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Aktienmärkte Warum Anleger sich von den Aussagen der Fed nicht in Sicherheit wiegen lassen sollten

Fed-Chef Powell will bei der Erhöhung der Leitzinsen mit Augenmaß vorgehen – und hat damit für Kursgewinne gesorgt. Aber noch hat der Markt kein Fundament gefunden.
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Die Stimmung der Investoren hat zumindest kurzfristig gedreht. Quelle: dpa
Händler an der New Yorker Börse

Die Stimmung der Investoren hat zumindest kurzfristig gedreht.

(Foto: dpa)

FrankfurtManchmal passt alles zusammen. Der Freitag war so ein Tag. Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich überraschend stark. Amerikanische Arbeitgeber haben im Dezember 312.000 Menschen eingestellt, das ist der beste Wert seit zehn Monaten und deutlich mehr als die erwarteten 177.000. Außerdem stiegen die Löhne etwas stärker als prognostiziert.

Dann gab Jerome Powell, Chef der US-Notenbank (Fed), auf einer Veranstaltung in Atlanta überraschend sanfte Töne von sich. „Vor allem wegen der verhaltenen Inflationsdaten, die wir gesehen haben, werden wir geduldig sein und genau beobachten, wie sich die Wirtschaft entwickelt“, sagte er.

Damit nahm er den Investoren die Angst, die Fed werde ohne Rücksicht auf die Konjunktur die Leitzinsen, die seit Kurzem in einer Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent liegen, munter weiter erhöhen. Diese Flexibilität bestehe auch beim Abbau der Bilanzsumme der Notenbank, ergänzte er – zuletzt hatte er diesen Prozess noch als mehr oder minder automatisch ablaufend charakterisiert.

Bei der gleichen Veranstaltung schlug auch Loretta Mester, die Chefin der regionalen Fed Cleveland, vorsichtige Töne an – sie gilt sonst eher als „Falke“, als Vertreterin einer harten Geldpolitik.

In der Folge drehte sich die Stimmung an den Märkten. Zuvor hatten die Anleger eine schwache Konjunktur und eine harte Geldpolitik befürchtet, jetzt glauben sie eher an eine bessere Konjunktur und eine weichere Geldpolitik. Die US-Aktienmärkte zogen um fast 3,5 Prozent an.

An der Tech-Börse Nasdaq legten die Werte um mehr als vier Prozent zu. Sogar Apple gewann mehr als vier Prozent – zuvor war die Aktie wegen schwacher Verkäufe von Apple-Produkten in China stark eingebrochen. Amazon notierte am Freitag fünf Prozent im Plus.

Widersprüchliche Wahrnehmungen

Michael Feroli, Ökonom der US-Bank JP Morgan, kommentiert: „Die Daten sprechen für die ‚Falken‘, die Fed spricht für die ‚Tauben‘.“ Damit bringt er einen Widerspruch zum Ausdruck, den die Investoren voraussichtlich sehr bald auch wieder stärker beachten werden: Eine starke Konjunktur und steigende Löhne sprechen für eine härtere Geldpolitik. Die vorsichtigen Worte von Powell, die ein weicheres Vorgehen andeuten, dürfen daher nicht überbewertet werden.

Vítor Constâncio, Ex-Vizechef der Europäischen Zentralbank, brachte den Freitag in einem Tweet auf den Punkt: „Die Daten vom Arbeitsmarkt rechtfertigen die Einschätzung der Fed zur wirtschaftlichen Entwicklung. Aber Powell musste etwas zurückrudern, weil frühere Stellungnahmen am Markt als zu hart angekommen waren. Jetzt zählen Geduld und Flexibilität.“

Geduld und Flexibilität: Das sind die entscheidenden Stichworte. Die Fed gibt immer weniger eine Linie vor und reagiert immer stärker einfach auf die neuesten Daten. An dieses Regime haben die Märkte sich noch nicht gewöhnt. Deswegen wird es immer wieder Konfusion und Unsicherheit geben.

Die Erwartungen der Investoren haben sich radikal verändert, erklärt Torsten Slok von der Deutschen Bank in New York. Vor einem Monat hätten sie noch weitere Zinserhöhungen der Fed im laufenden Jahr und ein recht stabiles Niveau in den beiden folgenden Jahren erwartet. Zurzeit prognostizieren sie keine weiteren Erhöhungen und für die Folgejahre sogar eine Absenkung der Leitzinsen.

Aber möglicherweise irren die Märkte. Denn Powell hat die Zinsschritte nicht abgesagt, sondern nur Flexibilität versprochen. Feroli geht daher für 2019 von zwei weiteren Zinsschritten nach oben aus.

Auch mit Blick auf eine mögliche Rezession gehen die Erwartungen weit auseinander, wie Nikolaos Panigirtzoglou von JP Morgan schreibt. Nach seiner Analyse gehen fast 60 Prozent der US-Anleger von einer bevorstehenden Rezession aus.

Eine Ausnahme bildet der bisher erstaunlich stabile Markt für Hochzinsanleihen, in dessen Kursen nur eine Rezessionswahrscheinlichkeit von zwölf Prozent enthalten ist. Die Ökonomen von JP Morgan hingehen glauben nur zu 40 Prozent, dass es zu einem Abschwung kommen wird. Der Konsensus aller Ökonomen liegt sogar lediglich bei 27 Prozent, wie Panigirtzoglou schreibt.

Auch hier zeigt sich: Die Unsicherheit ist groß. In der Vergangenheit waren die Investoren schon häufig pessimistischer als die Ökonomen, aber die Fed ist meist eher der Sichtweise der Ökonomen gefolgt.

Stimmung an den Märkten schlecht

Ein weiteres Warnsignal: Offenbar gab es laut JP Morgan bis zum Freitag starke Wetten auf fallende Aktienkurse. Die Stärke des Kursfeuerwerks könnte daher auch darauf zurückzuführen sein, dass die entsprechenden Käufer sich mit Aktien eingedeckt haben, um ihre Verluste in Grenzen zu halten.

Wie vertrackt die Märkte zurzeit sind, zeigt auch eine Studie der Bank of America Merrill Lynch von Freitag, nach der die Stimmung an den Märkten „extrem schlecht“ ist. Dieser Stimmungsindikator hat damit zum ersten Mal seit Juni 2016 – nach dem Referendum zum EU-Ausstieg Großbritanniens – ein Kaufsignal gegeben, schreibt Merrill Lynch.

Die Logik dieses Indikators: Wenn die Stimmung extrem schlecht ist, haben wahrscheinlich alle Kurzfrist-Investoren verkauft, sodass Nachkäufe von Langfrist-Investoren auf wenig Angebot stoßen und die Kurse hochtreiben. Auch hier bleibt offen, wie nachhaltig dieser Effekt ist.

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