Nach Credit-Suisse-Übernahme: Notenbanken wollen in gemeinsamer Aktion Dollar-Versorgung verbessern
Die Notenbanken wollen die Stabilität des Finanzsystems stärken.
Foto: dpaDenver. Die großen Notenbanken greifen angesichts der jüngsten Bankenturbulenzen ein, um die Versorgung der Finanzwirtschaft mit dem Dollar zu verbessern. An der koordinierten Aktion sind die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Notenbanken der USA, Japans, Großbritanniens, der Schweiz und Kanadas beteiligt, wie sie am späten Sonntagabend mitteilten.
Dabei würden die bestehenden Abkommen zum Dollar-Devisentausch genutzt, um die Liquiditätsversorgung zu stärken, wie die US-Notenbank Fed erklärte. Die Zentralbanken vereinbarten, die Geschäfte mit siebentägiger Laufzeit statt wöchentlich nun täglich abzuhalten. Damit soll schon an diesem Montag begonnen werden. Die täglichen Operationen sollen bis mindestens Ende April andauern.
Das Netzwerk der Swap-Linien zwischen diesen Notenbanken sei ein wichtiges System, das als Liquiditätsabsicherung diene, so die EZB. Dieses stehe zum Abbau von Spannungen an den globalen Finanzmärkten bereit. Es trage dazu bei, die Folgen solcher Anspannungen auf die Kreditversorgung der Haushalte und der Unternehmen sowohl im Inland als auch im Ausland abzumildern.
Die überraschende Ankündigung kam kurz nachdem die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS bekannt wurde. EZB-Chefin Christine Lagarde betonte am Sonntag: „Die Bankenbranche im Euro-Raum ist resilient und hat starke Kapital- und Liquiditätspositionen.“ Die EZB habe alle nötigen Instrumente, um „das Finanzsystem der Euro-Zone bei Bedarf mit Liquidität zu versorgen.“
Analysten reagieren skeptisch
Analysten reagierten am Sonntag zunächst mit Sorge auf diese Initiative. „Wenn Notenbanken sich mit Aktionen beeilen, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist, dann sind die Dinge eigentlich nicht in Ordnung“, gab Jeroen Blokland vom Analysehaus True Insights zu bedenken. Er riet dazu, weiter vorsichtig zu sein, bei Investments in riskante Assetklassen wie Aktien.
Kapitalmarktexperte Mohamed El-Erian geht davon aus, dass künftig nicht nur die Ansteckungsrisiken für das globale Finanzsystem im Fokus stehen, sondern auch mögliche Übersprungeffekte auf die Realwirtschaft. Die Turbulenzen aus dem Bankensystem seien auch ein Risiko für die US-Wirtschaft, „die sich bislang sehr robust gezeigt hat“, sagte El-Erian der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Notenbanken wollten mit ihrer gemeinsamen Aktion „die Gefahr minimieren, dass durch die Bankenkrise auch die Märkte nicht mehr vernünftig funktionieren und es zu wirtschaftlichen Rückschlägen kommt.“
Nach der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) und der New Yorker Signature Bank sind in den USA vor allem die kleineren Banken in den Fokus gerückt. Kunden haben Gelder in Milliardenhöhe abgezogen und bei Großbanken wie JP Morgan Chase und der Bank of America geparkt. Die großen Wall-Street-Häuser sind strenger reguliert und könnten besser positioniert sein, um Probleme abzufedern.
Doch die kleineren Institute vergeben rund 30 bis 40 Prozent der Kredite in den USA, wie aus einer Analyse von Torsten Slok, Chefökonom der Private-Equity-Firma Apollo hervor geht. Damit spielen sie eine zentrale Rolle dabei, Haushalte und Unternehmen mit Krediten zu versorgen. Slok geht jedoch davon aus, dass die Banken nun vorsichtiger bei der Kreditvergabe werden. Sie müssen sich auch auf neue Regulierungen einstellen. Das alles werde ihr Geschäft künftig deutlich schwieriger machen.
US-Banken leihen sich bereits Milliarden bei der Fed durch neues Stützprogramm
Die Fed hatte erst am vergangenen Sonntag nach den Pleiten von SVB und Signature ein neues Stützprogramm für Finanzinstitute auferlegt. Banken können so Kredite von der Fed bekommen und Anleihen als Sicherheiten hinterlegen. Dabei werden die Papiere zum Nennwert anerkannt, auch wenn die Institute sie am Markt mit Verlusten verkaufen müssten.
Der SVB waren Buchverluste bei Anliehen zum Verhängnis geworden. Die Bank musste diese mit einem Verlust verkaufen und hatte damit Panik bei Investoren und Kunden ausgelöst. Angesicht der zuletzt rapide gestiegenen Zinsen in den USA haben eine ganze Reihe von Banken nicht realisierte Verluste in ihren Anleiheportfolios.
In den vergangenen Tagen haben sich Institute im Rekord-Tempo Geld bei der Fed geliehen. Über das neue Programm verlieh die Fed knapp zwölf Milliarden Dollar in einer Woche. Über das reguläre Discount-Window der Fed besorgten sich Banken zusätzliche Liquidität in Höhe von rund 153 Milliarden Dollar. Das ist mehr als der frühere Rekord von 111 Milliarden Dollar, der während der Finanzkrise 2008 erreicht wurde.
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Das neue Kreditprogramm werde in der Finanzbranche als „eine implizite Garantie aller Einlagen gesehen“, erklärt Markus Brunnermeier, Ökonomie-Professor an der renommierten Universität Princeton. Dennoch hat das die Sparer und Investoren bislang nicht beruhigt. Ökonomen und Regulierungsbehörden in den USA diskutieren derzeit darüber, ob eine explizite Garantie aller Bankeinlagen nötig ist, um das nötige Vertrauen wieder herzustellen. Derzeit werden in den USA Einlagen nur bis 250.000 Dollar pro Kunde und Bank garantiert.
Am Mittwoch steht der Zinsentscheid der Fed an. Derzeit wird an der Wall Street heftig darüber diskutiert, ob die Bankenkrisen in den USA und der Schweiz Fed-Chef Jerome Powell dazu zwingen werden, eine Zinspause einzulegen. Blokland geht derzeit nicht mehr davon aus, dass die Fed die Zinsen anheben wird.
Die Futures auf die wichtigen US-Aktienindizes reagierten am Sonntag kurz nach Markteröffnung positiv. Die Futures auf den Leitindex Dow stiegen um 0,2 Prozent. Die des technologielastigen Nasdaq-100 legten um 0,5 Prozent zu.
Mit Agenturmaterial