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Anleihekäufe Die EZB könnte die Rendite für die Bundesanleihe noch weiter drücken

Angebot und Nachfrage von Bundesanleihen stehen in einem Missverhältnis. Der Mangel an Angebot könnte sich verschärfen, wenn die EZB wieder zukauft.
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Der EZB-Präsident forderte immer wieder eine expansivere Finanzpolitik. Quelle: imago/Rainer Unkel
Mario Draghi

Der EZB-Präsident forderte immer wieder eine expansivere Finanzpolitik.

(Foto: imago/Rainer Unkel)

Frankfurt Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es gerade wieder bestätigt: Es bleibt bei der schwarzen Null, es soll in Deutschland also keine neuen Staatsschulden geben. Aus Sicht vieler Notenbanker, Ökonomen und Investoren gibt es aber einen engen Zusammenhang zwischen Finanz- und Geldpolitik. EZB-Chef Mario Draghi hat immer wieder eine expansivere Finanzpolitik gefordert und damit in erster Linie Deutschland gemeint.

Die Logik: Wenn die Regierungen mehr Geld ausgeben, bleibt es nicht an den Notenbanken hängen, die Wirtschaft in Gang zu halten. Frederik Ducrozet, Stratege bei der Schweizer Bank Pictet, brachte es kürzlich auf den Punkt. Er schrieb über die „Drohung“ der EZB gegenüber „Deutschland, das letztlich die Wahl hat, die Wirtschaft finanzpolitisch zu unterstützen oder noch länger mit negativen Zinsen und/oder Wertpapierkäufen der EZB zu leben“.

Ursache der negative Renditen bei Bundesanleihen ist vor allem, dass es zu wenig Angebot und zu viel Nachfrage seitens der Investoren gibt, was ihre Kurse hoch- und damit die Renditen herunter treibt. Der Mangel an Angebot wird sich noch verschärfen, wenn die EZB wieder Staatsanleihen kauft.

Der Effekt ist besonders stark, weil diese Käufe auf deutschen Wunsch nach Größe des jeweiligen Landes bemessen werden. Daher kauft die EZB – genauer die Bundesbank in ihrem Auftrag – besonders viel deutsche Papiere. Übersehen wird häufig, dass auch die schwarze Null zu einer Verknappung des Angebots führt. Wer wenig Schulden macht, bringt wenige Anleihen in Umlauf.

Das heißt aber: Bleibt es bei der schwarzen Null und kauft die EZB wieder kräftig zu, verknappt sich das Angebot noch mehr. Die „Financial Times“ warnte vor Kurzem schon vor dem „Verschwinden des Bund-Markts“. Der Zusammenhang zwischen Geld- und Finanzpolitik wird auch in der Theorie eifrig diskutiert.

In einem relativ neuen Papier von Lukasz Rachel und Larry Summers heißt es, ohne die relativ hohe Staatsverschuldung in den USA lägen die Zinsen dort einige Prozentpunkte niedriger. Die Ursache auch hier: Wenn viele Leute sparen wollen, braucht es ein entsprechendes Angebot – zum Beispiel Staatsanleihen. „Weithin als wünschenswert geltende Verschuldungsgrade“, heißt es, „werden wahrscheinlich negative neutrale Zinsen in den Industrietaten nach sich ziehen“.

„Neutrale Zinsen“ sind die Sätze, bei denen es keine unerwünschte Inflation gibt, die Wirtschaft aber auch nicht gebremst wird. Sie geben den Ausschlag für die Zinsen der Notenbanken, die im Fall der EZB ja bereits unter null liegen. Dazu passend vertritt Olivier Blanchard die Meinung, dass heute höhere Verschuldungsgrade ungefährlicher sind als früher, weil die Zinsen niedriger als das Wachstum sind.

In einem neuen Papier zusammen mit Angel Ubide argumentiert er zudem, dass steigende Renditen in Zukunft vor allem im Zusammenhang mit stärkerem Wachstum oder höherer Inflation denkbar wären – und dann der Staat über höhere Einnahmen oder die Entwertung der Schulden entlastet würde.

Nicht alle sehen das so entspannt. Die Großbanken-Organisation IIF in Washington warnt davor, dass die gesamte Verschuldung der Welt mit 246 Billionen nur knapp unter ihrem Rekordhoch im vergangenen Jahr liege. Sie geht davon aus, dass niedrige Zinsen die Schulden weiter hochtreiben. Einige Länder wie Dänemark, Japan, Frankreich und Großbritannien, heißt es zudem, hätten dabei im Unternehmenssektor besonders viel kurzfristige Schulden.

Mehr: Die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve werden die Geldpolitik wieder lockern. Die Frage ist nur, wann und wie sehr. Außerdem ist umstritten, ob dieser Kurswechsel wirklich berechtigt ist.

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