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Bargeld Neuer Vorschlag: Der 10.000-Euro-Schein gegen Minuszinsen

Zwei Professoren wollen die Sparer mit einem sehr altmodischen Mittel retten: Bargeld. Der Trend geht dagegen Richtung Abschaffung großer Banknoten.
Update: 07.11.2019 - 14:12 Uhr Kommentieren
... und die Produktion des 500-Euro-Scheins wurde eingestellt. Quelle: dpa
Das Sparbuch wirft kaum noch etwas ab ...

... und die Produktion des 500-Euro-Scheins wurde eingestellt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es soll offenbar kein Scherz sein: Die Professoren Aloys Prinz aus Münster und Hanno Beck aus Pforzheim schlagen vor, „Politik und Notenbanken“ sollten Geldscheine mit Nennwerten von 1.000, 5.000 oder 10.000 Euro in Umlauf bringen. Sie versprechen sich davon auch ein Mittel gegen die Minuszins-Politik der Notenbanken, die vor allem Sparer belastet.

Der Vorstoß lässt deshalb aufhorchen, weil in den Euroländern kürzlich die Produktion von 500-Euro-Scheinen eingestellt worden ist. Der Trend geht also genau in die entgegengesetzte Richtung. Für Banknoten ist nicht die „Politik“ zuständig, sondern die Notenbank, im Euroraum also die Europäische Zentralbank (EZB) zusammen mit den jeweiligen nationalen Banken wie etwa der Deutschen Bundesbank.

Ein Grund für die Abschaffung ist der Verdacht, dass große Banknoten besonders geeignet für illegale Transaktionen sind. Die Bundesbank hat eine Studie dazu erstellt, in der dieser Verdacht weder erwiesen noch widerlegt wurde.

In den vergangen Jahren haben häufig auch Krypto-Währungen dort illegale Verwendungen gefunden, wo zuvor Bargeld das geeignete Mittel war – etwa bei Erpressungen.

Die Professoren regen nun an, dass diese neuen Banknoten nicht „direkt für Transaktionen verwendet werden“ sollen, sondern „lediglich als Wertaufbewahrungsscheine“ dienen. „Mit diesen Geldscheinen kann man nicht oder nur schwer bezahlen; sie müssen vorher bei den Geschäftsbanken oder bei der Notenbank gegen kleinere Scheine umgetauscht werden“, heißt es.

Die Rede ist von „T-Geld“ in kleineren Scheinen für Transaktionen und „W-Geld“ in Groß-Scheinen für die Wertaufbewahrung. Die beiden Professoren glauben, dass die „Bekämpfung von Schattenwirtschaft und Kriminalität“ so „möglicherweise sogar“ erleichtert wird, weil die großen Scheine erst in kleine umgetauscht werden müssten, um verwertbar zu werden.

„Damit entsteht automatisch ein Bruch beim Übergang vom illegalen in den legalen Kreislauf“, heißt es, der dann – etwa am Bankschalter – leichter zu überwachen wäre. Offenbar sehen sie also den W-Kreislauf als vorwiegend illegal und den T-Kreislauf als überwiegend legal an, sonst ergibt dieses Argument keinen Sinn.

Ein solches System könnte in der Praxis zudem in beide Richtungen durchlässiger sein als gewollt. Denn es wäre ja auch denkbar, dass jenseits des Bankschalters große Scheine aus dem illegalen Kreislauf gegen große Scheine aus einem legalen Umfeld oder gegen kriminelle Bestände an kleineren Banknoten eingetauscht werden.

Mehr Vertrauen in die Zentralbanken?

Die Autoren sind überzeugt: „Diese Maßnahme dürfte für größeres Vertrauen in die Zentralbanken und das Finanzsystem sorgen und gleichzeitig die Sicherheitsbedürfnisse des Publikums befriedigen.“ Dabei klammern sie die Frage aus, wie sicher oder zu welchen Kosten hohe Bargeldbestände aufbewahrt werden können.

Aus der eigentlichen Zielrichtung ihres Vorschlags machen sie kein Geheimnis: „Dieser Vorschlag erschwert allerdings die Durchsetzung von Negativzinsen.“

Die Autoren behaupten zudem, die nach wie vor große Nutzung von Bargeld werde „in der Politik nicht gerne gesehen, da die Flucht ins Bargeld die Durchsetzung negativer Zinsen erschwert.

Deswegen wird die komplette Abschaffung von Bargeld sowie eine Verteuerung der Bargeldhaltung über eine Besteuerung der Bargeldhaltung und Girokontenbeständen diskutiert.“

Richtig ist, dass solche Vorschläge in vereinzelten Studien aufgetaucht sind, wer „in der Politik“ tatsächlich dafür ist, lassen die Autoren offen. Die Abschaffung von Bargeld ist auch keine Zielsetzung der EZB, die ja – anders als „die Politik“ – für die Minuszinsen verantwortlich ist.

Mehr: Der 100-Euro-Schein ist ein Problem und gehört abgeschafft, kommentiert Handelsblatt-Geldpolitik-Experte Frank Wiebe.

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