechnungen ist schon so ein Problem.

    Ich bin Physiker, als ich in den 90er Jahren im Hörsaal saß, suchten die Institute die auf diesem Gebiet arbeiteten Hiwis, die den "Bericht der Enquete-Komission an den Deutschen Bundestag" auf eine Zahlenbasis umrechnen würden (viele Autoren haben ohne gemeinsame Basis jeweils etwas geschrieben, was dann im Zusammenhang und ohne diese Basis wissenschaftlich nicht brauchbar war. Der Bericht hatte einen wissenschaftlichen und einen politischen Teil. Im wissenschaftlichen Teil kam das Stichwort "anthropogener Klimawandel" nicht vor, aber dafür im anderen Teil!

    Wenn Sie z.B. auf die Zugspitze fahren, finden Sie ein Plakat eines Fraunhofer-Institutes. Diesem Plakat können sie direkt entnehmen (das sich auch auf den UN Klimarat bezieht), dass der wesentliche Treibhauseffekt aufgrund von Wolken nicht verstanden ist und in den Klimamodellen nicht vernünftig abgebildet ist.

    Dann ein paar prinzipielle physikalische Anmerkungen meinerseits: Die öffentliche Darstellung für den Klimaeffekt (oder z.B. Gletscherschmelze) folgt der Argumentation: Schneedecke geht zurück, damit auch die Reflexion der Sonneneinstrahlung und das verstäkrt die Erwärmung wiederum. Aber anders formuliert würde das bedeuten, dass das Weltklima damit ein labiles Gleichgewicht wäre, das beim Auftreten einer kleinen Störung (temporäre Erwärmung) umkippen würde. Das kann es aber nicht sein, weil es dann schon früher einmal umgekippt wäre, physikalische Systeme befinden sich nicht im labilen Gleichgewicht, treten solche Bedingungen auf, kippen diese und suchen einen neuen stabilen Gleichgewichtszustand.

    Modelle wie das Klima können Sie zwar im Rechner modellieren, aber nicht verifizieren, weil Sie die Erde nicht in einem Labor unter verschiedenen...

  • @ A Nette
    Du hast definitiv Recht, nach Einschätzungen von Experten wird die Klimaveränderung das größte Problem der nächsten Jahre sein !

    Wenn Märkte gesättigt sind, funktioniert der Absatz nur noch über den Preis.
    Bedeutet Deflation nicht Inflation und das ist momentan der Fall.

    Der Euro verfällt !

  • @Herr Holger Narrog, 19.01.2017, 15:52 Uhr:

    Ich glaube Ihren und Hoffmanns Erzählungen hier nicht. Ich bin ja nicht komplett bescheuert.

    Und damit beende ich den Gedankenaustausch mit Ihnen beiden zu diesem Thema. Erkenne keinen Sinn darin.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%