Bargeldreform in Indien Gängigsten Rupien-Scheine aus dem Verkehr gezogen

Knall auf Fall hat die indische Regierung die gängigsten Geldscheine aussortiert. Die Menschen sind verunsichert, vor den Banken bilden sich lange Schlangen und Ladenbesitzer klagen über rückläufige Geschäfte.
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Der indische Ministerpräsident zog überraschend alle 500- und 1000-Rupien-Scheine aus dem Verkehr. Quelle: dpa
Banken-Chaos in Indien

Der indische Ministerpräsident zog überraschend alle 500- und 1000-Rupien-Scheine aus dem Verkehr.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie ersten Bankkunden treffen weit vor Morgengrauen ein und bilden eine lange Warteschlange in Kälte und Smog. Geduldig warten sie auf die Öffnung und damit auf eine Möglichkeit, ihr Geld abzuheben. Mehr als sieben Stunden später treten die Sparer den Heimweg an, jeder mit einer Handvoll Geldscheine im Wert von umgerechnet höchstens 55 Euro. Mehr dürfen ihnen die Bankangestellten nicht auszahlen.

Bis zum Mittag füllt die Warteschlange in etlichen Windungen den gesamten Parkplatz vor der Filiale der Axis Bank im Zentrum von Neu-Delhi. Wer ausschert, muss damit rechnen, sich von einem Polizisten einen Schlag mit dem Bambusstock einzufangen. Doch keiner der Wartenden beschwert sich, die meisten von ihnen Arbeiter oder Menschen ohne Ausbildung.

 

Diesen Ländern droht die Überschuldung
Libanon
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In den vergangenen 50 Jahren gab es eine starke Landflucht, sodass die meisten Libanesen in den Städten wohnen. Die Hauptstadt Beirut hat rund 1,5 Millionen Einwohner. Insgesamt leben im Libanon rund vier Millionen Menschen.

Schulden in Höhe von 140 Prozent des BIPs
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Die Staatsschulden betragen 140 Prozent des BIP – der Libanon gehört damit zu den am höchst verschuldetsten Ländern der Welt. Etwa 40 Prozent der Staatsausgaben werden allein für Zinsen und Schuldentilgung aufgewendet. Auch Subventionen für den staatlichen Energieversorger sowie die Lohnausgaben für dem öffentlichen Sektor belasten die Staatskasse erheblich.

Syrische Flüchtlinge betteln vor einer Ladenzeile in Beirut
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Auch die Flüchtlingskrise belastet den Staatshaushalt stark: Im Libanon befinden sich momentan mehr als eine Millionen registrierte Flüchtlinge. Für ein Land mit vier Millionen Einwohnern kaum zu stemmen. Darüber hinaus leidet das Land unter Korruption und einem ineffizienten Verwaltungssystem. Ein vor kurzem veröffentlichter Dokumentarfilm der Heinrich-Böll-Stiftung bezeichnete den arabischen Mittelmeerstaat als „tickende Zeitbombe“.

Vor nicht allzu langer Zeit herrschte im Libanon Krieg
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Der Libanesische Bürgerkrieg dauerte von 1975 bis 1990 und forderte etwa 90.000 Todesopfer. In dieser Zeit flohen rund 800.000 Libanesen aus dem Land. Im Jahr 2006 befand sich der Libanon für 33 Tage im Krieg mit Israel, nachdem die islamische Miliz Hisbollah eine Militärbasis in Israel mit Raketen angegriffen hatte, worauf Israel wiederum mit Luftangriffen reagierte.

Jordanien: Durch die Flüchtlingskrise auf internationale Hilfsgelder angewiesen
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Auch Jordanien ist von der Flüchtlingskrise besonders stark betroffen. In dem syrischen Nachbarland befinden sich 600.000 Syrer sowie 60.000 Iraker. Für ein Land mit 6,6 Millionen Einwohnern nicht finanzierbar. Jordanien ist somit auf internationale Hilfsgelder angewiesen, die jedoch nur schleppend fließen.

Jordanische Militärparade
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Nach der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 sowie dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde Jordanien zum Aufnahmeland für palästinensische Flüchtlinge. Heute sind schätzungsweise die Hälfte der Jordanier palästinensischer Abstammung. Jordanien ist stark von Energieimporten abhängig: Wichtig ist besonders Erdgas, das Ägypten bisher zu Vorzugspreisen geliefert hat. Da durch die Anschläge auf die Erdgaspipeline auf dem Sinai nur noch sehr eingeschränkt Erdgas von dort bezogen werden kann, muss Jordanien seither Schweröl und Diesel aus der Region zu Weltmarktpreisen zukaufen – mit Auswirkungen auf den Staatshaushalt. 2015 betrug die Staatsverschuldung 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2011 waren es noch 71 Prozent gewesen. Zudem macht eine hohe Arbeitslosenquote dem Land zu schaffen.

Felsenstadt Petra
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Die verlassene Felsenstadt Petra gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist von großer Bedeutung für den jordanischen Tourismus. Wasser ist in Jordanien ein rares Gut: Das Königreich gehört zu den fünf wasserärmsten Ländern der Welt.

„Sie sagen uns immer wieder, dass das richtig ist so, und vielleicht haben sie recht“, sagt die 36-jährige Shahida Parveen, deren Familie fast kein gültiges Bargeld mehr besitzt. „Aber ich sehe nicht, dass etwas Gutes passiert.“

So wie vor der Axis Bank sieht es Neu-Delhi und andernortens derzeit auch vor anderen Geldhäusern aus. In dem Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern benötigen mehrere Millionen verzweifelt Bargeld. Grund ist die chaotische Bargeldreform der indischen Regierung, die ganz plötzlich über den Subkontinent hereinbrach: Ministerpräsident Narendra Modi zog in der vergangenen Woche überraschend alle 500- und 1000-Rupien-Scheine aus dem Verkehr, die gängigsten Zahlungsmittel im Land. Bis Ende Dezember können diese noch umgetauscht werden.

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