Bank of England Mit der Zinserhöhung langsam aus dem Krisenmodus

Die britische Zentralbank hat am Donnerstag zum zweiten Mal seit mehr als zehn Jahren die Leitzinsen erhöht – auf gerade einmal 0,75 Prozent.
Update: 02.08.2018 - 18:00 Uhr Kommentieren
Der Chef der Bank of England hat die Leitzinsen auf 0,75 Prozent erhöht. Quelle: Reuters
Mark Carney

Der Chef der Bank of England hat die Leitzinsen auf 0,75 Prozent erhöht.

(Foto: Reuters)

FrankfurtIn seiner Zeit als Chef der Bank of Canada hat sich Mark Carney einen Ruf als exzellenter Krisenmanager erworben. Schließlich hat das Land unter seiner Ägide die Finanzkrise ohne größere Blessuren überstanden. Doch in seinen fünf Jahren als Gouverneur der Bank of England ist es ihm bisher nur sehr langsam gelungen, die Geldpolitik aus dem Krisenmodus herauszuführen.

Am Donnerstag wagte der Kanadier den nächsten kleinen Schritt in diese Richtung – mit der zweiten Zinserhöhung binnen einem Jahr. Die Londoner Währungshüter setzten die Zinsen um 0,25 Prozentpunkt nach oben auf 0,75 Prozent, auf den höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Damit folgen sie einem globalen Trend geldpolitischer Straffung.

Die US-Notenbank hat die Zinsen bereits auf bis zu zwei Prozent angehoben, während die Europäische Zentralbank ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm bald auslaufen lässt und frühestens in einem Jahr die Zinsen anheben will. In Trippelschritten aus der Krise: Von einer Normalisierung der Geldpolitik ist Carney allerdings ein gutes Stück entfernt. Schuld daran hat vor allem das Referendum über den britischen Austritt aus der Europäischen Union.

Zum einen hatten die Turbulenzen direkt nach dem Brexit-Votum vor zwei Jahren den Notenbankchef dazu gezwungen, die Zinsen zu senken, um die Märkte zu beruhigen. Und zum anderen hatte die Unsicherheit über die Folgen des Brexits die Konjunktur des Landes 2017 arg in Mitleidenschaft gezogen. Auch in diesem Jahr rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von nur 1,4 Prozent.

Carney ist für die Wirtschaft des Königreichs aber durchaus optimistisch. Eine Konjunkturschwäche zu Jahresbeginn sei nur vorübergehend und auf Sonderbelastungen wie das kalte Wetter zurückzuführen gewesen. Im zweiten Quartal habe es dagegen eine Wende gegeben, sagte er auch mit Verweis auf die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 42 Jahren. „Der Arbeitsmarkt ist stark.“

Mit der Zinserhöhung reagiert Carney auf eine weitere Brexit-Folge: Der nach dem Referendum abgeschwächte Pfund-Kurs hat die Inflation auf ein vergleichsweise hohes Niveau getrieben. Seit Monaten liegt die Teuerung oberhalb des Zielwerts von zwei Prozent. „Eine moderate Straffung ist nun angemessen, damit die Inflation zum Zweiprozentziel zurückkehrt und dort auch bleibt“, begründete Carney die einstimmige Entscheidung.

Weitere Schritte würden nur graduell und in begrenztem Ausmaß erfolgen. Eine weitere Zinsanhebung vor dem offiziellen EU-Austrittsdatum im März 2019 gilt als so gut wie ausgeschlossen. Schließlich ist es immer noch zu ungewiss, ob sich Großbritannien sanft aus der Europäischen Union verabschieden kann oder ob das Land nach gescheiterten Verhandlungen mit Brüssel mit einem harten Brexit aus dem Staatenverbund stolpert.

Am Markt wird erst im September kommenden Jahres mit einer abermaligen Zinserhöhung gerechnet. Manche Ökonomen zweifeln aber auch daran. „Das Fenster für eine weitere Anhebung dürfte sich im kommenden Jahr weiter verengen und im Jahr 2020 sogar schließen“, sagt Neil Williams, Wirtschaftsberater der Fondsgesellschaft Hermes Investment Management. „Schließlich ist das Wirtschaftswachstum in Großbritannien zuletzt fast zum Stillstand gekommen.“

Sollte Williams recht behalten, würde es für Carney bald schon wieder heißen: zurück in den Krisenmodus.

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