Bank of England Britischer Notenbankchef Carney – Brexit ohne Abkommen ist so schlimm wie Finanzkrise

Steigende Arbeitslosigkeit, einbrechende Häuserpreise: Sollte Großbritannien die EU ohne Deal verlassen, befürchtet der Währungshüter große Verwerfungen auf der Insel.
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Der britische Notenbankchef bleibt bis Ende Januar 2020 im Amt. Quelle: Reuters
Mark Carney

Der britische Notenbankchef bleibt bis Ende Januar 2020 im Amt.

(Foto: Reuters)

New YorkFalls Großbritannien die Europäische Union ohne Abkommen verlässt, würde dies das Land in ein wirtschaftliches Chaos stürzen. Die Folgen könnten sogar so katastrophal wie bei der Finanzkrise 2008 sein. Dieses düstere Szenario malte Mark Carney, Chef der britischen Zentralbank, am Donnerstag in einer Sondersitzung mit Mitgliedern des Kabinetts von Premierministerin Theresa May.

Carney warnte die Politiker, dass die Bank of England im Falle eines ungeordneten Brexits nicht in der Lage sein würde, eine Krise durch Zinssenkungen abzuwenden – wie es die Notenbank nach dem Referendum im Sommer 2016 getan hatte. Am 29. März 2019 soll Großbritannien den Staatenbund verlassen, doch der Austritt ist noch immer nicht geregelt.

Sollte es tatsächlich zu einem Brexit ohne Deal kommen, könnte dies zu einem Immobiliencrash führen, bei dem Häuserpreise um bis zu 35 Prozent einbrechen, sagte Carney. Der gebürtige Kanadier prognostizierte zudem, dass die Inflation steigen und die Arbeitslosigkeit bis in den zweistelligen Prozentbereich klettern könnten. Zudem wäre es möglich, dass Verkehrsanbindungen mit der EU, einschließlich Flugreisen und der Zugverkehr per Eurostar, beeinträchtigt werden.

Die Kabinettsminister hörten schweigend zu, als der Chef der Bank of England seine detaillierte Einschätzung der Risiken präsentierte, berichtet der „Guardian“. Die Notenbank geht zudem davon aus, dass Großbritannien zum ersten Mal seit 1994 eine Nettoemigration erleben würde.

May hatte ihre dreieinhalbstündige Kabinettssitzung geplant, um Notfallpläne zu überprüfen, falls Großbritannien die EU ohne Abkommen verlässt. Damit sollte auch ein Signal an Brüssel gesendet werden, dass Großbritannien auf das Scheitern der Brexit-Gespräche vorbereitet ist. Die britische Regierung hatte bereits Dokumente für Bürger und Unternehmen veröffentlicht, falls die Verhandlungen mit Brüssel scheitern.

Ein Beobachter des Treffens mit Carney in der Downing Street sagte laut „Financial Times“: „Alle Vorhersagen waren düster und die Zahlen waren angsteinflößend.“

Die britische Notenbank lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

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