Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Abkehr von der Zinswende Begeisterte Börsianer, skeptische Ökonomen – Das sagt der Markt zum neuen Kurs der Fed

Der Fed-Chef deutet ein Ende seiner Politik der Zinserhöhungen an. An den Märkten fallen die Reaktionen auf diesen Schritt sehr unterschiedlich aus.
Kommentieren
Der Fed-Chef hat zuletzt sanftere geldpolitische Töne angeschlagen. Quelle: Bloomberg
Jerome Powell

Der Fed-Chef hat zuletzt sanftere geldpolitische Töne angeschlagen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt, New York„Kinder, esst so viele Süßigkeiten, wie ihr wollt“ oder: „Weihnachten im Januar“: Die Kommentare zu den neuesten geldpolitischen Äußerungen Jerome Powells klangen begeistert. In seiner Pressekonferenz nach der turnusmäßigen Sitzung der Federal Reserve (Fed) hatte der US-Notenbankchef am Mittwochabend einen deutlich vorsichtigeren Ton angeschlagen.

Er deutete nicht nur ein Ende der Zinserhöhungen an, sondern auch eine Verlangsamung des Bilanzabbaus der Notenbank. Zudem betonte er die Risiken für das Wachstum stärker als zuvor. Die Fed werde bei Entscheidungen über künftige Zinsschritte „geduldig“ agieren, sagte Powell. „Die Argumente für Zinserhöhungen sind etwas schwächer geworden.“

Doch nicht bei allen kam die neue Vorsicht gut an: „Es sieht so aus, als habe der Fed-Chef nicht mehr nur die Aufgabe, für Vollbeschäftigung und stabile Inflation zu sorgen, sondern auch für einen soliden Aktienmarkt“, lästert der unabhängige Ökonom Joel Naroff. Auch Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner hält den Kurs der Fed für riskant.

„Der Markt hat von der Fed alles bekommen, was er wollte.“ Ob dies jedoch nötig gewesen sei, bezweifele er. So habe sich die Lage an den Kapitalmärkten ohnehin verbessert, ein Shutdown sei abgewendet worden, und auch die harten Konjunkturdaten seien zuletzt wieder besser ausgefallen. Weidensteiner fürchtet, dass Powell seinen Kurs bald korrigieren muss und die Geldpolitik dadurch erratisch wird.

Die US-Börsen reagierten am Mittwochabend zunächst mit deutlichen Kursgewinnen auf die Aussagen von Powell. Der Dow Jones Industrial sprang erstmals seit Anfang Dezember wieder über die Marke von 25.000 Punkten.

Grafik

„Die Investoren hatten Angst, dass die Fed die Konjunktur zu positiv einschätzt und deshalb durch ihre Geldpolitik womöglich zu stark bremst“, sagt Christian Müller-Glissmann, Portfoliostratege bei Goldman Sachs. Diese Ängste habe die Fed zunächst zerstreut.

Anleger würden jetzt auf den „Zentralbank-Put“ setzen – also darauf vertrauen, dass die Fed rettend eingreift, wenn es an den Märkten zu Anspannungen kommt, erklärt Müller-Glissmann. Das sei aber nicht unproblematisch. Nach dem starken Jahresauftakt an den Börsen gebe es zumindest kurzfristig Rückschlagspotenzial. Die gute Stimmung war am Donnerstag bereits verflogen. Der Dow startete leicht im Minus.

Geduldigere Zinspolitik, langsamer Bilanzabbau

Vor der Fed-Sitzung waren Investoren davon ausgegangen, dass die Notenbank eine Pause bei den Zinserhöhungen einlegt. Noch im Dezember waren die Führungsmitglieder der Fed von zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr ausgegangen. Damals hatten die Märkte mit deutlichen Kursverlusten reagiert.

Seither allerdings schlugen bereits mehrere US-Notenbanker einen vorsichtigeren Ton an. Powells Hinweis auf einen „geduldigen“ Ansatz bei der Zinspolitik werteten am Mittwoch viele Analysten als Signal, dass bei den Zinserhöhungen zunächst das Ende der Fahnenstange erreicht sei.

Powell signalisierte zudem, dass die Fed den Prozess des Abschmelzens der Bilanz verlangsamen könnte. Die in der Finanzkrise aufgeblähte Bilanz liegt derzeit noch bei etwa 4,1 Billionen Dollar. Aktuell verringert die Fed das Volumen monatlich um bis zu 50 Milliarden Dollar.

Grundsätzlich gilt der Bilanzabbau als Belastung für die Märkte, weil ihnen dadurch Liquidität entzogen wird. Auch veränderte die Fed ihren Risikoausblick. Bislang ging sie davon aus, dass sich die Chancen und Gefahren für das Wachstum in etwa die Waage halten. Jetzt hob Powell die globalen Risiken hervor.

Die Kehrtwende des US-Notenbankchefs zwischen Dezember und Januar sei „sehr ungewöhnlich“, sagt Torsten Slok von der Deutschen Bank in New York. „Notenbanker sind normalerweise konservativ, und es braucht Zeit, bis sie ihre Kommunikation ändern.“

Der Arbeitsmarkt in den USA läuft bislang sehr gut – die Arbeitslosenquote liegt unter vier Prozent. Dennoch ist die Inflation bisher relativ niedrig. Als Gradmesser für den Kursschwenk der Fed sieht Slok den am Freitag erscheinenden US-Arbeitsmarktbericht: „Wir werden bald wissen, ob dieser deutliche Schwenk berechtigt ist.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Abkehr von der Zinswende - Begeisterte Börsianer, skeptische Ökonomen – Das sagt der Markt zum neuen Kurs der Fed

0 Kommentare zu "Abkehr von der Zinswende: Begeisterte Börsianer, skeptische Ökonomen – Das sagt der Markt zum neuen Kurs der Fed"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.