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+++ Newsblog +++ EZB erwartet beispiellosen Konjunktureinbruch in diesem Jahr – Inflationsprognosen drastisch reduziert

Die Europäische Zentralbank weitet ihr Notprogramm in der Coronakrise auf 1,35 Billionen Euro aus. Die Pressekonferenz im Newsblog.
04.06.2020 Update: 04.06.2020 - 15:57 Uhr Kommentieren
  • Die EZB stockt ihr Corona-Notkaufprogramm für Anleihen um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro auf. Die Mindestlaufzeit des Kaufprogramms wird um ein halbes Jahr bis Ende Juni 2021 verlängert.

  • Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent – und das bereits seit gut vier Jahren.

  • Der Hauptziel der EZB bleibt eine Inflation von knapp unter 2,0 Prozent. Allerdings liegt dieser Wert seit Jahren darunter und der Trend hat sich in der Coronakrise durch den Einbruch der Energiepreise in Folge weltweit gesunkener Nachfrage verschärft.
Verfolgen Sie hier die Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde live:
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Jürgen Röder
Zum Abschluss ihrer Pressekonferenz wird Lagarde darauf angesprochen, dass sie viele ihrer Antworten abliest. Ob das ihr neuer Stil sei, will ein Journalist wissen. Die EZB-Präsidentin antwortet: "Ich will sehr, sehr genau sein."

Auffällig ist zumindest, dass Lagarde ähnlich wie ihr Vorgänger Mario Draghi dazu übergeht, Schlüsselsätze während der Pressekonferenz immer wieder zu wiederholen. Im Vergleich zu Draghi ist sie aber noch deutlich vorsichtiger.

Der vielleicht interessanteste Punkt waren Lagardes Aussagen zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Dieses verlangt, dass die EZB eine Prüfung der Verhältnismäßigkeit ihrer Anleihekäufe vorlegt. Die vorsichtigen Aussagen Lagardes weisen aber darauf hin, dass die EZB das nicht so einfach tun wird.
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Jürgen Röder
Hinsichtlich eines Kaufs so genannter „fallen angels", also Anleihen, deren Bonität wegen der Krise unter den „Investment Grade" gefallen sind, hält sich Lagarde alle Optionen offen. Viele Ökonomen hatten erwartet, dass die EZB schon am heutigen Donnerstag beschließt, solche Papiere zu kaufen. Lagarde erklärte nur, man wolle die Situation weiter beobachten.
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Jürgen Röder
Die Coronakrise macht sich laut der EZB besonders bei der Vergabe von Krediten bemerkbar. Unternehmen außerhalb des Finanzsektors haben deutlich mehr Kredite nachgefragt, um sich vor dem Hintergrund rasch sinkender Einnahmen zu finanzieren. Die Quote stieg im Jahresvergleich im April um 6,6 Prozent, im März waren es noch 5,5 Prozent.

Gleichzeitig haben private Haushalte aufgrund der oft schwierigen Arbeitsmarktsituation weniger Kredite nachgefragt.
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Jürgen Röder

Für den Wirtschaftweisen Volker Wieland wäre die Ausweitung des Kaufprogramms nicht zwingend notwendig gewesen. Was ihm fehlt: „Es wird weit und breit nicht signalisiert, ob die EZB irgendwann einmal ihren Anleihebestand wieder auf ein Normalmaß zurückfährt“. 

Die US-Notenbank Fed mache das anders. „Die vom Volumen her extremen Maßnahmen müssen mit Prinzipien verbunden werden, die die Bedingungen klären, unter denen man den Anleihebestand wieder zurückfährt", sagte Wieland.

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Jürgen Röder
Journalisten stellen weitere Fragen zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts. EZB-Präsidentin Lagarde lässt sich jedoch nicht viel mehr entlocken: „Wir sind zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt." Sie spricht Karlsruhe immer wieder mit französischem Akzent aus: „Kahrschruhe"
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Jürgen Röder
Trotz der drastisch gesenkten Wachstumsprognosen sieht die EZB-Präsidentin erste Zeichen der Hoffnung. „Die jüngsten Indikatoren deuten auf eine gewisse Bodenbildung des Abschwungs im Mai hin, da Teile der Wirtschaft allmählich wieder öffnen", sagte Lagarde. Dementsprechend werde erwartet, dass sich die Konjunktur ab der zweiten Jahreshälfte wieder belebe. „Tempo und Ausmaß der Erholung bleiben aber höchst ungewiss", sagte sie.
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Jürgen Röder
Für das Wachstum geht die EZB davon aus, dass die Wirtschaft im Euro-Raum in diesem Jahr um 8,7 Prozent schrumpft. Im nächsten Jahr soll sie um 5,2 Prozent wachsen und 2022 um 3,3 Prozent. 

Damit korrigierte die EZB ihre Prognose für dieses Jahr dramatisch nach unten. Vor drei Monaten zu Beginn der Pandemie in Europa war sie noch von einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent ausgegangen.
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Leonidas Exuzidis
Die angepassten kurz- und mittelfristigen Wachstums- und Inflationsprognosen der Notenbank:
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Jürgen Röder
Lagarde spricht davon, dass es „breiten Konsens" für die Ausweitung der Anleihekäufe um 600 Milliarden Euro gegeben habe. Übersetzt heißt das, die Entscheidung ist nicht einstimmig gefallen, aber mit deutlicher Mehrheit.
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Jürgen Röder
Lagarde bekräftigt: „Um das Ziel einer Inflation in Höhe von 1,3 Prozent Ende 2022 zu erreichen, sind die gesamten Aktionen der Europäischen Zentralbank notwendig." 
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Jürgen Röder

Für Vermögensverwalter Markus Schön kann die EZB mit der Ausweitung der Anleihekäufe nur die deflationären Tendenzen abmildern und nicht für mehr Inflation sorgen. Seiner Meinung nach habe die deutsche Bundesregierung der EZB aber einen Bärendienst erwiesen. Schließlich begünstige die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer das Risiko einer Deflation. Er prognostiziert zum Jahresende 2020 eine negative Rendite von zehn Jahre laufenden Staatsanleihen aus Deutschland von minus zwei Prozent.

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Jürgen Röder
Lagarde zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen der EZB: „Wir sind zuversichtlich, dass eine gute Lösung gefunden wird. Eine gute Lösung, die nicht die Unabhängigkeit der EZB gefährdet oder die Vorrangstelllung des Europäischen Rechts oder das Urteil des Europäischen Gerichtshofs." Der Europäische Gerichtshof hatte die Anleihekäufe für rechtmäßig erklärt.
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Jürgen Röder
Die EZB reduziert ihre Inflationsprognosen drastisch. In diesem Jahr sollen die Preise um 0,3 Prozent steigen. 2021 um 0,8 Prozent und 2022 um 1,3 Prozent. Alles weit entfernt von dem Ziel zwei Prozent.
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Jürgen Röder
Nach Berechnungen von Frederik Ducrozet, EZB-Experte vom Schweizer Vermögensverwalter Pictet, reichen die zusätzlichen Käufe in Höhe von 600 Milliarden Euro bis Ende Februar 2021, wenn die EZB im bisherigen Tempo (etwa sechs Milliarden Euro am Tag) weiter kauft.
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Jürgen Röder
EZB-Chefin Lagarde bekräftigt, dass so lange Anleihen gekauft werden, bis die Phase der Coronavirus-Krise vorüber ist.
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Jürgen Röder
Von der Ausweitung der Wertpapierkäufe profitieren natürlich die Anleihen der südeuropäischen Staaten, die von der Coronavirus-Pandemie besonders hart getroffen wurden. Die Renditen der zehnjährigen Titel aus Italien fielen auf ein Zwei-Monats-Tief von 1,399 Prozent. Ihre spanischen Pendants rentierten bei 0,564 Prozent nach 0,619 Prozent am Vortag.
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Jürgen Röder
Die Ausweitung der Wertpapierkäufe hat den den Börsen zunächst Auftrieb gegeben. Der Dax stieg schnell um mehr als 100 Punkte leicht ins Plus, liegt aktuell aber wieder 0,3 Prozent im Minus. Der Euro verteuerte sich binnen Minuten um etwa einen halben US-Cent auf 1,1248 Dollar. Ebenfalls gefragt war der Bund-Future, der 27 Ticks auf 171,23 Zähler stieg.
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Jürgen Röder

Und wie sehen die neuen Projektionen zur Entwicklung von Wachstum und Inflation im Euro-Raum aus? Die EZB überarbeitet diese Projektionen alle drei Monate. Absehbar ist bereits, dass es hier dramatische Veränderungen im Vergleich zu den vergangenen Prognosen im März geben wird. Damals prognostizierte sie für dieses Jahr noch ein Wachstum von 0,8 Prozent – was inzwischen völlig unrealistisch geworden ist.

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