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Bank of England zum Brexit Die Zerrissenheit der britischen Notenbanker

Der Chef der Bank of England hat die Wachstumsprognose für 2017 gesenkt und der Währung einen weiteren Schlag versetzt. Doch für die kommenden Jahre gibt er sich optimistischer – unter einer Bedingung.
11.05.2017 Update: 11.05.2017 - 14:57 Uhr 1 Kommentar
Die britische Notenbank muss auf die Folgen des Brexit reagieren. Quelle: dpa
Bank of England

Die britische Notenbank muss auf die Folgen des Brexit reagieren.

(Foto: dpa)

London Es klang zunächst zuversichtlich, was Mark Carney am Donnerstag über die britische Wirtschaft und Geldpolitik sagte. Zinsen würden in den nächsten drei Jahren auf ein normales Niveau steigen, betonte der Chef der Bank of England. Und auch die jüngste Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sei nur vorübergehend.

Doch der Haken ließ nicht lange auf sich warten: Diese Prognosen beruhten auf einem „reibungslosen Brexit“, warnte Carney. Im Klartext heißt das: Nur wenn Premierministerin Theresa May bei den anstehenden Verhandlungen mit der EU ein Abkommen durchsetzt, das keine radikalen Einschnitte und Veränderungen für die Unternehmen mit sich bringt, würden sich die Vorhersagen bewahrheiten.

Wie geht es weiter nach dem Brexit?
EU-Austrittsgesetz
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Das Brexit-Gesetz muss beschlossen werden. Es soll der britischen Premierministerin Theresa May die Vollmacht geben, die Scheidung von der EU einzuleiten. Unterhaus und Oberhaus im britischen Parlament, sind allerdings noch über Details uneinig und diskutieren über Änderungen in der Gesetzesvorlage.

(Foto: dpa)
Austrittserklärung
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Bis zum 31. März will May dann den Europäischen Rat offiziell vom Austrittswunsch in Kenntnis setzen. Das ist der Startpunkt für die zweijährigen Austrittsverhandlungen.

(Foto: AFP)
EU-Mandat
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Sobald das Schreiben aus London eintrifft, zurrt die Rest-EU in drei Schritten ihre Verhandlungslinie fest: Ein Sondergipfel der 27 Staats- und Regierungschefs beschließt drei bis fünf Wochen später Leitlinien. Auf dieser Basis schlägt die EU-Kommission den Start der Verhandlungen und ein Mandat vor und lässt es vom Rat bestätigen.

(Foto: dpa)
Verhandlungen
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EU-Chefunterhändler Michel Barnier und sein Team von gut 20 Experten, geben sich 18 Monate für die eigentlichen Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens und Übergangsregelungen, also etwa bis Oktober 2018.

(Foto: Reuters)
Ratifizierung
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Auf EU-Seite muss das Austrittsabkommen vom Europaparlament gebilligt und dann vom Rat angenommen werden - und zwar ohne Großbritannien. May will den Vertrag auch dem britischen Parlament vorlegen.

(Foto: dpa)
Fristende
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Das ganze Verfahren muss binnen zwei Jahren nach dem offiziellen Austrittsgesuch abgeschlossen sein, in dem Fall also wohl bis Ende März 2019. Eine Verlängerung ist möglich, wenn alle bleibenden EU-Staaten zustimmen.

(Foto: Reuters)

Carney hat am Donnerstag den jüngsten Inflationsbericht der Notenbank vorgestellt sowie das Ergebnis der geldpolitischen Sitzung. Demnach bleibt der Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent. Für das laufende Jahr hat er die Wachstumsprognose leicht gesenkt: von zwei auf 1,9 Prozent. Das hat den Abwärtstrend der britischen Währung am Donnerstag gegenüber dem Dollar verstärkt. Für 2018 und 2019 rechnet Carney dagegen mit einem leicht höheren Plus als zuvor. Nächstes Jahr soll es demnach bei 1,7 Prozent liegen und ein Jahr später bei 1,8 Prozent.

Das dürfte voraussichtlich dazu führen, dass die Notenbank ihre Geldpolitik einige Monate eher und möglicherweise in einem stärkeren Ausmaß strafft als erwartet, deutete Carney an. Branchenexperten gingen zuletzt mehrheitlich davon aus, dass der Leitzins wohl erst Ende 2019 erhöht würde ­– mehr als ein halbes Jahr nach Abschluss der Brexit-Verhandlungen zwischen London Brüssel. Das wird für Frühjahr 2019 erwartet.

Die britische Wirtschaft hat sich seit dem Brexit-Referendum im Sommer 2016 robuster erwiesen als von einigen vorhergesagt. Auch die Bank of England hatte im vergangenen Jahr noch vor einer massiveren Wirtschaftsschwäche gewarnt. Doch die Ausgabefreue britischer Haushalte hat dies zunächst verhindert – bis zu diesem Jahr. Im ersten Quartal 2017 hat die britische Wirtschaft einen Dämpfer bekommen. Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu und damit weniger als erwartet.

Volkswirte erklärten das unter anderem mit höheren Preisen. Denn die Währungsschwäche seit dem Brexit-Referendum trieb die Inflation nach oben. Die Verbraucherpreise kletterten im März auf das höchste Niveau seit September 2013 und verharrten im April bei 2,3 Prozent. Das schmälert die Kaufkraft der Briten. Doch Carney erwartet, dass die Abkühlung der Wirtschaft nicht lange andauern wird.

Angesichts der Pfundschwäche hat die Bank of England aber ihre Inflationserwartungen erhöht – von 2,4 auf 2,7 Prozent. Das ist zwar deutlich über dem von der Notenbank angepeilten Ziel von zwei Prozent. Doch Carney erwartet, dass die Inflation in den nächsten zwei Jahren wieder sinkt und einen Wert von leicht über 2,1 erreicht.

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1 Kommentar zu "Bank of England zum Brexit: Die Zerrissenheit der britischen Notenbanker"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ach... die lieben Volkswirte berechnen aber bei Wachstumszahlen nie Inflationsraten mit ein! Es werden die Geldmengen eines Vorjahres mit dem dann aktuellen Jahr verglichen und eine %-Zahl ausgerechnet... Es wäre vollkommen richtig, wenn in die Rechnung eine Inflationskorrektur einfliessen würde, aber dann müßte man ja ehrlich sein.... und es würden unangenehme Fragen entstehen... für Banker, Regierungen und Gewerkschaften... Otto Normalbürger würde feststellen, dass bei ihm praktisch nichts wächst, nur er arbeitet für die anderen...

    Daher: ein schwächeres Wirtschaftswachstum wegen Inflation? Hat Herrn Draghi schon mal jemand gesagt, dass es sowas gibt? In GB wäre das aber sehr seltsam, da die natürlich dasselbe Geld ausgeben, nur weniger bekommen. Nachdem sie aber selbst wenig herstellen, sollte das gar nicht so dämpfen.

    Die Frage nach dem Brexit ergibt sich doch aus der Wirtschaftsstruktur in GB. Der Moloch London, der Geld druckt und Finanzdienstleistungen verkauft. Verliert der seinen EU-Markt, wird er implodieren, GB ist zu klein, die Commonwealth-Staaten wollen auch selbst diese Dienstleistungen anbieten, wieso sollen sie das über einen kleineren Standort London machen? Der Rest von GB ist de-industrialisiert (überspitzt formuliert), am Land arbeiten 30% im öffentlichen Dienst... sprich dem Land fehlt dann ein Geschäftsmodell, und Realwirtschaft kann man nicht per Knopfdruck "anschalten". Also lasst die Briten gehen, die kommen (ärmer) wieder...

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